Dieses Diplomprojekt dokumentiert den Materialstrom von synthetischen Kunststoffen durch einen rückwärtsgerichteten chronologischen Ansatz. Es kombiniert Feldforschung, visuelle Dokumentation und Materialexperimente, um die Reise von Kunststoffen von ihren Endprodukten zurück zu ihrem Ursprung im Erdöl nachzuvollziehen.
"Block to Blob" umfasst Besuche an verschiedenen Orten der Produktionskette, wie etwa Produktionsanlagen, Ölraffinerien, Pipelines und Förderstätten und endet in einem Waldökosystem, wo Rohöl auf natürliche Weise an die Erdoberfläche tritt. Diese Erfahrungen werden in einer Forschungspublikation zusammengestellt, die dieser rückwärtsgerichteten Erzählweise folgt.
Eine Videoinstallation dokumentiert die besuchten Orte und liefert einen visuellen Kontext zu den industriellen Prozessen, der verborgenen Infrastruktur und der natürlichen Substanz im Wald. Zusätzlich verankert eine Reihe von Objekten, die aus mit Erdöl beschichtetem Holz und Polystyrol gefertigt sind, das Projekt in greifbaren Materialien.
This diploma project details the material stream of synthetic plastics through a reverse chronological approach. It combines field research, visual documentation, and material experimentation to retrace the journey of plastics from their final products back to their origins in petroleum.
‘block to blob’ includes visits to various sites in the production chain, such as manufacturing facilities, oil refineries, pipelines, and extraction sites, concluding in a forest ecosystem, where crude oil naturally seeps to the earth's surface. These experiences are compiled into a research publication that follows this reverse narrative.
A video installation documents the visited locations, providing visual context for the industrial processes, hidden infrastructure and the natural substance in the forest. Additionally, a series of objects made from petroleum-coated wood and polystyrene grounds the project in tangible materials.
Pine wood coated with petroleum, Wood soaked in gasoline and pressed/bonded with polystyrene
Abmessungen
L x B x H mm, Petroleum-coated wooden objects: Bench: 800 x 200 x 450, 2x T-Stool: 350 x 200 x 450, Stool (3-legged): 450 x 270 x 450, Stool (wide): 600 x 450 x 450, TV stand: - Polystyrene Objekts: Counter: 500 x 370 x 1100, 2x Bench1: 1000 x 570 x 400, Bench2: 1300 x 570 x 350, Stool: 500 x 370 x 570
.HYP ist eine multisensorische Installation und Projektionsarbeit einer sich verändernden digitalen Lebensform. Die Diplomarbeit .HYP lotet die Grenzen zwischen digitalem Leben und der analogen Welt mithilfe eines eigens entwickelten Programms mit spezialisierten Unterprogrammen aus, welches das biologische Verhalten von Pilzmyzel nachahmt. Der Titel der Arbeit leitet sich von Pilzzellen (Hyphen) ab.
Besucher*innen der Installation können mit dem Programm interagieren, indem sie ihre eigenen Dateien über einen QR-Code hochladen. .HYP „verdaut“ diese Daten und verwandelt sie in sich ständig weiterentwickelnde, farbenfrohe Muster, die in einem abgedunkelten Raum auf einen organischen Boden aus Rindenmulch projiziert werden. Die Installation wird zu einem immersiven Erlebnis.
Beschreibung (en)
.HYP is a multisensory installation and projection piece depicting an evolving digital life form. The graduation project .HYP explores the boundaries between digital life and the analog world using a custom-developed program with specialized subroutines that mimic the biological behavior of fungal mycelium. The title of the work is derived from fungal cells (hyphae).
Visitors to the installation can interact with the program by uploading their own files via a QR code. .HYP “digests” this data and transforms it into constantly evolving, colorful patterns that are projected onto an organic floor of bark mulch in a darkened room. The installation becomes an immersive experience.
„finding traces and placing connections“ ist eine interaktive Kunstinstallation und ein persönlicher Liebesbrief an das Material Kupfer. Die Arbeit zelebriert die Funktionalität, Vielseitigkeit und Schönheit des Kupfers.
Besucher*innen können die in den Teppich eingelassenen Kupferflächen durch fünf verkupferte Steine verbinden und kontrollieren dadurch Klang und Licht des Raumes.
Die Komposition für das Werk wurde aus Aufnahmen, die durch Interaktion mit Kupferobjekten entstanden sind, generiert.
Jede aktivierte Fläche leuchtet auf und fügt eine Audiospur zur Komposition hinzu.
Dadurch entsteht nicht nur eine Interaktion mit der Arbeit, sondern auch eine Interaktion zwischen den Besucher*innen. Durch das Zusammenspiel entstehen individuelle Kompositionen und Kombinationen der Audiospuren und immer neue Abwandlungen des Klanges.
„finding traces and placing connections“ lädt ein, zu entdecken, zu hören.
“finding traces and placing connections” is an interactive art installation and a personal love letter to the material copper. The work celebrates the functionality, versatility and beauty of copper.
Visitors can connect the copper surfaces embedded in the carpet with five copper-plated stones and thereby control the sound and light of the room.
The composition for the work was generated from recordings made through interaction with copper objects.
Each activated surface lights up and adds an audio track to the composition.
This not only creates an interaction with the work, but also an interaction between the visitors. The interplay creates individual compositions and combinations of audio tracks and ever new variations of the sound.
“finding traces and placing connections” invites you to discover and listen.
Die Living Library ist ein transdisziplinäres Projekt, das am Bio Design Lab der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe entwickelt wurde. Im Laufe von zwei Jahren förderte es praxisorientiertes Lernen mit Schwerpunkt auf lokal gewonnenen Rohstoffen aus einem Umkreis von 50 Kilometern um die Hochschule, experimentellem Arbeiten und regenerativen Produktionsweisen.
Das Projekt ist ein hybrides und sich ständig weiterentwickelndes Ökosystem. Es vereint ein physisches Archiv mit Materialproben, Werkzeugen, Prozessen und Workshop-Artefakten sowie ein digitales Archiv mit interaktiven Karten, Forschungsergebnissen und Materialdokumentationen. Geleitet von den Prinzipien der Kompostierbarkeit, Lokalität und Nachhaltigkeit folgt das Projekt den ökologischen Zyklen der Aussaat, des Wachstums, der Ernte und des Verfalls. Studierende, Forschende und lokale Praktiker:innen arbeiteten zusammen, um regionale Ressourcen zu lokalisieren, biobasierte Materialien zu ernten und zu verarbeiten sowie deren Lebenszyklen von der Entstehung bis zur Zersetzung zu untersuchen.
Eine Open-Access-Publikation die physische und digitale Living Library und vereint eine Reihe von Essays, die Themen wie die archivarischen Qualitäten der Erde oder die gartenähnliche Kultivierung digitaler Plattformen untersuchen. Diese Essays laden die Leser:innen dazu ein, zu überdenken, wie Wissen angebaut, geteilt und schließlich wieder in den Boden zurückgeführt werden kann, aus dem es entstanden ist.
The Living Library is a transdisciplinary project developed at the Bio Design Lab of the Karlsruhe University of Arts and Design. Over the course of two years, it fostered practice-based learning focused on locally sourced raw materials within a 50-kilometre radius around the academy, experimental making, and regenerative modes of production.
The project is a hybrid and continually evolving ecosystem. It brings together a physical archive showing material samples, tools, processes, and workshop artefacts, and a digital archive featuring interactive maps, research, and material documentation. Guided by the principles of compostability, locality, and sustainability, the project follows ecological rhythms of seeding, growing, harvesting, and decay. Students, researchers, and local practitioners collaborated to map regional resources, harvest and transform bio-based materials, and investigate their lifecycles from origin to decomposition.
An open access publication documents the physical and digital Living Library and brings together a series of essays that explore themes such as the archival qualities of soil or the garden-like cultivation of digital platforms. These essays invite readers to reconsider how knowledge can be grown, shared, and ultimately returned to the ground from which it emerged.
Der Float Lounger, entworfen von Felix Reif und Finn de Bruyn, hebt den Sitzsack auf das Niveau eines vollwertigen Relaxmöbels.
Sowohl die Basis als auch das Kissen bestehen aus expandiertem Polypropylen. Der Einsatz dieses innovativen Materials, das in der Möbelproduktion nur selten verwendet wird, ermöglicht einen leichten, robusten und zu 100 % recycelbaren Sitz. Das mit expandierten Polypropylen-Perlen gefüllte Kissen passt sich jeder Körperform an, steigert die Entspannung und vermittelt dabei das Gefühl, an einem Sonntagabend in einem Schaumbad zu versinken.
Beschreibung (en)
The Float lounger, designed by Felix Reif and Finn de Bruyn, elevates the bean bag to the level of a full-fledged piece of relaxation furniture.
The base and cushion are made of expanded polypropylene. The use of this innovative material, which is rarely found in furniture production, allows for a lightweight, resilient, and 100% recyclable seat. The cushion, filled with expanded polypropylene beads, adapts to every body shape enhancing relaxation while creating the sensation of sinking into a bubble bath on a Sunday evening.
Über einen Zeitraum von vier Wochen führte Ulf Beck in einer Versuchsanordnung Fotografien aus der Tagespresse einem Kompost mit Kompostwürmern zu. Ausgehend von der Untersuchung, welche Schlagzeilen es auf die erste Seite schaffen sowie deren fotografischer Darstellung, beschäftigte er sich mit dem Nachleben dieser Bilder. Dafür schnitt er jeden Tag die Abbildungen der Titelseite dreier großer Tageszeitungen aus und legte sie in einem Raster auf ein Becken mit Komposterde.
Das fotografische Bild wird als Teil des Medienorganismus durch die Verdauung der Würmer und verschiedener Mikroorganismen innerhalb von ca. 15 Tagen in den Erdorganismus überführt. Der Transformationsprozess ist am Ende nicht mehr sichtbar. Das Bild verliert seine Form und wird zu wertvollem Humus, welcher als Ansammlung von Millionen von Mikrobildern betrachtet werden kann.
Beschreibung (en)
Over a period of four weeks, Ulf Beck experimented with composting, using photographs from the daily press with compost worms. Based on the investigation of which headlines make it to the first page and their photographic representation, he deals with the afterlife of these images. For this, every day he cut out the illustrations of the front page of three large daily newspapers and put them in a grid on a basin with compost soil.
The photographic image is transferred as part of the media organism through the digestion of worms and various microorganisms into the earth organism, in around 15 days. The transformation process is no longer visible at the end. The image loses its form and becomes valuable humus, which can be regarded as an accumulation of millions of micro-images.
Die Arbeit war - in veränderter Form - am 27. & 28.01.2018 im Rahmen von Plat(t)form 2018, dem zwölften kuratierten internationalen Portfolio-Viewing für junge Künstler aus Europa, im renommierten Fotomuseum Winterthur (CH) zu sehen.
„‚Ballet Mécanique‘ ist zu einer Zeit entstanden, die als Höhepunkt, und immer wieder auch als Wendepunkt in Légers Malerei verstanden wird. Der Film fügt sich nicht nur in seine künstlerische Konzeption ein, sondern hat diese auch zum Thema. ‚Ballet Mécanique‘ ist ein Manifest, nicht nur für seine Kunst, sondern auch für das Kino. Wie bei seinen Literatenfreunden ist Légers intensive Auseinandersetzung mit dem Kino von einer doppelten Intention geprägt, von deren Hinwendung zu dem jungen Medium als potentiellen Mittel, die eigene Kunst zu reformieren, und vom Entwurf eines neuen Konzepts von Film, der seinerseits durch die gestalterische Intervention von Dichtern und Malern zu seinen eigenen Ausdrucksmitteln findet."
Beschreibung (en)
“'Ballet Mécanique' was created at a time that is seen as a high point, and also repeatedly as a turning point, in Léger's painting. The film not only fits into his artistic conception, but also has it as its theme. 'Ballet Mécanique' is a manifesto, not only for his art, but also for cinema. As with his literary friends, Léger's intensive engagement with cinema is characterized by a double intention, by their turn to the young medium as a potential means of reforming their own art, and by the design of a new concept of film, which in turn finds its own means of expression through the creative intervention of poets and painters.”
„The Violent Container“ konzentriert sich auf das kulturelle Phänomen des Käfigs und das Einsperren als Praxis, um Objekte oder Körper einzuschließen, zu kategorisieren, einzuschränken und sich anzueignen – sowie als Mittel, um sie zu sammeln, zu schätzen, zu bewahren und zu schützen.
Das Projekt umfasst eine Ausstellung und eine Publikation, die die verschiedenen Eigenschaften und Funktionen der sich wandelnden Formen des Käfigs untersuchen und dabei erforschen, wie Käfige nicht nur die Verwaltung lebender oder toter Körper und Objekte ermöglichen, sondern auch die Art und Weise bestimmen, wie wir sie wahrnehmen.
Beschreibung (en)
"The Violent Container" focuses on the cultural phenomenon of the cage, and caging as a practice to contain, categorise, restrict, and appropriate objects or bodies – as well as a tool to collect, treasure, preserve, and protect them.
The project comprises an exhibition and a publication that examine the various properties and functions of the cage’s shifting forms, exploring how cages not only enable the administration of living or dead bodies and objects, but also govern the ways in which we perceive them.
Die Hackerkultur verbindet Theorie und Praxis (nach hand-on Prinzipien) und einen neuen Ansatz für Kulturmaterialien ("information wants to be free"), der nicht nur eine andere Epistemologie, sondern auch einen neuen politischen Diskurs über Digitalität, Geräte und Menschen impliziert. Das Verhältnis zwischen Technik und Politik dieser Gruppe wird im ersten Kapitel analysiert: Zuerst wird die Entstehung proprietärer Software betrachtet, dann die Unterschiede zwischen Open Source und freier Software, und wie im letzten die Privateigentum und die soziale Beziehung zwischen Programmen, Benutzern und Entwicklern radikal in Frage gestellt werden. Später wird diese Beziehung anhand von Hanna Arendts 'Die conditio humana' in Bezug auf Arbeit, Herstellen und Handlen, Notwendigkeit und Freiheit, die die Bedingungen für Politik schaffen, weiter diskutiert. Im zweiten Kapitel wird das Konzept der Konvivialität (Ivan Illich) vorgestellt und diskutiert. Diese Idee wird später in der Wartung als infrastrukturelle Vorsorge weiterentwickelt und als ein zentrales Element digitaler Technologien vorgeschlagen, das weiter diskutiert werden sollte. Diese Konstellation des Denkens und Handelns, des Spielens und Lernens, des Experimentierens und der Übernahme von Verantwortung sowie der Politik und der sozialen Beziehungen sollte in der Technologiedebatte eine wichtige Rolle spielen.
Hacker culture connects theory and praxis (following hand-on principles) and a new approach to culture materials ("information wants to be free"), that implies not only a different epistemology, but also a new political discourse on digitality, devices, and people. The relation between technic and politic of this group is analyzed in the first chapter: first focusing on the emergence of proprietary software; then considering the differences between open source and free software, the last one challenging radically the notion of private property and the social relation among programs, users, and developers. Later on, reading Hanna Arendts 'The Human condition, the relation will be further discussed in terms of labor, work and action, necessity and freedom, which establish the conditions for politics. In the second chapter, the concept of conviviality (Ivan Illich) is introduced and discussed. This idea is later developed in maintenance as infrastructural care and proposed as a central element of digital technologies that should be further discussed. This constellation of thinking and acting, playing and learning, experimenting and taking responsibility, as well as politics and social relations should play a prominent role in the debate about technology.
Die vorliegende Abschlussarbeit „By Users for Users. Memes als digitale Folklore“ untersucht die kulturellen, technologischen und politischen Dimensionen von Internet-Memes als eine der zentralen Bildpraktiken der Gegenwart. Memes werden dabei nicht nur als humoristische Phänomene, sondern als Ausdruck einer globalen, partizipativen Bildkultur verstanden, die häufig auch als eine Form digitaler Folklore-Kultur beschrieben wird. Die Arbeit untersucht die Bedeutungsebenen dieser Begrifflichkeit und analysiert neben den technischen und ästhetischen Rahmenbedingungen von Memes ihre identitätsstiftende Funktion innerhalb digital vernetzter Gemeinschaften sowie ihre Verstrickungen mit plattformkapitalistischen Infrastrukturen. Ein besonderer Fokus liegt darauf, wie einzelne Memes, Communitys und Plattformen durch reaktionäre Akteur:innen angeeignet und instrumentalisiert werden.
Als Fallbeispiel dient der Arbeit das sog. Wojak-Meme, eine dilettantisch erstellte Computergrafik eines melancholischen Gesichts. Wojak illustriert nicht nur die für Memes charakteristische Amateurästhetik, sondern auch, wie Memes als ‚visuelle Dialekte‘ bestimmter Communitys funktionieren und hierbei sowohl Gemeinschaft stiften als auch ausschließen können. Speziell das Wojak-Meme und seine Variationen werden durch die neurechte Alt-Right sowie durch die misogyne Incel-Community verwendet, um unter dem Deckmantel von Ironie und Humor Ideologien und Feindbilder zu erzeugen und zu verbreiten.
Genau wie der Philosoph Antonio Gramsci die Relevanz von Folklore für den frühen italienischen Faschismus beschrieb, trägt auch digitale Folklore maßgeblich zur Konstitution von Weltbildern bei und ist dabei oft wirkmächtiger als offizielle Normen und Gesetze. Was einst als eine ‚Demokratisierung der Bildproduktion‘ beschrieben wurde, ist längst zu einer Gefahr für die Demokratie geworden. Abschließend plädiert die Arbeit deshalb für eine kritische Folkloristik des Digitalen, die die Bildwelten der Partizipationskultur interdisziplinär zwischen Kunst- und Medienwissenschaften analysiert, um so deren Bildcharakter sowie die Dynamiken digitaler Infrastrukturen zu reflektieren.
The M.A. thesis "By Users for Users. Memes as Digital Folklore" examines the cultural, technological and political dimensions of Internet memes as one of the central image practices of the present day. Memes are understood not only as a humorous phenomenon, but also as an expression of a global, participatory image culture, which is often described as a form of digital folklore culture. The text examines the layers of meaning of this terminology and, in addition to the technological and aesthetic conditions of memes, analyzes their identity-forming function within digitally networked communities as well as their entanglements with platform capitalist infrastructures. A particular focus is on how individual memes, communities and platforms are appropriated and instrumentalized by reactionary actors.
The so-called Wojak meme, an amateurishly created computer graphic of a melancholy face, serves as a case study. Wojak illustrates not only the amateur aesthetics characteristic of memes, but also the function of memes as ‘visual dialects’ of certain communities which simultaneously include and exclude individuals. In particular, the Wojak meme and its variations are used by the reactionary alt-right and the misogynistic incel community to create and disseminate ideologies and enemy images under the guise of irony and humor.
Just as philosopher Antonio Gramsci described the relevance of folklore for early Italian fascism, digital folklore also contributes significantly to the constitution of world views and, often proving more powerful than official laws and values. What was once described as a ‘democratization of image production’ has long since become a threat to democracy. In its conclusion, the thesis therefore advocates for a critical folkloristics of the digital that analyzes the visual worlds of participatory culture in an interdisciplinary way between art history and media studies in order to reflect on their visual character and the dynamics of digital infrastructures.
Eine ländliche Region, ca. 1900. Die Landärztin Nerea Flores reist aus der Stadt in ein Dorf, um mit einer frühen Form einer Filmkamera Patientenfälle für ein medizinstudentisches Publikum zu dokumentieren. Der komplette Film erzählt sich ausschließlich aus dem Rohmaterial, das dabei entsteht – mitsamt Kameraein- und -ausschalten, Positionieren der Akteur*innen, Signalgebung etc.
Sie richtet eine improvisierte Praxis in einem leerstehenden Bauernhaus ein und probiert verschiedene, von schwer überwindbarer Distanz geprägte Therapiemethoden an den Personen aus – stets unter Anwesenheit der Kamera. Die Aufnahmepraxis irritiert die Patient*innen. Ein zur Kontrolle herbeigerufener Arztkollege bemängelt die Aufnahmen und befeuert eine radikalere Praxis beim Filmen, bei der ethische Fragen noch weiter in den Hintergrund treten sollen. Nerea fühlt sich in die Ecke gedrängt und innerlich zerrissen.
Schritt für Schritt löst sich unter Druck die Distanz zwischen Filmender und Gefilmtem auf. Flores bringt die Kamera schließlich auch mit in die Häuser der zu Behandelnden. Mit der Zeit empfinden die Patientinnen ihr Eingreifen als unangenehm und zu eindringlich und fliehen – um den Aufnahmeprozessen zu entgehen – ins Metaphysische. Nerea begegnet den zu Behandelnden nun in der Gestalt eines Waldstücks oder auch eines Baches. Da somit keine klassischen Therapieaufnahmen mehr möglich sind, wird das Projekt vorzeitig beendet.
A rural region, around 1900. Country doctor Nerea Flores travels from the city to a village to document patient cases for a medical student audience using an early form of a film camera. The entire film is told exclusively through the raw material produced in the process – including switching the camera on and off, positioning the actors, giving cues, etc.
She sets up an improvised practice in an abandoned farmhouse and tries out various therapy methods shaped by a difficult-to-overcome emotional distance – always in the presence of the camera. The filming practice unsettles the patients. A doctor colleague, sent in for supervision, criticizes the recordings and pushes for a more radical filming approach in which ethical concerns are further sidelined. Nerea feels cornered and conflicted.
Step by step, under pressure, the distance between the filmer and the filmed dissolves. Flores eventually brings the camera into the homes of her patients. Over time, the patients perceive her interventions as too intrusive and uncomfortable and flee – in order to escape the filming process – into the metaphysical. Nerea now encounters those to be treated in the form of a patch of forest or even a stream. As a result, no further traditional therapy recordings can be made, and the project is prematurely ended.
„Meine Zuständigkeit hört auf, da wo der Strom kommt“ ist eine Installation über Straßenbahnoberleitungen. Sie setzt sich mit Infrastrukturen im öffentlichen Raum auseinander, die für uns im Alltag essenziell sind, die wir aber gelernt haben auszublenden. Sie soll diesen scheinbar banalen, anonymen Zweckbauten einen Wert verleihen und auf sie aufmerksam machen.
Oberleitungen sind in einer Stadt mit vielen Straßenbahnen, wie Karlsruhe, wenn man sich auf der Straße bewegt, immer da. Alles, was man im öffentlichen Raum sieht, sieht man durch das Netz der Oberleitungen. Sie sind allgegenwärtig und ein wichtiger Bestandteil der täglichen Fortbewegung, doch die meisten Leute blenden das im alltäglichen Leben aus. Und das ist kein Zufall: die Stadt schreibt vor, Oberleitungen so zu planen, dass sie möglichst unauffällig sind und in ihrer Umgebung untergehen. Es gibt keine Wertschätzung dafür, wie viel Technik und Material dahinter steckt, dass man sich mit der Straßenbahn durch die Stadt bewegen kann.
Auf diese Themen soll die Installation aufmerksam machen. Ich habe durch diese Arbeit einen intensiven Blick auf Oberleitungen bekommen und wollte diesen durch meine Installation teilen.
In der Installation „Meine Zuständigkeit hört auf, da wo der Strom kommt“ steht man, unter dem im Maßstab 1:26, aus blauen Seilen nachgebildeten, freischwebenden Muster, einer großen Kreuzung in Karlsruhe. Auf der Leinwand läuft ein Stop Motion Video, das alltägliche Momentaufnahmen und Blicke in Bewegung auf die Oberleitungen zeigt.
Aus drei verschiedenen Richtungen kommen Sounds. Einmal die Klänge der Bahnen, denen man auch auf einer Kreuzung zuhören könnte, und dann von rechts und links, zwei verschiedene Blickwinkel, von verschiedenen Personen auf das Thema Oberleitungen. Eins ist der technische Blick von einer Person, die mit Oberleitungen arbeitet, und der andere ist meiner, ein eher poetischer Blick den ich auf die bildliche Ebene der Oberleitungen gewonnen habe. Die eine Seite sagt, dass die Oberleitungen möglichst unauffällig sein sollen, um nicht aufzufallen, und die andere sagt, schaut nach oben, schaut was da alles hängt.
Die Installation soll den Blick der Leute, die sie anschauen, in Zukunft etwas öfter nach oben auf die Oberleitungen lenken
“Meine Zuständigkeit hört auf, da wo der Strom kommt” is an installation about tram overhead lines. It explores infrastructures in public spaces that are essential to our everyday lives but which we have learnt to ignore. It is intended to give these seemingly banal, anonymous functional structures a value and draw attention to them.
In a city with a lot of trams, like Karlsruhe, overhead lines are always present when you move along the street. Everything you see in public space is seen through the web of overhead lines. They are omnipresent and essential to everyday transport, however most people ignore them in their day to day lives. And this is no coincidence: the city requires overhead lines to be planned in such a way that they are as discreet as possible and blend into their surroundings. There is no appreciation of how much technology and material goes into getting a tram through the city.
The installation is intended to draw attention to this topic. This work and research has allowed me an immersive view of overhead lines, which I wanted to share and visualise through my installation.
In the installation “Meine Zuständigkeit hört auf, da wo der Strom kommt”, one stands and moves under the free-floating pattern of a large intersection in Karlsruhe, modelled on a scale of 1:26 using blue ropes. A stop motion video runs on the projection screen, showing everyday snapshots and views of the overhead lines in motion.
Sounds come from three different directions. Firstly, the sounds of the trains, which you could also listen to at a crossing, and then from the right and left, two different perspectives, from different people on the subject of overhead lines. One is the technical view of a person who works with overhead lines, and the other is mine, a more poetic view that I have gained of the visual level of the overhead lines. One side says that the overhead lines should be as subtle as possible in order not to attract attention, and the other says, look up, see what's hanging there.
With my installation I hope to draw people’s attention to the overhead lines that play such an important yet invisible role in our daily lives.