Der Begriff Otaku bezeichnet eine Person, die eine tiefe, spezialisierte und anhaltende Begeisterung für ein bestimmtes Thema besitzt, die sich häufig durch umfangreiches Wissen, emotionale Bindung und aktive Beschäftigung damit auszeichnet.
In der heutigen Gesellschaft wird es zunehmend schwieriger, unsere reine Begeisterung mit anderen zu teilen. Menschen neigen dazu, soziale Gruppen auf der Grundlage kultureller Geschmäcker zu bilden, und dieses Phänomen hat sich im Zeitalter von Web 2.0 durch Mechanismen wie Filterblasen weiter verstärkt.
Durch das Projekt „Luv What You Luv“ möchte ich zeigen, was ich liebe, und gleichzeitig hören, was andere lieben. Das Projekt besteht hauptsächlich aus einem Magazin, das zwei Ausgaben in einem Band vereint. Die erste Ausgabe, [Girls], zeigt, was ich persönlich liebe. Die zweite Ausgabe, [Otaku], untersucht die Otaku-Fankultur genauer und enthält drei Interviews sowie sechs Gastbeiträge, die hervorheben, wofür andere Menschen eine besondere Leidenschaft haben.
Darüber hinaus umfasst das Projekt einen Fragebogen, der untersucht, was Leser:innen und Besucher:innen der Ausstellung lieben, sowie ein Otaku Presentation Video, in dem Teilnehmende ihre eigenen Leidenschaften und Interessen vorstellen.
Durch dieses Magazin und die dazugehörigen Inhalte hoffe ich, dass Menschen die Freude daran erleben können, das zu teilen, was sie lieben, und durch diese gemeinsamen Ausdrucksformen von Begeisterung lose soziale Verbindungen entstehen.
The term otaku refers to a person who has deep, specialized, and sustained enthusiasm for a particular subject, often characterized by extensive knowledge, emotional attachment, and active engagement.
In contemporary society, it is becoming increasingly difficult to share our pure enthusiasm with others. People tend to form social groups based on cultural taste, and this phenomenon has intensified in the Web 2.0 era through mechanisms such as filter bubbles.
Through the “Luv What You Luv” project, I aim to present what I love while also listening to what others love. The project mainly consists of a magazine composed of two issues in a single book. The first issue, [Girls], presents what I personally love. The second issue, [Otaku], explores otaku fandom culture in depth, featuring three interviews and six contributed essays that highlight what others are passionately devoted to.
In addition, the project includes a questionnaire that explores what readers and exhibition visitors love, as well as an Otaku Presentation Video, in which participants present their own passions and interests.
Through this magazine and its accompanying contents, I hope that people can experience the joy of sharing what they love and form weak social bonds through these shared expressions of enthusiasm.
"Leaving on a High Note" ist eine Reflexion über Schönheit und das Medium Buch. Die Arbeit bringt vielfältiges visuelles Material, von gescannten Fotografien und Kunstwerken über handgezeichnete Textilmuster bis hin zu in Auftrag gegebenen künstlerischen Beiträgen, zusammen. Als eine Art poetisches Moodboard geht das Projekt der Frage nach, wie sich Atmosphäre, Schönheit und visuelle Intuition durch Kuration im Zusammenspiel mit materiellen Entscheidungen formen lassen. Das Papier wurde akribisch gewählt, um die Betrachtung um eine haptische Ebene zu erweitern. Die Bindung durch den Rücken des Hardcovers verweist auf den konzeptuellen, redaktionellen und praktischen Prozess, der zum finalen Objekt geführt hat. Das Buch enthält künstlerische Beiträge von Alva Bücking sowie Zeichnungen von Charlotte Singer.
"Leaving on a High Note" wurde im Rahmen einer Ausstellung gezeigt, die die Stimmung des Buches in den Raum übertrug. Die Soirée fand am 17. Dezember 2025 im ZKM Pavillon in Karlsruhe statt und umfasste eine Installation und eine Chorperformance. Der Chor wurde von Leonie Inga Klopstock geleitet und mit von Anton Schüler designten Krägen ausgestattet.
"Leaving on a High Note" is a reflection on beauty as well as on bookmaking. It is a collection of diverse visual material ranging from scanned photography and artworks to hand-drawn textile patterns and commissioned artistic contributions. It functions as a poetic moodboard, exploring how atmosphere, beauty and visual intuition can be shaped through curation and material decisions. The paper was chosen meticulously in order to introduce a refined tactile experience to the act of viewing. The work is bound with thread punched through the hardcover spine, referencing the conceptual, editorial and practical process that led to the final object. The book includes commissioned work by Alva Bücking as well as drawings by Charlotte Singer.
"Leaving on a High Note" was shown in an exhibition that translated the book’s mood into the space. The soirée took place at the ZKM Pavillon in Karlsruhe on December 17, 2025 and featured an installation alongside a choir performance. The choir was conducted by Leonie Inga Klopstock and outfitted with collars by Anton Schüler.
Jeder Mensch träumt, manche Träume sind lebendig und bildhaft, andere abstrakt und symbolisch. In meiner Abschlussarbeitrbeit habe ich Traumerfahrungen in interaktive Objekte übersetzt und im Rahmen einer interaktive Ausstellung präsentiert. Darin werden sieben Traumthemen reflektiert: zwei der häufigsten Traumarten, Alptraum und Lusttraum; zwei wissenschaftliche Erkenntnisse, die Schwierigkeit des Gehirns, im Schlaf Gesichter und Figuren zu erkennen sowie die Unfähigkeit, Muster in geschriebener Schrift zu lesen; drei persönliche Faszinationen, das Ritual des Einschlafens, des Aufwachens sowie das Träumen als Reise in fantastische Welten.
Beschreibung (en)
Everyone dreams, some dreams are vivid and lifelike, others abstract and symbolic. In my diploma project I translated dream experiences into interactive objects and presented them in an interactive exhibition, reflecting seven dream themes: two addressing the most common dream types, nightmare and pleasure dreaming; two drawing on scientific research, the brain's difficulty recognising faces and figures during sleep, and its inability to read patterns in written text; three rooted in personal fascination, the rituals of falling asleep and waking, and dreaming as a passage to fantastical worlds.
„Imaginary Gardens with Real Toads in Them“ ist eine bekannte Zeile aus dem Gedicht „Poetry“ der amerikanischen Dichterin Marianne Moore. Es beschreibt ihre Einstellung zu Poesie und Kunst. „Imaginary gardens“ symbolisieren den idealisierten, fantastischen Teil von Kunst und Literatur – eine Vorstellung oder Wunschvorstellung, die die Fantasie anregt. Auf der anderen Seite stehen „real toads“ für die realen, greifbaren, oft unromantischen oder nicht idealisierten Aspekte der Welt – Dinge, die konkret und wahr sind, aber vielleicht nicht so schön wie die imaginären Visionen.
In meiner Ausstellung nahm ich mit drei Objekten Bezug auf diese Vorstellung:
– Eine Bank, die den Besucher zum Sitzen und Verweilen, zum Innehalten und Beobachten einlädt. Sie steht für Besinnung und die Erkenntnis der eigenen Position im Garten.
– Eine Kräuterkiste, die für das alte Wissen der Natur steht. Sie symbolisieren die verborgenen Schätze und Geheimnisse, die entdeckt und genutzt werden können. Hier ist der Besucher eingeladen, sich selbst einen Tee zusammenzustellen und aufzubrühen.
– Der Wächter des Gartens – die Kröte – und ihr Rückzugsort, der Brunnen, dienen als Quelle für alle Lebewesen. Der Brunnen steht für Tiefe und Erkenntnis, ein Ort, der durch Achtsamkeit zugänglich ist.
Begleitend zur Ausstellung lag am Eingang der Ausstellung ein kleines Leaflet für jeden Besucher mit einer von mir illustrierten Pflanze. Dazu habe ich eine kleine Geschichte zu meinem „Imaginary Garden“ abgedruckt, daneben ein Plan der Ausstellung mit Hinweisen zu den verschiedenen Objekten. Auf der Rückseite findet sich ein Impressum meiner ganzen Recherche.
„Imaginary Gardens with Real Toads in Them“ is a well-known line from the poem „Poetry“ by American poet Marianne Moore. It describes her attitude towards poetry and art.
„Imaginary gardens“ symbolises the idealised, fantastical part of art and literature – an idea or wishful thinking that stimulates the imagination. On the other hand, „real toads“ represents the real, tangible, often unromantic or non-idealised aspects of the world – things that are concrete and true, but perhaps not as beautiful as imaginary visions.
In my exhibition, I referenced this idea with three objects:
– A bench that invites visitors to sit and linger, to pause and observe. It stands for reflection and awareness of one's own position in the garden.
– A herb box, which represents the ancient knowledge of nature. They symbolise the hidden treasures and secrets that can be discovered and used. Here, visitors are invited to mix and brew their own tea.
– The guardian of the garden – the toad – and its retreat, the well, serve as a source for all living creatures. The well represents depth and insight, a place that can be accessed through mindfulness.
Accompanying the exhibition, a small leaflet was available for each visitor at the entrance, featuring a plant illustrated by me. I also printed a short story about my „Imaginary Garden“. Next to it was a map of the exhibition with information about the various objects. On the back is an imprint of my entire research.
Meine künstlerische Arbeit beschäftigt sich mit Tierschutz, Veganismus und der Frage, warum wir bestimmte Tiere lieben und andere essen. Es ist ein Thema, das mich sowohl auf persönlicher als auch auf künstlerischer Ebene tief bewegt. Vor rund vier Jahren habe ich mich dazu entschieden, mich vegetarisch zu ernähren – und bin bald darauf vegan geworden. Mein jüngeres Ich, das meine Mutter liebevoll „kleine Fleischfresserin“ nannte, hätte sich das kaum vorstellen können. Und doch war der Impuls schon früh da. Ich erinnere mich an meinen achten Geburtstag auf den Philippinen: Meine Familie bereitete ein Fest vor, das Schwein im Garten meiner Tante wurde ausgewählt, geschlachtet, aufgespießt. Erst beim Anblick des toten Körpers auf dem Buffet wurde mir klar, was passiert war – und dass es wegen mir geschah. Das mulmige Gefühl, das ich damals im Bauch hatte, begleitet mich bis heute.
Inspiriert von Melanie Joys Buch Why We Love Dogs, Eat Pigs, and Wear Cows hinterfrage ich in meinem Projekt Love over Taste die gesellschaftlich akzeptierte Trennung zwischen „Nutztieren“ und „Haustieren“, zwischen Leben und Produkt. Im Mittelpunkt steht Piggy – ein liebevoll gestalteter, anthropomorpher Schweine-Charakter, der eine Stimme bekommt, wo Tiere in der Realität keine haben. Basierend auf Recherchen, Dokumentationen wie Dominion oder Mission Erde, erzählt Piggy seine Geschichte als Mastschwein – und findet zugleich in meinen Illustrationen eine Welt jenseits von Leid und Ausbeutung.
Piggy lebt in Szenen weiter, die eine Art Gegenrealität entwerfen: whimsical, freundlich, voller Leichtigkeit. In diesen Bildern ist Piggy allein oder mit seinen Tierfreund*innen zu sehen – in Momenten von Freiheit, Genuss, Selbstbestimmung. Durch die Vermenschlichung möchte ich Empathie wecken: Auch ein Schwein hat ein Recht auf ein leidfreies, selbstbestimmtes Leben.
Zum Projekt gehören neben den Illustrationen auch die Love over Taste Sticker, die Tiere zeigen, die häufig in der Massentierhaltung konsumiert werden – dargestellt mit einem liebevollen, persönlichen Blick.
Mit diesen kleinen, aber sprechenden Arbeiten möchte ich einen Raum öffnen für Gespräche über Mitgefühl, Carnismus und unsere alltäglichen Entscheidungen. Love over Taste ist eine Einladung, die Welt mit anderen Augen zu sehen – mit Piggy’s Augen.
My artistic work deals with animal welfare, veganism and the question of why we love certain animals and eat others. It's a topic that moves me deeply on both a personal and artistic level. About four years ago, I decided to go vegetarian - and soon after became vegan. My younger self, whom my mother affectionately called ‘little carnivore’, could hardly have imagined it. And yet the impulse was there early on. I remember my eighth birthday in the Philippines: my family was preparing a feast, the pig in my aunt's garden was selected, slaughtered and speared. It was only when I saw the dead body on the buffet that I realised what had happened - and that it was because of me. The queasy feeling I had in my stomach back then is still with me today.
Inspired by Melanie Joy's book Why We Love Dogs, Eat Pigs, and Wear Cows, my project Love over Taste questions the socially accepted separation between ‘farm animals’ and ‘pets’, between life and product. At the centre is Piggy - a lovingly designed, anthropomorphic pig character who is given a voice where animals have none in reality. Based on research and documentaries such as Dominion or Mission Earth, Piggy tells his story as a fattening pig - and at the same time finds a world beyond suffering and exploitation in my illustrations.
Piggy lives on in scenes that create a kind of counter-reality: whimsical, friendly, full of lightness. In these images, Piggy can be seen alone or with her animal friends - in moments of freedom, pleasure and self-determination. By humanising them, I want to awaken empathy: A pig also has a right to a life free of suffering and self-determination.
In addition to the illustrations, the project also includes the Love over Taste stickers, which show animals that are often consumed in factory farming - depicted with a loving, personal view.
With these small but eloquent works, I want to open up a space for conversations about compassion, carnism and our everyday choices. Love over Taste is an invitation to see the world through different eyes - Piggy's eyes.
Filler Verlag ist eine unabhängige Plattform für das Buch und für den Diskurs, der aus ihm hervorgeht. „Verlegen“ wird dabei nicht als Akt der Verteilung, sondern als ein Akt des Teilens verstanden. Der Fokus liegt auf der kollektiven Entwicklung und dem Fördern von Diskurs. Mit diesem experimentellen Ansatz denkt Filler das Buch weiter: Wie kann es als Medium in einer zunehmend digitalen und schnelllebigen Welt relevant bleiben? Welche Rolle spielen unabhängige Verlage in einer Zeit, in der Massenproduktion und Standardisierung dominieren?
Aus diesen Fragen heraus entstand Big Hat Big Problems – eine Reihe von Zusammenkünften. Sowohl im physischen als auch im metaphorischen Sinne ist Big Hat Big Problems ein Ort der ständigen Verhandlung und des Austauschs, aber auch des Verweilens. In der Struktur gibt es Referenzen zu literarischen Salons. Lesungen, Gespräche, dicke Teppiche, gemütliche Sessel und gedimmtes Licht. Ein entscheidender Unterschied: Die Gästeliste ist nicht exklusiv.
Big Hat Big Problems ist eine Einladung, das Buch nicht wie üblich als ersten Schritt des Veröffentlichens zu begreifen, sondern als Mittel, um Öffentlichkeiten zu schaffen. An diesen Öffentlichkeiten bedient sich Filler, denn aus jedem Treffen sollen Nachträge der Beitragenden, aber auch Einfälle oder offene Fragen der Teilnehmenden hervorgehen und festgehalten werden. Diese sollen das anfängliche Skript und somit den Inhalt des Buches fortschreiben. Als Gegenthese zum traditionellen Austellungskatalog, der ein Projekt abschließt, wird der Katalog zu Big Hat Big Problems durch jede Veranstaltung erweitert. Er ist modular, jede Zusammenkunft ein Kapitel.
Das Programm ist nicht thematisch gegliedert, Schwerpunkt liegt auf ephemeren Aspekten. Die Fokussierung auf einen Abend – dass alles nur einmal zu hören oder zu sehen ist –
lenkt die Kuration. Den Großteil der Beiträge machen gelesene Texte aus, auch die Aufnahme eines Hörspiels wird nur einmal abgespielt. Die Straße vor dem Ausstellungsraum wird auch durch eine große Kreidezeichnung bespielt. Der Salon öffnet sich; veröffentlicht sich. Im Grunde ist das schon Kunst im öffentlichen Raum, am nächsten Tag aber wieder weg. Das Programm hat keinen Zeitplan, nur eine Reihenfolge und im Laufe des Abends kommt es zu zufälligen Begegnungen und ungeplanten Beziehungen zwischen den Texten. Und innerhalb des Publikums auch, dass à la Salon in den Pausen zwischen den Interventionen über das Erfahrene diskutiert. Big Hat Big Problems will zeigen, dass jede Bewegung und jedes Verstehen nur im Bezug auf andere und ihre Worte möglich ist – auch das Verstehen der eigenen Position, der eigenen Arbeitsweisen und ihrer Wirkung. Kunst, die uns oder etwas berührt, entsteht stets im Dialog mit den Ideen anderer.
Es bleibt Raum für Zweifel, für unvollendete Gedanken und ein Glas zwischendurch. Es gibt keine Botschaften zu entschlüsseln – nur die Einladung, Mehrdeutigkeiten zu akzeptieren.
Die Dokumentation ist absichtlich reduziert, um Performer*innen aber auch Besucher*innen einen freien Raum zu geben.
Filler Verlag is an independent platform for the book and for the discourse that emerges from it. “Publishing” is not understood as an act of distribution, but as an act of sharing. The focus is on collective development and the promotion of discourse. With this experimental approach, Filler thinks the book further: How can it remain relevant as a medium in an increasingly digital and fast-moving world? What role do independent publishers play in an age dominated by mass production and standardization? these questions gave rise to Big Hat Big Problems - a series of gatherings. In both a physical and metaphorical sense, Big Hat Big Problems is a place of constant negotiation and exchange, but also of dwelling. There are references to literary salons in the structure. Readings, conversations, thick carpets, cozy armchairs and dimmed lights. One decisive difference: the guest list is not exclusive.Big Hat Big Problems is an invitation to see the book not as the first step towards publication, as is usually the case, but as a means of creating publics. Filler makes use of these publics, as each meeting is intended to produce and record additions from the contributors, as well as ideas or open questions from the participants. These are intended to continue the initial script and thus the content of the book. As an antithesis to the traditional exhibition catalog that concludes a project, the catalog for Big Hat Big Problems is expanded through each event. It is modular, each meeting is a chapter, the program is not thematically structured, the focus is on ephemeral aspects. The focus on the single evening - that everything can only be heard or seen once - guides the curation. The majority of the contributions consist of read texts, even the recording of a audio play is only played once. The street in front of the exhibition space is covered by a large chalk drawing. The salon opens up; publishes itself. Basically, this is already art in public space, but it's gone again the next day. The program has no schedule, only a sequence, and in the course of the evening there are chance encounters and unplanned relationships between the texts. And within the audience, too, that à la Salon discusses what they have experienced in the breaks between the performances. Big Hat Big Problems wants to show that every movement and every understanding is only possible in relation to others and their words - including the understanding of one's own position, one's own working methods and their effect. Art that touches us or something is always created in dialog with the ideas of others. There is room for doubt, for unfinished thoughts and a glass in between. There are no messages to decipher - only the invitation to accept ambiguity. The documentation is intentionally reduced to create an open space for both performers and visitors.
Welche Art von unbezahlter Sorgearbeit leistest du?
Fühlst du dich dafür wertgeschätzt?
Würdest du dir mehr Hilfe von Familienmitgliedern oder Freund*innen wünschen?
Die szenische Installation „Cooking Care“ zeigt eine pflanzen gefärbte Patchwork-Tischdecke, die die Geschichten von Valeria, Susanne, Anna, Heike und Anne und deren unbezahlten Sorgearbeit über eine Woche hinweg in sich aufgesogen hat. Sie möchte die unsichtbare Arbeit sichtbar machen, investierte Zeit würdigen und sie feiern. Sie bietet eine Bühne, um ihre Stimmen zu hören, Verbindungen zu knüpfen und sich gegenseitig zu unterstützen.
Ausgangspunkt dieses Projekts war ein Abendessen mit fünf Frauen, die in verschiedenen Bereichen der unbezahlten Sorgearbeit tätig sind. An diesem Abend war das Kochen eine gemeinsame Aufgabe, die es allen ermöglichte, nicht nur den Prozess und das gemeinsame Essen zu genießen, sondern auch sich umeinder zu sorgen. Es wurde eine Reihe von vorbereiteten Fragen gestellt, um einen Raum für den Austausch von Geschichten, Zweifeln und Erfahrungen zu schaffen.
Darüber hinaus wurden die Teilnehmer ermutigt, die Stunden unbezahlter Sorgearbeit, die sie in den nächsten sieben Tagen leisteten, zu dokumentieren; sie sollten konkrete Zahlen auf Papier bringen, um die Stunden sowohl für sich selbst als auch für andere sichtbar zu machen. Sie wurden auch gebeten, die psychische Belastung zu dokumentieren, die sie in dieser Zeit erfahren haben. Anschließend wurden die dokumentierten Stunden unterschiedlicher Sorgearbeit und die entsprechende psychische Belastung in eine abstrakte Infografik – in Form einer Tischdecke – übersetzt.
Die Tischdecke besteht aus mehreren gleich großen Quadraten, die jeweils eine Stunde unbezahlter Pflegearbeit repräsentieren, die von diesen fünf Frauen im Laufe der sieben Tagen dokumentiert wurde. Die einzelnen Stoffstücke wurden mit essbaren, saisonalen und lokal beschafften Pflanzen gefärbt, von denen viele selbst gesammelt wurden. Sie wurden vorbehandelt und 24 bis 48 Stunden lang im Färbebad gekocht. Da es sich bei den Stoffen um gebrauchte Haushaltstextilien handelt, hat jedes Stück seine eigene Geschichte und variiert in seiner Fähigkeit, Farbe zu absorbieren. Daher war der Färbeprozess experimentell und variierte, was jedes Mal zu einem einzigartigen Ergebnis führte. Außerdem trug der unterschiedliche Wuchs der zum Färben verwendeten Pflanzen zur Vielfalt der Ergebnisse bei.
Jede gefärbte Farbnuance steht für eine andere Art von Pflegearbeit. Bei hoher psychischer Belastung wurden die Quadrate mit zusätzlichem Stoff durch die Quilting Technik verdickt. Die so entstandene Tischdecke dient somit als künstlerische Abstraktion der unbezahlten Sorgearbeit, die ihre Sichtbarkeit erhöhen soll.
What kind of unpaid care work are you doing?
Do you feel appreciated for it?
Would you like to have more help from family members or friends?
The spatial installation 'Cooking Care' shows a plant-dyed patchwork tablecloth soaked in the stories of Valeria, Susanne, Anna, Heike und Anne and their unpaid care-workload of one week. It aims to reach visibility, to celebrate, and appreciate the time and effort put into that work, and to give their voices a stage to be heard, connected and empowered.
The starting point of this project was a dinner with five women who engage in different fields of unpaid care work. That evening, cooking was a shared task, allowing everyone to not only enjoy the process and feasting together but also to care for each other. A set of premeditated question was asked to create a space to share stories, doubts, and experiences.
Furthermore, the participants were encouraged to document the hours of unpaid care work they performed over the next seven days; to provide actual numbers on paper, making it visible both to themselves and to others. They were also asked to document the mental load they experienced during this time. Then, the documented hours of different care work and the according mental load were translated into an abstract infographic in the form of a tablecloth.
The tablecloth consists of multiple squares of identical size each representing one hour of unpaid care work as documented by these five women over the course of seven days. The individual fabric pieces have been dyed using edible, seasonal, and locally-sourced plants, many of which were self-collected. They were pre-treated and cooked in the dye bath for 24 to 48 hours. Since the fabric consists of second hand household textiles, each piece carries its own history and varies in its ability to absorb dye. Thus, the dyeing process was experimental and varied with each batch, resulting in a unique outcome every time. The different growth of the plants used for dyeing added to the variety.
Each dyed color shade stands for a different type of care work. When there was a high mental load reported, squares were also thickened with additional fabric by the quilting technique. The resulting tablecloth thus serves as an artistic abstraction of the unpaid care work that aims to increase its visibility.
“eternal girlhood” ist eine konzeptionelle Arbeit, welche aus einer Rauminstallation und einer Publikation besteht.
Ursprünglich in den Chinesischen Pavillons des Fasanengartens in Karlsruhe installiert, wurde der Raum mit der Handlung der Publikation durch Requisiten sowie ein selbst produziertes Musikstück verknüpft.
Das Projekt ermöglicht eine Reise in eine poetische Geschichte, inspiriert von persönlichen und kulturellen Themen wie Girlhood, Coming-of-Age und Growing Pains.
Die handgebundene Publikation mit glitzerndem und geprägtem Umschlag umfasst auf ca. 100 Seiten neben Serien analoger Schwarzweiß-Fotografie farbige Mittelformat-Fotos, begleitet von analogen Schnappschüssen und Illustrationen im Riso-Druck.
Zwischen Fotoserien und Illustrationen sind Songtexte sowie Skriptfragmente und Gedichte eingestreut, in Referenz zu Filmsequenzen aus Coming-of-Age-Geschichten. Es ergibt sich die zeitlose Skizze eines Mädchens, das Teil einer innig verbundenen Mädchengruppe ist.
Transparente Drucke von drei Mittelformat-Fotografien werden vom Fensterlicht erleuchtet und symbolisieren in Zusammenhang mit dem Buch unterschiedliche Kapitel der Geschichte.
Unter einem Baldachin, umgeben von funkelnd tanzenden Schmetterlingen, können Besucher*innen in diese Welt eintauchen und sind eingeladen, für einen Moment Teil von „eternal girlhood“ zu sein, fernab der Echtzeit.
“eternal girlhood“ is a conceptional artwork, blending a publication with its installation space.
Initially installed in the Chinese pavillons of the Fasanengarten in Karlsruhe, the space was connected to the story of the book through props and a musical sound score.
The project offers a journey into a poetic story, inspired by personal and cultural ideas on girlhood, coming of age and growing pains.
Handbound, wrapped in a glittery embossed dustcover, the publication features around 100 pages with multiple series of black and white film photography, medium format shots underlined by analog snapshots and Riso printed Illustrations. In between the chapters of photography and Illustrations, lyrics, fragments of script and poems are inserted in reference to movie sequences from coming of age stories. A timeless profile of a girl being part of girlhood and a deeply connected friendship is created.
Transparent prints of three medium format photos are illuminated by the windows’ natural light and symbolize different chapters of the story in combination with the book.
Underneath a canopy, surrounded by sparkling dancing butterflies, visitors can dive into this world and are invited to become part of “eternal girlhood“, away from modern reality.
The project was born in response to the passing of an unaccompanied homeless individual in 2018, a person without known family or friends. Her death was cataloged—reduced to data archived in newsrooms and on digital servers. Yet, if this data remains untouched, and her memory fades into obscurity, does her existence persist? She lingers and remains unseen—a paradoxical state of both presence and absence. Within the digital void, she exists as a spectral trace, haunting the silence, waiting to be rediscovered, forever closed in on herself.
Such is the nature of ghosts—the living create them. We resurrect the departed in our own ways, through rituals, texts, and the intangible recipes of memory. We read, we create, we consume, and through this, we invite the dead to inhabit us once more. This project is an assemblage of fragments—an exploration of the processes through which we become haunted by the past.
"HARNESSING THE CURRENT – on Catching Liminality" is a short film about the absurd and motivational potential of being in and embracing the between. The short film features and is accompanied by a clay instrument. In the film, it serves as a metaphor for grasping and embracing a new perspective on life. The instrument also serves as a tool for meditation: The design only allows one note to be played, which makes the user focus more on consistent breath, rhythm and body feeling.
"sentimental gentle rental”, das Abschlussprojekt von Juliane Schmitt, ist eine Performance- und Soundinstallation, die sich um die Portativorgel dreht, ein Instrument, das im Mittelalter populär war. Die Arbeit basiert auf der Recherche über Nonnen in mittelalterlichen Klöstern. Die Portativorgel prägt die Aufführung durch ihren atemähnlichen Rhythmus. Die begrenzte Tonreichweite wird durch die Verwendung von Tools erweitert, um die Pfeifenlängen zu verändern. Dabei entsteht Reibung durch Obertöne, Dissonanzen und schwingende Frequenzen. Die Performerinnen synchronisieren ihren Atem mit dem Instrument und schaffen so ein zartes Gleichgewicht von Klang und Stille. Die Portativorgel, geliehen von einem Orgelbauer, wird damit zu einem Stellvertreterobjekt zarter Sentimentalität und zeitlich begrenzter Transzendenz.
Beschreibung (en)
"sentimental gentle rental” the graduation project by Juliane Schmitt is a performance and sound installation centered on the portative organ, an instrument that was popular in medieval times.
The work is based on research on nuns in medieval monasteries. The portative organ shapes the performance through its rhythmic breath-like cadence. The limited tonal range is expanded by using tools to adjust pipe lengths, producing higher tones and creating friction with overtones, dissonances, and oscillating frequencies. The performers synchronize their breath with the instrument, creating a delicate balance of sound and silence, transforming the organ that was borrowed from an organ builder into a vessel of gentle sentimentality and temporal transcendence.
"The Plenum – A Scripted Play" behandelt das performative, das rituelle und das gemeinschaftsbildende Moment des Plenums als Planungstreffen selbstverwalteter Gruppen im politischen und kulturellen Kontext.
Über den Zeitraum eines Jahres wurden "Plena" in unterschiedlichen Konstellationen durchgeführt, die die gruppeneigene Dynamik untersuchten und auf Basis eines sich verändernden Scripts, einem Theaterdrehbuch oder Code gleichend, in einer kollektiven Performance Ausdruck fanden.
Die dabei von der Gruppe gemachten Erfahrungen dienten nicht nur zur Dokumentation für Gewesenes, sondern wurden als neuer „Input“ sofort in das bestehende Script eingearbeitet. Das sich permanent verändernde Projekt konnte so nach Vorbild eines Computerprogramms transparent gestaltet werden und ermöglichte eine basisdemokratische Beteiligung aller Akteur:innen – unabhängig von präexistentem Wissen oder Erfahrungswerten.
Nach Vorbild von Jo Freemans Essay „The Tyranny Of Structurelessness“ stand das Schaffen offener und klarer Kommunikation bezüglich der eigenen Gruppenstruktur und deren „Balance of Power“ im Mittelpunkt der Treffen.
„The Plenum – A Scripted Play“ ist jedoch nicht nur ein reales Treffen einer politischen Gruppe, sondern schafft seine identitäre Notwendigkeit durch seine Schnittstelle mit der Simulation: Das Finden von Mehrheiten (oder Einstimmigkeiten), die Verteilung von Macht und Autorität innerhalb der eigenen Gruppe sowie der Entscheidungsfindungsprozess wurden in verschiedenen Modellen spielerisch erprobt und in ihren politischen und historischen Kontext eingeordnet. Der fiktive Aspekt der Treffen öffnete Spielräume zur Reflexion über das eigene Verhalten innerhalb von Gruppengefügen. Vielen dieser Simulationen dienten Computercodes, Brettspiele und politische Verfassungen zur Vorlage.
Einem jeden Treffen selbstverwalteter Gruppen wohnt immer – oft unbewusst – etwas Rituelles inne, das zum Schaffen der kollektiven Identität von hoher Bedeutung ist. Das Wiederholen planerischer Abläufe und die kodifizierten, gruppenspezifischen Kommunikationsregeln entscheiden über Zugehörigkeit zur Gruppe und sind identitäts- und sinnstiftend.
Was vom Plenum bleibt, sind Simulationsskizzen, ein (beinahe) gegründeter Verein, eine intensive Auseinandersetzung um Vergütungsmodelle in einer nonmonetären Mikrowirtschaft und das Erarbeiten nachhaltiger Strukturen für die eigene kulturelle und politische Praxis, die sich bis heute fortsetzen. Sichtbar von alledem ist nichts, außer die Spuren, die wir stigmergisch hinterlassen.
Diese Spuren: Der Raum, in dem wir uns treffen; das Feuer, um das wir uns versammeln; die Karten, aus denen wir ablesen können, was einmal besprochen wurde – und werden wird; und das Script, ein sich permanent veränderndes Programm, das es uns vielleicht einmal ermöglichen wird, eine sozial und ökologisch nachhaltige Existenz in der Kunst- und Kulturszene zu führen.
"The Plenum - A Scripted Play" deals with the performative, ritual and community-building moment of the plenum as a planning meeting of self-organised groups in a political and cultural context.
Over the course of a year, "Plena" were held in different constellations, which examined the group's own dynamics and found expression in a collective performance based on a changing script, similar to a theatre script or code.
The experiences made by the group not only served to document what had already happened, but were also immediately incorporated into the existing script as new "input". The constantly changing project could thus be designed transparently, modelled like a computer program, and enabled the grassroots democratic participation of all actors - regardless of pre-existing knowledge or experience.
Inspired by Jo Freeman's essay "The Tyranny Of Structurelessness", the creation of open and clear communication regarding the group's own structure and its "balance of power" was at the centre of the meetings.
However, "The Plenum – A Scripted Play" is not just a real meeting of a political group, but creates its identitary necessity through its intersection with the simulation: finding majorities (or unanimity), the distribution of power and authority within one's own group and the decision-making process were playfully tested in various models and placed in their political and historical context. The fictitious aspect of the meetings opened up scope for reflection on one's own behaviour within group structures. Many of these simulations were based on computer codes, board games and political constitutions.
There is always – often unconsciously – something of ritual inherent to every meeting of self-governed groups, which is of great importance for creating a collective sense of identity. The repetition of planning processes and the codified, group-specific communication rules determine membership of the group and create identity and purpose.
What remains of the plenum are simulation sketches, an (almost) founded association, an intensive debate about remuneration models in a non-monetary micro-economy and the development of sustainable structures for one's own cultural and political practice, which continue to this day. None of this is visible, except for the traces that we stigmergically leave behind.
These traces: the space in which we meet; the fire around which we gather; the cards from which we can read what has been – and will be – discussed; and the script, a constantly changing programme that will perhaps one day enable us to lead a socially and ecologically sustainable existence in the world of art and culture.