Warum gab es keine bedeutenden Kunsthistorikerinnen? Das Buch „Stella Kramrisch“ sucht in der Kunstgeschichtsschreibung der letzten Jahrzehnte nach einer Antwort auf diese polemische Frage. Die Erklärung für das Fehlen von Kunsthistorikerinnen findet sich in den misogynen und patriarchalen Strukturen der Geschichtsschreibung. Um die Reproduktion ebendieser Strukturen zu unterbrechen, ist das Buch dem Werk und Wirken der Kunsthistorikerin Stella Kramrisch (1896 –1993) gewidmet.
Stella Kramrisch war in den 1920er bis 1940er Jahren eine gefragte Expertin für indische Kunst. Aufgewachsen und promoviert in Wien, lehrte sie ab den frühen 1920er Jahren an Universitäten in Bengalen. Sie argumentierte für die Eigenständigkeit des künstlerischen Wertes indischer Architektur, Skulptur und Malerei. Während ihrer Zeit in Bengalen verbreitete sie ihre Thesen durch wirkungsmächtige Ausstellungen und Publikationen in Europa. Möglich war das durch die Zusammenarbeit mit Institutionen wie dem Wiener Institut für Kunstgeschichte, Springers Handbuch Kunstgeschichte, der Reformbewegung und dem Warburg Institut. Warum wissen wir nichts von dieser Tänzerin zwischen Kulturen, der scharfen Beobachterin und poetisch präzisen Autorin? Das Buch zielt auf die Erschließung des Werkes, der Methoden und des Kunstbegriffs von Kramrisch ab.
Why were there no great women art historians? The book “Stella Kramrisch” seeks an answer to this polemical question in the art historiography of the last few decades. The explanation for the absence of women art historians is found in the misogynistic and patriarchal structures of much history writing. To interrupt the reproduction of these very structures, the book focuses on the work and activities of the art historian Stella Kramrisch (1896-1993).
In Europe, Stella Kramrisch was a sought-after expert on Indian art from the 1920s to the 1940s. Raised and graduated in Vienna, she taught at universities in Bengal from the early 1920s. Central to her research was the argument for the autonomy of the artistic value of Indian architecture, sculpture, and painting. During her time in Bengal, she spread her theses through influential exhibitions and publications in Europe. This became possible through collaborations with institutions such as the Vienna Institute for Art History, Springer’s Handbook of Art History, the Reform Movement, and the Warburg Institute. Why do we know nothing of this dancer between cultures, a keen observer and poetically precise writer? The book aims to make Kramrisch’s works, methods, and concept of art accessible.
Das Projekt „Stadt als Sammlung“ ist ein interdisziplinäres Forschungsprojekt, das sich mit den Herausforderungen und Potenzialen des analogen und digitalen Archivierens und Sammelns auseinandersetzt.
Beschreibung (en)
The project "Stadt als Sammlung" is an interdisciplinary research project that deals with the challenges and potentials of analog and digital archiving and collecting.
Würde man den Künstler danach fragen, würde er einem vermutlich die gleiche Auskunft geben, daher nehme ich an, dass auch ich alles Folgende sagen darf: Felix Buchholz hat in der Gellertstraße 14, einer alten Fabrikantenvilla in der Karlsruher Weststadt, im Juli 2018, die Wohnung seiner verstorbenen Großmutter rekonstruiert. Die Wände und Decken dieser Rekonstruktion bestehen aus zusammengenähten Stoffen aus ebenjener Wohnung, die an einem nicht sichtbaren Hängekonstrukt angebracht sind. Man betritt die „Wohnung“, die Installation, per Konzept alleine, ohne Schuhe und solange man will. Als ich sie betrete, weiß ich, dass Felix Buchholz die einzige Person war, zu der seine Großmutter überhaupt noch Kontakt hatte vor ihrem Tod, er hat mir erzählt, wie ihre gemeinsamen Treffen verlaufen sind, was sie dann taten, wie es in ihrer Wohnung aussah, die sie zuletzt eigentlich kaum mehr verließ, was er über ihr Leben wusste, ihre Eigenheiten und Ansichten, und was das mit seinem Vater, seiner Mutter und seiner eigenen Biografie zu tun hatte. Ich wusste, dass er eines Tages zu einem, wie immer, per Postkarte angekündigten Besuch vorbeikommen wollte und sie zum ersten Mal nicht öffnete, und dass, als die Polizei ihm ein paar Stunden später die Tür aufbrach, sich herausstellte, dass das nicht zum ersten Mal passierte, sondern bereits einige Tage zuvor das Gleiche passiert war, auf Anruf der Nachbarn hin, wegen des Geruchs. Und dass sie nur zwei Tage zuvor, vor seinem Besuch, alleine beerdigt worden sei. Von ihrer eigenen Beerdigung hatte sie eine genaue Vorstellung, die sie mit Felix abgesprochen hatte. So ist es unweit mehr als eine verpasste Chance, ein Abschiedsritual, bei dem allen voran Felix Buchholz nicht Abschied nehmen konnte.
Als ich die Installation betrete, habe ich im Nacken, die Vorstellung ebenjener Person und so mein ich dann manchmal mich umdrehen zu müssen, obwohl ich weiß, dass ich allein in der Stoffwohnung bin. Ich geh ins Wohn-/Schlafzimmer, dort steht, zentral, ein Bett, ein Sarg, eine Totenaufbahrung, in die man sich legen kann, oder soll, oder man soll sich zumindest fragen ob man sich hineinlegen soll oder eben nicht. Oben drauf ist Lavendel gepflanzt, Stoffe, Motten, Lavendel, und als ich mich hinlege gehen drinnen im Sarkophag hinter Stoff verkleidete Leuchtstoffröhren an, sie klicken und brummen, und ich erschrecke mich zu Tode. Ein bisschen ist das jetzt wie auf dem Seziertisch zu liegen, aber es ist auch nicht so unangenehm, dass ich sofort wieder gehen möchte. Beobachtet komme ich mir noch immer vor, so, als ob ich durch die von außen beleuchteten dünnen Stoffwände von dem Künstler, also Felix Buchholz, vielleicht beobachtet werden würde.
Deutungshoheit zu haben ist ein genuin künstlerisches Moment, nur, je mehr eine Geschichte den Anspruch auf eine individuelle Erfahrung, oder Authentizität hat, desto schleichender kommt die Einsicht, dass mit dem angenommenen Tod seiner Großmutter Felix in jeglichen Sinne zu ihrem Alleinerben geworden ist, zur Deutungshoheit auch über ihr Leben, und so zelebriert er hier eine zweite Totenwache. Im Bad geht ein Fön an, ich denke, aha, es ist doch jemand zweites hier, vorher erschrecke ich zu Tode durch das Geräusch, das mich aus meiner arglosen Haltung, der kontemplativen Situation reist. Ich schleiche mich ins Bad, wo einige Föns von der Decke hängen, die jetzt wild im Raum hin- und herschlackern, vom Rückstoß des Föndrucks, der aus dem Nichts gekommen sein muss. Im Flur, der auch, weiß ich, hat er mir erzählt, als Küche genutzt wurde, gibt es ein kleines Stoffloch, eine Höhle für den Kopf in der Wand, eine Aufforderung sich auf den Rücken zu legen und das darin laufende Video über sich anzusehen, von der originalen, nur leergeräumten Wohnung, während Felix die Wohnung beschreibt. Während ich da liege und meine Füße, abgetrennt von meinem Kopf aufgestellt in dem Flur seiner verstorbenen Großmutter liegen, denke ich, wenn sie das sehen könnte, das wäre eine sehr schöne One Minute Sculpture. Also, ich werde das Gefühl nicht los, man beobachtet mich.
35qm sind es insgesamt, einmal geh ich noch durch die Wohnung, auf dem Weg nach draußen ziehe ich meine Schuhe wieder an, ihre stehen noch immer fein aufgereiht da. Im Foyer der Gellertstraße 14, in dem man sich jetzt wieder befindet, findet man auf dem dort an der Treppe angebrachten Lift liegt ein bedrucktes Handtuch liegen, bedruckt mit einem Foto der Frau, die Felix Großmutter ist. Sie hat ein Kleidungsstück mit Leoprint an und sieht sehr schick aus damit, ein bisschen makaber ist das schon, sie liegt da so flach auf dem Treppenlift, sieht aber ganz zufrieden dabei aus. Daneben findet sich am Boden so eine Art Schrein, und über all dem hängt eine schwarze Flagge, eben, Totenwache. Und Felix, der Totenwächter?, weil, was man nicht vergessen darf, niemand hat sich die Ausstellung angesehen, ohne, dass er die Haustür geöffnet hat, und ohne, dass er wieder da war, wenn man rauskam. Wenn man dann mit ihm gesprochen hat, haben drinnen die Föns immer noch weitergeturnt von Zeit zu Zeit und vielleicht hat er einem dann erst mal ein Glas Leitungswasser angeboten.
Als Kind wurde Minh Anh Nguyễn sexuell missbraucht. Mit ihrem 47-minütigen Essayfilm versucht sie, diesen schwierigen Teil ihres Lebens in Worte zu fassen, das Unsagbare auszusprechen und durch die Reflexion und Projektion der filmischen Praxis ein Gefühl für das eigene Selbst zurückzugewinnen. Die Filmemacherin offenbart dabei intime Gespräche mit ihrer Mutter und versucht, den schmerzhaften Prozess zu bewältigen, dieses Trauma an die Öffentlichkeit zu bringen. Mit einer zerbrechlichen Intimität bewegt sich der Film zwischen Fiktion, Archivmaterial und Dokumentation, auf der Suche nach einer Sprache, um das Vergangene auszudrücken und die Zukunft anzunehmen.
Beschreibung (en)
As a child, Minh Anh Nguyễn was sexually abused. Her 47-minute essay film is an attempt to put words to this difficult part of her life, to speak the unspeakable and regain a sense of self through the reflection and projection that the act of filmmaking allows. Her film reveals intimate conversations with her mother and tries to overcome the difficult process of making this trauma public. It navigates through a wounded intimacy between fiction, archive footage and documentary in search of a language to articulate the past and embrace the future.
Im Zusammenhang mit Textilien ist ein "skein" eine gewickelte Spule aus Garn oder Faden. In metaphorischem Sinne wird es gebraucht, um ein verworrenes, komplexes Arrangement von Dingen zu beschreiben, wie zb einer Beziehung, einem Satz, kniffligen Problemen oder Situationen, die auf irgendeine Weise festgefahren sind. Die Rauminstallation “skeins” zeigt eine Sammlung von Mythen und Geschichten die sich mit der Symbolik des Knoten auseinandersetzen. Sie umfasst Fundstücke und eigens für die Ausstellung angefertigte Objekte, Bildsammlungen, Rechercheergebnisse einer Forschungsreise, Textilarbeiten, Zeichnungen, Flechtobjekte aus Haar, Videoarbeiten, Gebäck, Briefe und Texte. Um diese Objekte zu kuratieren wurde zum einen mit Schaukästen gearbeitet, zum anderen dienten die natürlichen Beschaffenheiten des Raumes (z.B. Fenster, Türrahmen) als Rahmengeber. Knoten dienen als Stützen gegen die Zeit und das Vergessen. Der “Unendliche Liebesknoten” ist eine symbolische Darstellung einer ewigen Liebe, die so umfassend ist, dass sie weder Anfang noch Ende kennt. Immerwährende Liebe eingeschlossen in der Form eines unveränderbaren Loops. Doch tragen Knoten die Erinnerung an den Prozess ihrer Entstehung in sich. Ein Knoten fügt sein eigenes Entknoten in das Gewebe seines Zweckes ein. Er kann verändert, aktualisiert und angepasst werden. “skeins” reflektiert dieses Phänomen des Festhaltens und wirft unweigerlich Fragen nach den Möglichkeiten die das Entknoten bereit hält, auf. Hierbei werden verschiedene Arten des Verriegelns (Knoten) und Entriegelns (Entknoten) einander gegenübergestellt. Die Intervisualität von den miteinander verflochtenen Bildern lässt eine Erzählung entstehen. Der Raumplan im Ausstellungsführer diente als Wegweiser und lud die Besucher ein, der Narration durch die Ausstellung zu folgen. Ergänzt wurde dies durch kurze Texte zu den Objekten.
Untertitel des Projekts/Werks (en)
There are certain knots that are supposed to store time or hold it back from itself –– The endless knot of love is a fraud ––––– There is more than one way to get through a locked door –––– There are different ways of how to untie a knot
Im Zusammenhang mit Textilien ist ein "skein" eine gewickelte Spule aus Garn oder Faden. In metaphorischem Sinne wird es gebraucht, um ein verworrenes, komplexes Arrangement von Dingen zu beschreiben, wie zb einer Beziehung, einem Satz, kniffligen Problemen oder Situationen, die auf irgendeine Weise festgefahren sind.
Die Rauminstallation “skeins” zeigt eine Sammlung von Mythen und Geschichten die sich mit der Symbolik des Knoten auseinandersetzen. Sie umfasst Fundstücke und eigens für die Ausstellung angefertigte Objekte, Bildsammlungen, Rechercheergebnisse einer Forschungsreise, Textilarbeiten, Zeichnungen, Flechtobjekte aus Haar, Videoarbeiten, Gebäck, Briefe und Texte. Um diese Objekte zu kuratieren wurde zum einen mit Schaukästen gearbeitet, zum anderen dienten die natürlichen Beschaffenheiten des Raumes (z.B. Fenster, Türrahmen) als Rahmengeber.
Knoten dienen als Stützen gegen die Zeit und das Vergessen. Der “Unendliche Liebesknoten” ist eine symbolische Darstellung einer ewigen Liebe, die so umfassend ist, dass sie weder Anfang noch Ende kennt. Immerwährende Liebe eingeschlossen in der Form eines unveränderbaren Loops. Doch tragen Knoten die Erinnerung an den Prozess ihrer Entstehung in sich. Ein Knoten fügt sein eigenes Entknoten in das Gewebe seines Zweckes ein. Er kann verändert, aktualisiert und angepasst werden.
“skeins” reflektiert dieses Phänomen des Festhaltens und wirft unweigerlich Fragen nach den Möglichkeiten die das Entknoten bereit hält, auf.
Hierbei werden verschiedene Arten des Verriegelns (Knoten) und Entriegelns (Entknoten) einander gegenübergestellt. Die Intervisualität von den miteinander verflochtenen Bildern lässt eine Erzählung entstehen. Der Raumplan im Ausstellungsführer diente als Wegweiser und lud die Besucher ein, der Narration durch die Ausstellung zu folgen. Ergänzt wurde dies durch kurze Texte zu den Objekten.
In the context of textiles and crafting, a "skein" is a loosely wound coil of yarn or thread. In a more metaphorical sense, "skeins" can like knots be used to describe
a tangled or complex arrangement of things, such as relationships, a sentence, tricky problems or situations that are stuck in a way.
The installation presented a collection of myths and stories dealing with the symbolism of the knot. It includes found objects and objects made especially for the exhibition, image collections, research results from a research trip, textile works, drawings, braided hair objects, video works, biscuits, letters and texts. To curate these objects, on the one hand showcases were used, on the other the natural features of the room (e.g. windows, door frames) functioned as framing system.
A knot illustrates the recording of a moment in time. There are certain knots that are supposed to store time or hold it back from itself. The ‘Infinite Knot of Love’ is a symbolic representation of an eternal all-encompassing love, that it knows neither beginning nor end. Everlasting love locked into the shape of an unchangeable loop. But knots have a memory of the process of their formation. A knot inserts its own undoing into the very fabric of its purpose. It can be altered, updated and adjusted.
"skeins" reflects on the phenomenon of holding on and inevitably raises questions about the possibilities of unknotting.
Different ways of locking (knotting) and unlocking (unknotting) are opposed to each other. Through the intervisuality of the entwined images a narrative is created. The floor plan in the exhibition guide served as a signpost, inviting visitors to follow the narration through the exhibition. This was complemented by short texts about the objects.
1. gemeinsames Symposium zu den Postgradualen Programmen von HfG Karlsruhe und ZKM
Untertitel des Projekts/Werks (en)
1st symposium on the postgraduate programs by HfG Karlsruhe and ZKM
Beschreibung (de)
Die Staatliche Hochschule für Gestaltung und das Zentrum für Kunst und Medien in Karlsruhe wurden in den 1990er Jahren von Gründungsdirektor Heinrich Klotz als Orte einer zeitgemäßen, auf die Neuen Medien gerichteten Forschung konzipiert. Sie bieten in ihrer Kombination von Hochschule und Kulturinstitution ausgezeichnete Vorbedingungen für eine Vernetzung künstlerischer und wissenschaftlicher Ansätze, für die es in Deutschland allerdings noch veränderte Rahmenbedingungen braucht.
Ein übergreifendes postgraduales Programm sollte interdisziplinäre Expertise versammeln und nutzen, um die Beziehungen von Kunst, Theorie und Gestaltung neu auszuloten und auf diese Weise an die wegweisende Gründungsidee von HfG und ZKM anzuknüpfen. Es sollte zugleich auf einen größeren Paradigmenwechsel antworten, der sich in Kunst und Kultur wie auch im wissenschaftlichen Bereich zu vollziehen scheint und der sich einerseits in Legitimationskrisen, andererseits in neuen und kreativen Formen der Recherche und Produktion von Wissen äußert. Die HfG Karlsruhe nimmt die Diagnose zum Anlass, um hybride Formate der Forschung neu zu konzipieren und auch die Funktion wissenschaftlicher Promotionen zu befragen.
Zur Vorstellung und Diskussion dieser programmatischen Überlegungen veranstaltete die HfG in Kooperation mit dem ZKM Karlsruhe am 5. und 6. Dezember 2024 ein erstes Symposium mit internationalen Gästen, das darauf abzielt, Räume und Ideen für eine sich transformierende Forschungspraxis zu entwerfen.
In vier Panels performten und diskutierten unter anderem die französische Wissenschaftshistorikerin und -philosophin Bernadette Bensaude-Vincent, der Professor für Kunstwissenschaft und Medientheorie Matthias Bruhn, die Professorin für Time Based Media und Performance Filipa César, die Szenografin und stellvertretende HfG-Rektorin Constanze Fischbeck, der ZKM-Direktor Alistair Hudson, die Künstlerin und Professorin für Code and Image Susanne Kriemann, der Professor der ADBK München Armin Linke, die Leiterin des ZKM-Hertzlabs Tina Lorenz, die Künstlerin, Kuratorin und Mitglied des Raqs Media Collectives Monica Narula, der Professor für kritische Theorie und Medienphilosophie Simon Sheikh, die Performancekünstlerin und Aktivistin Joy Mariama Smith, die Professorin für Design Füsun Türetken und die Professorin für Digitale Ästhetik Nina Zschocke mit weiteren Expertinnen und Experten, dem Publikum sowie den Angehörigen beider Häuser.
The Staatliche Hochschule für Gestaltung (HfG) Karlsruhe and the Center for Art and Media in Karlsruhe (ZKM) were conceived in the 1990s by founding director Heinrich Klotz as places for contemporary research focused on new media. With their combination of university and cultural institution, they offer excellent preconditions for the networking of artistic and scientific approaches, for which, however, a different framework is still needed in Germany.
An overarching postgraduate program was intended to bring together and utilize interdisciplinary expertise in order to explore the relationships between art, theory and design in a new way, thus building on the pioneering founding idea of the HfG and ZKM. At the same time, it is intended to respond to a larger paradigm shift that seems to be taking place in art and culture as well as in the scientific field and which is expressed on the one hand in crises of legitimization and on the other in new and creative forms of research and production of knowledge. The HfG Karlsruhe was taking this diagnosis as an opportunity to redesign hybrid formats of research and also to question the function of academic doctorates.
To present and discuss these programmatic considerations, the HfG organized a first symposium with international guests in cooperation with the ZKM Karlsruhe on 5 and 6 December 2024, which aims to design spaces and ideas for a transforming research practice.
In four panels, the French historian and philosopher of science Bernadette Bensaude-Vincent, the professor of art studies and media theory Matthias Bruhn, the professor of time-based media and performance Filipa César, the scenographer and deputy HfG rector Constanze Fischbeck, the ZKM director Alistair Hudson, the artist and professor of code and image Susanne Kriemann, ADBK Munich Professor Armin Linke, ZKM-Hertzlab Director Tina Lorenz, artist, curator and member of the Raqs Media Collective Monica Narula, Professor of Critical Theory and Media Philosophy Simon Sheikh, performance artist and activist Joy Mariama Smith, Professor for Design Füsun Türetken and Professor of Digital Aesthetics Nina Zschocke discussed with other experts, the audience and members of both institutions.
Künstlerische Forschung kann in Bezug auf soziale und ökologische Veränderungen westliche epistemologische Perspektiven in Frage stellen. Welche Paradigmenwechsel können zu einer künstlerischen Forschungspraxis beitragen, die den Forderungen nach planetarischer Gerechtigkeit gerecht wird? Welche Forschungsumgebung können das ZKM und die HfG als Institutionen für Medienkunst und Design bieten, um diesen Veränderungen Rechnung zu tragen und künstlerische Laborprozesse und daraus resultierende Diskurse zu beherbergen?
Beschreibung (en)
Panel 4 (Friday): The Art of Research
Artistic research, in relation to social and environmental changes, can challenge Western ontoepistemological perspectives. Which paradigm shifts can contribute to an artistic research practice to respond to demands for planetary justice? What kind of research environment can ZKM and HfG offer, as institutions for media art and design, to attend to these transformations and host artistic laboratory processes and resulting discourses?
Panel 3 (Freitag) Kill the Dr. phil? Textbasierte Praxis und (künstlerische) Forschung
Muss eine geisteswissenschaftliche Dissertation 400 Seiten lang sein? Rechtfertigt ein bestimmter Entwurf in Design oder Architektur eine Promotion? Und wenn nicht, was sagt diese Beurteilung über die Qualifikationskriterien einer schriftlichen Abschlussarbeit aus? Das Panel diskutiert die Frage, inwieweit die akademische Promotion vom Vergleich mit anderen Promotionsmodellen (insbesondere künstlerischen und praxisorientierten Promotionsmodellen) profitieren und so ihr eigenes Profil schärfen kann.
Beschreibung (en)
Panel 3 (Friday) Kill the Dr. phil? Text-based practice and (artistic) research
Does a humanities dissertation have to be 400 pages long? Does a particular design or architectural draft justify a doctorate? And if not, what does this judgement say about the qualification criteria of a written thesis? The panel will discuss the question of the extent to which the academic doctorate can benefit from comparison with other PhD models (especially artistic and practice-based PhD models) and thus sharpen its own profile.
Das Panel zielt darauf ab, Forschungsmethoden in den Geistes- und Kunstwissenschaften zu diskutieren, indem es verschiedene Ansätze zur Materialität von Medien und zur Materie in ihrer radikalen Existenz an der Schwelle zum Sichtbaren vorstellt. Darüber hinaus werden die Referenten untersuchen, wie zeitgenössische wissenschaftliche, industrielle und soziale Kulturen Materie verarbeiten, und gleichzeitig ein umfassenderes Verständnis von Materialitäten vermitteln, wobei sie häufig optische Instrumente, Codes und Labore einsetzen, um unser Weltverständnis zu erweitern.
In ihrem Vortrag wird die Wissenschaftsphilosophin Bernadette Bensaude-Vincent ihre Arbeit an einer neuen Philosophie der Chemie kommentieren. Es folgen Forschungsberichte der Künstler Susanne Kriemann und Armin Linke sowie von Tina Lorenz, Leiterin des ZKM/Hertzlab.
Beschreibung (en)
Panel 2 (Thursday) Research Matters
The panel aims to discuss research methodologies in the arts and humanities by presenting multiple approaches to the materiality of media and to matter in its radical existence at the threshold of the visible. Further, the speakers will explore the ways in which contemporary scientific, industrial and social cultures process matter while simultaneously offering broader understandings of materialities, often using ocular instruments, code and laboratories to enhance our sense of the world.
In her lecture, the philosopher of science Bernadette Bensaude-Vincent will comment on her work towards a new philosophy of chemistry. Research reports by artists Susanne Kriemann and Armin Linke as well as by Tina Lorenz, Head of ZKM/ Hertzlab follow.
Als Einführung in das Konzept des Paradigmenwechsels befasst sich das Panel mit den zahlreichen Krisen, denen wir in der Wissenschaft und darüber hinaus gegenüberstehen und die eine kritische Reflexion und Überprüfung unserer Forschungsmethoden erfordern. Angesichts dieser Polykrisen (Umweltkatastrophen, bröckelnde Infrastrukturen, soziale Ungleichheiten, politische Depression und die Unsicherheit des Wissens) werden wir stattdessen Konzepte der Instabilität postulieren, und Monica Narula wird in ihrem Vortrag von den Begriffen „Twilight Language” und „Cavalcade” ausgehen, gefolgt von Antworten von Alistair Hudson, Simon Sheikh und Nina Zschocke.
Beschreibung (en)
Panel 1 (Thursday) Polycrisis
As an introduction to the idea of shifting paradigms, the panel will look at the many crises that we are facing, in academia and beyond, and which requires a critical reflection and revisitation of the modes of inquiry we are using. In the face of this polycrisis (environmental disaster, crumbling infrastructures, socil inequalities, political depression, and the uncertainty of knowledge), we will instead posit concepts of instability, and in her lecture performance Monica Narula will depart from notions of twilight language and cavalcade, followed by responses from Alistair Hudson, Simon Sheikh and Nina Zschocke.
Shifting Paradigms Symposium I Konferenzarchitektur und Visuelle Erscheinung
Name that can easily go onto 2 lines
Author that can easily go onto 2 lines as well
Titel
Shifting Paradigms Symposium I Konferenzarchitektur und Visuelle Erscheinung
Titel (en)
Shifting Paradigms Symposium I Conference Architecture and Visual Appearance
Beschreibung (de)
Ziel des Shifting Paradigms Symposiums (5.-6.12.2024, HfG Karlsruhe und ZKM) war es, gemeinsam Räume und Ideen für eine sich transformierende Forschungspraxis zu entwerfen und aufzuspannen. Wiederspiegeln sollte sich dieser Anliegen bereits im Veranstaltungskonzept.
Die Inhalte des Symposiums sollten nicht in klassischen Vorträgen vermittelt werden, sondern über experimentelle Formate und Präsentationen mit Dialogprinzip ein gemeinsames Nachdenken und Austauschen fördern. Wissenschaft und Kunst, Theorie und Praxis, Akteure jeglichen Alters, Gesinnung und Herkunft sollten auf diese Weise möglichst gleichberechtigt und wertungsfrei Raum erhalten und in Beziehung treten können.
Besonderes Anliegen war es, der jungen Generation eine Stimme durch und genügend Raum für einen hochwertigen Beitrag geben. So haben Studierende der Studiengänge Kommunikationsdesign sowie Ausstellungsdesign und Szenografie den visuellen Auftritt und eine dynamische Konferenzarchitektur entwickelt, um mit ihrer Hilfe den kommunikativen Aspekt der Veranstaltung und ihre Inhalte stärken zu können.
The aim of the Shifting Paradigms Symposium (December 5–6, 2024, HfG Karlsruhe and ZKM) was to design and develop spaces and ideas for a transforming research practice. This concern was to be reflected in the event concept itself.
The content of the symposium was not to be conveyed in traditional lectures, but rather through experimental formats and presentations based on dialogue, promoting joint reflection and exchange. Science and art, theory and practice, actors of all ages, beliefs, and backgrounds were to be given equal and non-judgmental space to interact.
A particular concern was to give the younger generation a voice and sufficient space for a high-quality contribution. Students of communication design and exhibition design and scenography developed the visual appearance and a dynamic conference architecture to help strengthen the communicative aspect of the event and its content.