"Shaping Thought" untersucht, wie digitale Schreibwerkzeuge beeinflussen, wie wir denken und schreiben. Klassische Texteditoren folgen festen Regeln: Der Cursor wartet, Text bleibt sichtbar, Fehler können gelöscht und Gedanken jederzeit neu geordnet werden. Dadurch erscheint Schreiben als linearer und kontrollierter Prozess, obwohl Gedanken häufig sprunghaft, fragmentiert und zeitlich sind.
Meine Arbeit bricht diese vertrauten Regeln auf. In einer Sammlung experimenteller Schreibtools verändern sich Cursor, Text, Raum und Zeit: Wörter verschwinden, Pausen werden sichtbar, Buchstaben bewegen sich oder das Geschriebene lässt sich nicht mehr korrigieren. Jede Regel erzeugt eine andere Form des Schreibens und beeinflusst, wie Gedanken entstehen, festgehalten und wahrgenommen werden.
Das Projekt versteht das Schreibinterface nicht als neutrales Werkzeug, sondern als System, das Denken mitgestaltet. Die Tools laden dazu ein, vertraute Schreibgewohnheiten spielerisch zu hinterfragen und alternative Formen des Denkens und Schreibens zu erproben.
"Shaping Thought" explores how digital writing tools influence the way we think and write. Traditional text editors follow fixed rules: the cursor waits, text remains visible, mistakes can be deleted, and thoughts can be rearranged at any time. As a result, writing appears to be a linear and controlled process, even though thoughts are often erratic, fragmented, and time-bound.
My work breaks these familiar rules. In a collection of experimental writing tools, the cursor, text, space, and time undergo transformation: words disappear, pauses become visible, letters move, or what has been written can no longer be corrected. Each rule generates a different form of writing and influences how thoughts arise, are captured, and are perceived.
The project views the writing interface not as a neutral tool, but as a system that helps shape thought. The tools invite users to playfully question familiar writing habits and to experiment with alternative forms of thinking and writing.
weibelmaschine.net ist der Versuch, die Essenz von Peter Weibels Sprechen zu digitalisieren und so eine orakelhafte Version seines Geistes, auch als Inspiration für kommende Generationen, zu schaffen. Wir haben uns bewusst dafür entschieden, nur den Klang der Stimme zu simulieren, um den performativen Aspekt des Sprechens in den Vordergrund zu rücken. Die inhaltliche Ebene wird hingegen getrennt davon in Textform dargestellt.
SampleRNN, GPT2-Modell, Transformers Library von Huggingface, RaspberryPi
Auftrag durch
In Zusammenarbeit mit Johannes Bechberger und Alexander Liebrich, produziert in Kooperation mit dem ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe. Die Arbeit wird bis zum 28.08.2022 in der Ausstellung BioMedien am ZKM Karlsruhe gezeigt und wird dann in die Sammlung des ZKM aufgenommen.
Testlauf einer 360°- Kamera in Ausstellungssituation. Kamera wird durch eine besseres Modell ausgetauscht, die einen hochauflösenden 360°- Stream liefert:
https://youtu.be/-YH7Z5Ao5Gs
„Modern Salon“ ist ein räumliches, literarisches und performatives Experiment über das Schreiben, Lesen und Öffentlichwerden von Sprache. Im Zentrum steht ein fortlaufendes, vielstimmiges Manuskript, das weniger als abgeschlossenes Werk denn als „Container“ verstanden wird – als Rahmen, der Sprache hält und zugleich offenbleibt.
Dieses Prinzip überträgt sich auf den Raum: Box, Manuskript und Bühne werden zu unterschiedlichen Maßstäben derselben Bewegung. Während des Readings wird der Text verteilt und gleichzeitig laut vorgelesen. Lesen und Zuhören finden nebeneinander statt, der Text zirkuliert zwischen Stimme, Schrift und Vorstellung.
Das gemeinsame Lesen wird so zu einem „Akt des Publizierens“: Sprache wird in dem Moment öffentlich, in dem sie geteilt wird. Für die Dauer des Readings entsteht eine „imagined community“ – ein temporärer Raum, in dem Bedeutung nicht festgeschrieben, sondern gemeinsam in Bewegung gebracht wird.
Beschreibung (en)
“Modern Salon” is a spatial, literary, and performative experiment exploring the writing, reading, and public circulation of language. At its center is an ongoing, polyphonic manuscript, understood less as a finished work than as a “container” — a framework that holds language while remaining open.
This principle extends into space: box, manuscript, and stage become different scales of the same movement. During the reading, the text is distributed and read aloud simultaneously. Reading and listening coexist as the text circulates between voice, writing, and imagination.
This shared reading becomes an “act of publishing”: language becomes public in the moment it is shared. For the duration of the reading, an “imagined community” emerges — a temporary space in which meaning is not fixed, but collectively set in motion.
*no wind no word* untersucht, wie Körper, Raum und bildgebende Technologien gemeinsam eine Wahrnehmungssituation hervorbringen. Die zwölfminütige Mehrkanal-Video- und Soundinstallation fragt, wie Wahrnehmung entsteht und wie sich Bedeutung bildet, wenn Bilder, Klänge und Bewegungen nicht auf eine eindeutige Aussage reduziert werden. Die Installation entstand in Zusammenarbeit mit der Tänzerin und Choreografin Sade Mamedova. An Stelle einer festgelegten Choreografie tritt ein klar definierter räumlicher und technischer Rahmen. Mehrere Kameras, verschiedene Mikrofone und ein Geophon zeichnen dieselbe Situation auf. Die Technik dient dabei nicht der Dokumentation einer Performance, sondern wird dabei selbst zum Akteur in der Arbeit. *no wind no word* fordert nicht dazu auf, eine Geschichte zu entschlüsseln. Die Installation lädt dazu ein, Zeit auszuhalten, Mehrdeutigkeit zuzulassen und Wahrnehmung als offenen Prozess zu erfahren.
Beschreibung (en)
no wind no word explores the interplay between the body, space, and moving image. The twelve-minute multichannel video and sound installation explores how perception arises and how meaning is formed when images, sounds, and movements are not reduced to a single, unambiguous statement. The installation was created in collaboration with dancer and choreographer Sade Mamedova. Instead of a fixed choreography, the work establishes a clearly defined spatial and technical framework. Several cameras, various microphones, and a geophone record the same situation. Rather than simply documenting the performance, the technology itself becomes an active participant in the work. no wind no word invites viewers to linger, embrace ambiguity, and experience perception as an open-ended process.
Eine fotografische Dokumentation der Objektserie "Patterns in Perception" mit den drei Arbeiten "Pattern of Breath", "Weaving Spaces" und "Shifting Shadows". Die Serie zeigt unterschiedliche Wege, wie Muster durch Bewegung, räumliche Struktur und Licht über ihre zweidimensionale Form hinaus erweitert und neu wahrgenommen werden können.
Beschreibung (en)
A photographic documentation of the series “Patterns in Perception,” featuring the three works “Pattern of Breath,” “Weaving Spaces,” and “Shifting Shadows.” The series explores different ways in which patterns can be expanded beyond their two-dimensional form and perceived anew through movement, spatial structure, and light.
Eine Auswahl experimenteller Studien, in denen unterschiedliche Techniken, Materialien und Anwendungsmöglichkeiten untersucht wurden. Schritt für Schritt entwickelten sich aus diesen Erkundungen die Ansätze, die später in die finale Objektserie überführt wurden.
Beschreibung (en)
A selection of experimental studies in which various techniques, materials, and potential applications were explored. Step by step, these explorations gave rise to the approaches that were later incorporated into the final series of objects.
"Patterns in Perception" untersucht, wie sich Muster über die Fläche hinaus zu lebendigen räumlichen Strukturen entwickeln können. Ausgangspunkt ist ein offener experimenteller Prozess, der erforscht, wie Material, Bewegung und Licht gemusterte Oberflächen aktivieren und verändern können. Durch Techniken wie Biegen, Falten, Ineinanderstecken und Verschieben entwickeln sich zweidimensionale Muster nach und nach zu räumlichen Formen und eröffnen durch das Experimentieren neue gestalterische Möglichkeiten.
Aus diesen Untersuchungen entstand schließlich eine Serie aus drei Objekten, die jeweils eine andere Entdeckung aus dem experimentellen Prozess aufgreifen. "Pattern of Breath" nutzt Bewegung, um ein Muster in eine responsive Atemerfahrung zu übersetzen. "Weaving Spaces" überträgt den manuellen Prozess des Biegens und Ineinandersteckens in einen architektonischen Maßstab und schafft dadurch neue räumliche Beziehungen. "Shifting Shadows" nutzt die Bewegung einzelner Elemente, um Licht gezielt zu lenken und durch wechselnde Reflexionen und Schatten die Wahrnehmung des umgebenden Raumes kontinuierlich zu verändern.
Gemeinsam zeigen die drei Objekte unterschiedliche Möglichkeiten, Muster über ihre vertraute zweidimensionale Form hinaus zu aktivieren, wahrzunehmen und zu erleben.
"Patterns in Perception" explores how patterns can move beyond the surface to become living spatial structures. Beginning with an open process of experimentation, the project investigates how material, movement, and light can activate and transform patterned surfaces. Through techniques such as bending, folding, interlocking, and shifting, two-dimensional patterns gradually evolve into spatial forms, revealing new possibilities through the process of making.
These explorations ultimately unfold into a series of three objects, each translating a different discovery from the experimental process. "Pattern of Breath" uses movement to transform a pattern into a responsive breathing experience. "Weaving Spaces" brings the hands-on process of bending and interlocking into an architectural scale, shaping new spatial relationships. "Shifting Shadows" uses the movement of individual elements to redirect light, creating changing reflections and shadows that continuously reshape the perception of the surrounding space.
Together, the three objects reflect different ways in which patterns can be activated, experienced, and perceived beyond their familiar two-dimensional form.
Schneideplotten, Materialexperimente, Arbeiten mit Formgedächtnislegierungen, kinetische und responsive Bewegung, manuelle und sensorbasierte Aktivierung
In this project, I examine how the male gaze is built within AI systems content moderation , where censorship and sexualization coexist. Drawing from Anselm Feuerbach’s 1852 painting Hafis vor der Schenke, depicting the poet Hafez and two silent women, the work poses the question: if freed from spectatorship, what voices might they reveal? This two-channel video installation reimagines the scene through AI video generation and live narration. Referencing Valerie Solanas’s S.C.U.M. Manifesto, it reflects on how Gen-AI, governed by moral bias, mirrors a patriarchal worldview - still defining what is visible and what must remain unseen.
Beschreibung (en)
THE (A)RB(I)TER
In this project, I examine how the male gaze is built within AI systems content moderation , where censorship and sexualization coexist. Drawing from Anselm Feuerbach’s 1852 painting Hafis vor der Schenke, depicting the poet Hafez and two silent women, the work poses the question: if freed from spectatorship, what voices might they reveal? This two-channel video installation reimagines the scene through AI video generation and live narration. Referencing Valerie Solanas’s S.C.U.M. Manifesto, it reflects on how Gen-AI, governed by moral bias, mirrors a patriarchal worldview - still defining what is visible and what must remain unseen.
Die Arbeit entstand im Seminar Frameworks of Fiction in Zusammenarbeit mit der Kunsthalle Mannheim. Ausgangspunkt des Seminars war die kritische Auseinandersetzung mit der Sammlung der Kunsthalle Mannheim, insbesondere mit historischen Gemälden und den Bildkonstruktionen, die sie repräsentieren. Die Studierenden konnten frei ein Werk aus der Sammlung als Ausgangspunkt ihrer eigenen künstlerischen Arbeit wählen. Thematisiert wurden unter anderem Die Erschießung Kaiser Maximilians, Der türkische Frauenraub sowie Anselm Feuerbachs Hafis an der Schenke, das den Ausgangspunkt dieser Arbeit bildet.
Ausgehend von Feuerbachs Hafis an der Schenke werden die kolonialen Bildpolitiken und hierarchischen Konstruktionen des Gemäldes dekonstruiert.
Figuren, die im Original gesichtslos bleiben oder lediglich als Staffage erscheinen, erhalten Individualität, ein Gesicht und Handlungsmacht.
Durch ihre neue Anordnung entstehen Beziehungen, die von Empathie, Zärtlichkeit und gegenseitiger Fürsorge geprägt sind. Die zentrale Stellung des persischen Dichters Hafis wird zugunsten eines kollektiven Gefüges aufgelöst.
Gleichzeitig richtet sich die Arbeit gegen die Vorstellung des Künstlers als herausragendes Einzelgenie, das losgelöst von seiner Gemeinschaft schöpft. Dieser Idee wird ein Verständnis künstlerischer Praxis gegenübergestellt, das Gemeinschaft, gegenseitiges Zuhören, Fürsorge und Zusammenarbeit als Grundlage kreativen Handelns begreift. Künstlerisches Schaffen erscheint nicht als isolierter Akt, sondern als Ergebnis sozialer Beziehungen und gemeinschaftlicher Prozesse.
Die Rauminstallation besteht aus acht frei hängenden Leinentüchern, die mit verschiedenen Nähmaschinenstichen bearbeitet wurden. Mehrere Bildfragmente lösen die Figuren aus Feuerbachs ursprünglicher Komposition heraus und setzen sie in neue räumliche Beziehungen zueinander. Die hierarchische Bildordnung des Originals weicht einem offenen Geflecht aus Körpern, Blicken und Begegnungen.
Die Materialität der Installation steht bewusst im Kontrast zur Tradition der Malerei. An die Stelle der fest auf einen rechteckigen Keilrahmen gespannten Leinwand treten frei hängende Stoffbahnen, die durch ihre Beweglichkeit eine skulpturale Qualität entwickeln. Die Naht ersetzt den Pinselstrich. Während die Vorzeichnung in der Malereitradition lediglich als vorbereitender Arbeitsschritt galt, wird die Linie hier selbst zum bildgebenden Element. Als verbindende Spur zwischen den Figuren macht sie Beziehungen sichtbar und tritt an die Stelle der malerischen Geste.
Das Nähen, historisch dem Kunsthandwerk und weiblich konnotierten Tätigkeiten zugeordnet, wird als eigenständiges künstlerisches Medium eingesetzt. Die Naht verbindet nicht nur Stoff, sondern auch Körper, Figuren und Bildräume und führt damit das zentrale Motiv des Verbindens auf materieller Ebene fort.
The work was created in the seminar Frameworks of Fiction in collaboration with the Kunsthalle Mannheim. The seminar's starting point was a critical examination of the Kunsthalle Mannheim's collection, particularly its historical paintings and the image constructions they represent. Students were free to choose a work from the collection as the starting point for their own artistic work. Among the works addressed were The Execution of Emperor Maximilian, The Turkish Abduction of Women and Anselm Feuerbach's Hafiz at the Tavern, which forms the starting point of this work.
Taking Feuerbach's Hafiz at the Tavern as its point of departure, the work deconstructs the painting's colonial image politics and hierarchical constructions. Figures who remain faceless in the original or appear merely as staffage are given individuality, a face and agency. Their new arrangement creates relationships marked by empathy, tenderness and mutual care. The central position of the Persian poet Hafiz is dissolved in favor of a collective structure.
At the same time the work pushes back against the idea of the artist as an exceptional individual genius creating in isolation from their community. Against this idea it sets an understanding of artistic practice that grounds creative action in community, mutual listening, care and collaboration. Artistic creation appears not as an isolated act but as the result of social relationships and collective processes.
The spatial installation consists of eight freely hanging linen cloths worked with various sewing machine stitches. Several image fragments extract the figures from Feuerbach's original composition and place them in new spatial relationships to one another. The hierarchical pictorial order of the original gives way to an open web of bodies, gazes and encounters.
The materiality of the installation deliberately contrasts with the tradition of painting. In place of canvas stretched tightly over a rectangular frame are freely hanging lengths of fabric whose mobility gives them a sculptural quality. The seam replaces the brushstroke. While the preliminary sketch was traditionally seen merely as a preparatory step in painting, here the line itself becomes an image making element. As a connecting trace between the figures it makes relationships visible and takes the place of the painterly gesture.
Sewing, historically associated with craft and with work coded as feminine, is employed here as an independent artistic medium. The seam joins not only fabric but also bodies, figures and pictorial spaces, carrying the central motif of connection forward onto the material level.
„As beginning is to end“ beschäftigt sich mit Fotografie, Architektur, Zeitlichkeit und der Neuordnung von vorhandenem Bildmaterial. Das Projekt verbindet eine Publikation mit einer räumlichen Installation. Dafür wurden gescannte Fotografien aus bestehenden Fotobüchern zu einer offenen, filmischen Sequenz neu angeordnet. Die Fotografien werden als Fragmente eines fortlaufenden Geschehens verstanden, dessen Narrativ wiederkehrenden Motiven, Atmosphären und Blickrichtungen folgt.
Die gefundenen Fotografien zeigen ausschließlich Fragmente von privaten Innenräumen und Figuren, die sich durch diese bewegen. Die Innenräume werden dabei zu Spuren von Identitäten, Erinnerungen und Geschichten und eröffnen den intimen Blick in geschlossene Wände.
In der Publikation bestimmen die im Vollformat gedruckten Fotografien und darauf folgende weiße Doppelseiten den Rhythmus des Betrachtens. Die leeren Seiten schaffen kurze Pausen und schlagen Brücken zu dem Unwissenden. Außerdem ist der Publikation ein Text beigefügt, der den Gang durch die Fotografien leitet.
Der selbe Rhythmus wird in den Ausstellungsraum übersetzt. Die ausgewählten Fotografien wurden hier dabei stark vergrößert und immer wieder durch Leerstellen pausiert. Bei der Wahl des Ausstellungsraums war es wichtig, einen Ort zu finden, der durch seine architektonische Beschaffenheit bereits fragmentarisch Spuren und Geschichten in sich trägt. Jedes Element der Architektur ist ein Bestandteil der Übersetzung der fotografischen Szenen und lassen die Betrachtenden in diese räumlich eintreten.
“As beginning is to end” explores photography, architecture, temporality, and the rearrangement of existing visual material. The project combines a publication with a spatial installation. Scanned photographs from existing photo books were rearranged to form an open, cinematic sequence.
The found photographs depict fragments of private interiors and figures moving through them. The interiors become traces of identities, memories, and stories, offering an intimate glimpse behind closed walls.
In the publication, the printed images and the following white double-page spreads determine the rhythm of viewing. The blank pages create brief pauses and build bridges to the unknown. Additionally, the publication includes a text that guides the viewer through the photographs.
The same rhythm is translated into the exhibition space. The selected photographs are greatly enlarged and repeatedly paused with blank spaces. When selecting the exhibition space, it was important to find a place whose architectural character already contains fragmentary traces and stories. Each architectural element plays a role in interpreting the photographic scenes and allows viewers to enter them spatially.
„Rote Saat“ ist eine installative Arbeit, die sich mit dem Verschwinden traditioneller Nutzpflanzen in Deutschland und der Bedeutung von Saatgutbanken als lebendige Archive auseinandersetzt. Ausgangspunkt ist die Beobachtung eines drastischen Rückgangs der Sortenvielfalt seit dem 20. Jahrhundert, bedingt durch industrielle Landwirtschaft, gesetzliche Regulierungen und die Konzentration auf wenige Hochleistungssorten. Viele regional angepasste Landsorten erfüllen heutige Zulassungskriterien nicht mehr und sind dadurch aus dem Anbau verschwunden. Die Arbeit nimmt diese Entwicklung zum Anlass, um Prozesse der Erhaltung und Weitergabe von Saatgut sichtbar und erfahrbar zu machen.
Sie entstand im Kontext einer künstlerischen Recherche zu agrarökologischen Praktiken, Saatgutpolitik und kollektiven Formen der Wissensweitergabe. Ausgangspunkt war die Zusammenarbeit mit lokalen Initiativen in Karlsruhe, insbesondere der Solidarischen Landwirtschaft KArotte, dem Sozialen Garten (afka) sowie der Genbank für Wildpflanzen für Ernährung und Landwirtschaft (WEL).
Im Mittelpunkt steht eine 8-Kanal-Soundinstallation, die den Übergang vom Winter zum Frühling auf den Feldern der Solidarischen Landwirtschaft dokumentiert. Die Komposition verbindet Umgebungsgeräusche der Jahreszeiten mit Arbeitsgeräuschen auf dem Feld und der Saatgutaufbereitung: das Umgraben der Erde, das Sieben und Reinigen der Samen, das Abdecken der Beete. Die Konzentration auf kleinste Handgriffe lenkt die Aufmerksamkeit auf die oft unsichtbaren Praktiken, die für den Erhalt von Saatgut notwendig sind.
Ergänzt wird die Soundinstallation durch eine Reihe räumlicher Elemente, die unterschiedliche Formen des Umgangs mit Saatgut aufgreifen. Fünf gefährdete Nutzpflanzensorten aus Baden-Württemberg, die in der Roten Liste geführt werden, sind offen ausgestellt. Sie können berührt, mitgenommen und wieder ausgesät werden.
Auf einem 25 Meter langen Landwirtschaftsnetz werden dokumentarische Videoaufnahmen gezeigt, die die Arbeit von Saatgutbanken und lokalen Initiativen in Karlsruhe in ihren wiederkehrenden Abläufen sichtbar machen.
Ein weiteres Element ist eine Pflanzentransportkiste, die sich formal an den historischen Ward’schen Kasten anlehnt. Dieses im 19. Jahrhundert entwickelte Transportmittel ermöglichte den globalen Austausch von Pflanzen unter kontrollierten Bedingungen und war eng mit kolonialen Handelsstrukturen verknüpft. In der Installation dient der Kasten als Display für die Geschichte der Alb-Linse, einer regionalen Sorte von der Schwäbischen Alb, die lange als verschollen galt und erst durch eine Saatgutbank in Sankt Petersburg wiederentdeckt wurde. Die Arbeit stellt damit lokale landwirtschaftliche Praktiken in einen größeren politischen Zusammenhang und zeigt, dass pflanzliche Vielfalt nur durch gemeinsames Handeln erhalten bleibt.
Das Zeitbild-Lab (ZBL) ist eine Förderplattform für künstlerische Filmprojekte an der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe. Es unterstützt Studierende und Absolventinnen bei der Entwicklung, Produktion und Präsentation ihrer Arbeiten und begleitet Projekte von der Idee bis zur öffentlichen Aufführung. Das Schaufenster macht diese Förderung sichtbar: Es präsentiert Trailer und Informationen zu den vom Zeitbild-Lab unterstützten Filmen und bietet einen Überblick über die vielfältigen filmischen Positionen, die an der HfG Karlsruhe entstehen. Jedes Projekt wird mit einem Trailer, einer Kurzbeschreibung sowie Informationen zu den Filmemacherinnen vorgestellt. Die Plattform dient als digitales Archiv und als zentrale Anlaufstelle für Interessierte, Festivals und Kooperationspartner. Sie dokumentiert die kontinuierlich wachsende Sammlung geförderter Arbeiten und schafft einen einfachen Zugang zu den Projekten und ihren Autor*innen.
Bei Fragen zum Zeitbild-Lab und zu den Inhalten ist Laura Morcillo, Akademische Mitarbeiterin Medienkunst und Leiterin des Zeitbild-Lab, die Ansprechpartnerin.
Zeitbild-Lab (ZBL) is a funding platform for artistic film projects at the Karlsruhe University of Arts and Design (HfG Karlsruhe). It supports students and alumni throughout the development, production, and presentation of their work, accompanying projects from the initial idea to their public release. The Showcase makes this work accessible by presenting trailers and information on films supported by Zeitbild-Lab, offering an overview of the diverse filmmaking practices emerging at HfG Karlsruhe. Each project is featured with a trailer, a short description, and information about its filmmakers. Serving as both a digital archive and a central point of access, the platform provides visitors, festivals, and collaborators with an overview of the growing collection of funded projects while highlighting the people and ideas behind them.
For questions about the Zeitbild-Lab and its contents, please contact Laura Morcillo, Academic Staff Member in Media Art and Head of the Zeitbild-Lab.