Plastic Fugue ist eine interaktive Klanginstallation, die mit einer Kindheitserinnerung an die Konzertflöte beginnt, ein Instrument, das ich aufgrund finanzieller Schwierigkeiten nie erlernen konnte und das für mich zum Symbol des Klassismus wurde. Finanzielle Einschränkung ist nicht nur unangenehm, sondern lässt Kinder sich als ungeeignet empfinden, überhaupt etwas zu versuchen, und normalisiert dadurch Klassismus, selbst in der Kunst.
Es passierte mir erneut, als ich Malerei studierte. Die Materialien, Leinwand, Holz, Stoff, Papier, Farbe, Öl, ja sogar ein Bleistift, werden mit einer gewissen Aura vermarktet. Unsere Kunst ist längst zu sehr mit der neoliberalen Wirtschaft verstrickt, ironischerweise im Widerspruch zu ihrem eigentlichen Ziel, Freiheit. Die Qualität von Kunst über den Preis der Materialien zu definieren, ist eine Wiederholung alter Muster, so wie Blau und Grün einst als Zeichen des Reichtums galten und dem Adel vorbehalten waren.
Diese Struktur führte dazu, dass ich klassische Musik als die einzig wahre Musik betrachtete und die Leinwandmalerei, die im späten 15. Jahrhundert in Italien entstand, als den allein gültigen Standard in der bildenden Kunst. Jahrzehnte später erkannte ich, dass es jenseits dessen, was ich damals als Kunst verstand, auch Formen gab, die aus verschiedenen kulturellen Kontexten stammen und nicht als Teil dieses Standards wahrgenommen wurden. Dann versuchte ich, all diese ironischen Elemente in die verschiedenen Medien einzubringen, mit denen ich bisher gearbeitet hatte.
Plastic Fugue is an interactive sound installation project that begins with a childhood memory of the concert flute, which I couldn't learn due to financial hardship, and which came to symbolize classism to me. Being financially debilitated is not only a discomfort, but also makes children feel unqualified to even try, thereby normalizing this classism even in art.
It happened to me again when I studied painting. The materials are marketed with an aura, including canvas, wood, fabric, paper, paint, oil, and even a pencil. Our art already conspires too much with the neoliberal economy, ironically, against its supposed goal: liberty. Classifying the quality of art based on the price of materials is repetitive, much like how blue and green, once symbols of wealth, were valued and reserved for royalty in history.
This structure led me to view classical music as the only true form of music, and canvas painting, which originated in Italy in the late 15th century, as the sole standard in visual art. Decades later, I realized there was more art behind the things I once believed to be art alone. Then I attempted to gather all these ironical elements into diverse mediums I had experienced so far.
Aqua Logistik ist ein Konzept für ein alternatives Badezimmer. Im Mittelpunkt des Entwurfs steht eine Säule, die gleichzeitig als Wasserverteilungssystem dient. Durch das Einsetzen von Komponenten in die perforierte Säule können die Nutzer das Bad nach ihren Bedürfnissen gestalten. Durch die Vereinfachung und Minimierung des Wassermanagements fördert das System einen direkteren Umgang mit der wertvollen Ressource Wasser.
Der modulare Aufbau ermutigt zu unterschiedlichen Reinigungsroutinen und lädt dazu ein, die Gewohnheiten im Bad zu überdenken - und fördert so einen intelligenteren Umgang mit Wasser im privaten Bereich. Die Grundlage für dieses Konzept bildet eine selbst durchgeführte Untersuchung und Umfrage, die in einer Publikation mit dem Titel veröffentlicht wurde: „May I ask you some Questions about your Bathroom usage“.
Beschreibung (en)
Aqua Logistics is a concept for an alternative bathroom. The design centers around a column that also serves as the water distribution system. By inserting components into the perforated column, users can customize the bathroom according to their needs. By simplifying and minimizing water management, the system fosters a more direct relationship with the valuable resource of water.
The modular setup encourages diverse cleaning routines and invites a rethinking of bathroom habits—ultimately promoting more intelligent water usage in private spaces. The base for this concepts relies on a self conducted research and survey, published in a book called: “May I ask you some Questions about your Bathroom usage“.
„Manchmal ist Schmerz ganz leise“ ist eine immersive, autobiographische Hörstück-Installation, die den stillen und oft unsichtbaren Kampf mit einer schweren, namenlosen Krankheit in den Mittelpunkt stellt. Das Werk hinterfragt, was es bedeutet, in einer leistungsorientierten Gesellschaft plötzlich nicht mehr zu "funktionieren". Es geht den Ängsten, der Scham und dem tief empfundenen Gefühl des Versagens nach, das oft mit chronischer Krankheit einhergeht – Gefühle, die Betroffene selten teilen. Das Hörspiel verleiht einer Stimme Ausdruck, die für viele spricht und Einblicke in eine Realität gibt, die oft im Verborgenen bleibt.
Beschreibung (en)
‘Sometimes pain is very quiet’ is an immersive, autobiographical audio play installation that focuses on the silent and often invisible battle with a serious, nameless illness. The work questions what it means to suddenly no longer ‘function’ in a performance-orientated society. It explores the fears, the shame and the deeply felt sense of failure that often accompanies chronic illness – feelings that are rarely shared by those affected. The radio play gives expression to a voice that speaks for many and provides insights into a reality that often remains hidden.
Pink Elephant ist eine textile Skulptur, die im Rahmen der Sprint Residency im Studio Hö der Hoepfner Stiftung entstanden ist. Das Werk übersetzt das Sprichwort „Seeing Pink Elephants“ in den Raum – eine Redewendung für Halluzinationen, die normalerweise durch schweren Alkoholentzug oder alkoholische Halluzinose verursacht werden und einen Zustand des Deliriums darstellen, in dem der Geist bizarre Bilder wie leuchtend rosa Elefanten erzeugt. Damit spielt die Arbeit auf den Kontext an, in dem sie präsentiert wird, nämlich die Kunststiftung einer Brauerei.
Beschreibung (en)
Pink Elephant is a textile sculpture created as part of the Sprint Residency at Studio Hö of the Hoepfner Foundation. The work translates the saying “seeing pink elephants” into space, an idiom for hallucinations, usually caused by severe alcohol withdrawal or alcoholic hallucinosis, representing a state of delirium where the mind fabricates bizarre sights like bright pink elephants. The work thus alludes to the context for which it was originally made and presented, the art foundation of a brewery.
Tauben gehören zu den alltäglichsten Tieren unseres urbanen Lebens. In allen Städten Deutschlands sieht man sie täglich in Gassen, auf Plätzen, Dächern und Geländern. Während meiner Recherche stieß ich sogar im Stadtarchiv Karlsruhe auf zahlreiche taubenbezogene Bilder, Texte und Dokumente.
Obwohl sie wie wir in der Stadt leben, werden Tauben oft übersehen, verachtet oder gar misshandelt. Man nennt sie manchmal „fliegende Staubsauger“, weil sie Essensreste vom Boden aufpicken, oder „fliegende Ratten“, da sie als Krankheitsüberträger gelten.
Doch als ich begann, mich intensiver mit der Geschichte der Tauben zu beschäftigen, entdeckte ich eine ganz andere Seite: Früher waren sie verlässliche Boten in der Kommunikation. Auf Reisen und in kolonialen Unternehmungen nahm man Tauben mit, als Begleiter und Nachrichtenübermittler. Mit der Ausbreitung globaler Mobilität verbreiteten sich auch Tauben weltweit. Heute benötigen wir sie durch den Fortschritt der Technik nicht mehr und begegnen ihnen mit Ablehnung, wie die allgegenwärtigen Taubenabwehrspitzen an Gebäuden zeigen.
In meinen Fotografien verwende ich die Taube auf humorvolle und absurde Weise als Symbol, um ihre komplexe Beziehung zum Menschen zu thematisieren und zugleich meine eigene Identitätsfrage zu reflektieren. Mal trägt sie Anzug, mal wirkt sie einsam und verloren. Ist es ein Mensch mit Taubenmaske oder eine Taube, die versucht, ein Mensch zu sein?
Pigeons are perhaps the most familiar animals in our everyday urban life. In every city across Germany, you can spot them in alleys, on rooftops, in squares, always present, always overlooked. During my research, I even found numerous images, texts, and records related to pigeons in the city archive of Karlsruhe.
Despite being fellow residents of our cities, pigeons are often ignored, despised, or mistreated. They’re sometimes called “flying vacuum cleaners” for picking up crumbs from the ground, or “flying rats” due to their association with disease.
But when I started to explore their history more deeply, I discovered another side of them: pigeons were once trusted messengers. People used them for communication, especially during travel or colonial expansion, and they became companions on long journeys. As globalization advanced, pigeons spread across the world. Today, we no longer rely on them, yet we go to great lengths to drive them away, visible in the anti-pigeon spikes found on buildings everywhere.
In my photographs, I use the pigeon’s form as a symbol in a playful and absurd way, capturing its complex identity through staged, theatrical compositions. At times it wears a suit; at others, it seems lonely or melancholic. Is it a person in a pigeon mask or a pigeon pretending to be human?
Midnight Zone ist eine Performance über die Tiefsee, jenen Raum, in den kein Sonnenlicht mehr dringt. In dieser absolut dunklen und hohem Druck ausgesetzten Umgebung verschieben sich unsere Wahrnehmungen von Zeit, Körper und Orientierung.
In einem Raum, der das eigene Körpergefühl verschwimmen lässt, durchziehen Fischlaute, Maschinengeräusche und ferne Erdbeben die verschiedenen atmosphärischen Bedingungen des größten Lebensraums der Erde. Performerinnen bewegen sich wie fremde Wesen, zugleich Teil der Natur und Spiegel menschlicher Eingriffe. Mit jeder Bewegung beeinflussen die Besucher*innen das Netz aus Klang, Schatten und Choreografie und werden selbst Teil des Ökosystems, das sie beobachten.
Midnight Zone macht das fragile System der Tiefsee sinnlich erfahrbar: Dort, wo das Leben möglicherweise begann, wo Zeit anders fließt und Prozesse Jahrhunderte dauern können, ist der menschliche Einfluss zunehmend spürbar. Die Arbeit lässt Traum und Realität, Mensch und Natur, Oberfläche und Tiefe ineinander übergehen. Sie lädt dazu ein, lineare Zeitvorstellungen hinter sich zu lassen und alternative Rhythmen zu erspüren. Rhythmen, die im Einklang mit planetarischen Zyklen stehen und dem beschleunigten Takt des Anthropozäns etwas entgegensetzen.
Midnight Zone is a performance about the deep sea, that realm into which no sunlight can penetrate. In this environment of absolute darkness and immense pressure, our perceptions of time, body, and orientation begin to shift.
In a space where one’s sense of the body starts to blur, fish sounds, mechanical noises, and distant earthquakes move through the atmospheric layers of the largest habitat on Earth. The performers move like unfamiliar beings, at once part of nature and a reflection of human impact. With every movement, the visitors influence the network of sound, shadow, and choreography, becoming part of the very ecosystem they are observing.
Midnight Zone makes the fragile system of the deep sea sensually perceptible: a place where life may have begun, where time flows differently and processes can take centuries, and where human presence is increasingly noticeable. The work allows dream and reality, human and nature, surface and depth to merge. It invites the audience to let go of linear notions of time and attune themselves to alternative rhythms, rhythms aligned with planetary cycles, offering a counterpoint to the accelerated tempo of the Anthropocene.
Stuckmarmor ist eine historische Stucktechnik des 16. und 17. Jahrhunderts aus Italien, die für ihre Marmorimitation bekannt ist. Dabei wurden Gips, Wasser, Pigmente und tierischer Leim gemischt, um marmorähnliche Oberflächen zu schaffen.
"Fake it till you make it" ist eine Erkundung dieses traditionellen Handwerks. Ziel ist es, die alte Kunst der Marmorimitation wiederzubeleben und ihre ästhetischen Werte in der heutigen Welt zu präsentieren. Darüber hinaus befasst sich das Projekt mit der Frage, was "echt" und was "unecht" ist, und untersucht die Rolle der Inszenierung. Inspiriert von den drei Teilen einer Säule (Basis, Schaft, Kapitell) habe ich drei Objekte entwickelt, die als Einzelstücke im Raum zu finden sind. Alle drei Objekte sind aus Holz gefertigt, zwei davon durch ein Stahlgerüst stabilisiert. Die Unterkonstruktion wurde dann mit Streckmetall verkleidet, verputzt und diente schließlich als Untergrund für den Stuckmarmor. Ein Making-of-Video zeigt die Herstellung des Stuckmarmors. Jedes der Objekte ist auf eine andere Art und Weise verkleidet, um die Konstruktion nicht immer zu verbergen, sondern sie vielmehr zu enthüllen, ganz nach dem Motto "fake it till you make it".
Stucco marble is a historic plasterwork technique originating from 16th and 17th-century Italy, celebrated for its imitation of marble. This involved blending gypsum plaster, water, pigments, and animal glue to create marble-like surfaces.
„fake it till you make it“ is an exploration of this traditional craft of stucco marble. The aim is to revive the ancient art of imitating marble and to present its aesthetic values in today‘s world. In addition, the project will address the question of what is „real“ and what is „fake“ and examine the role of staging. Inspired by the three parts of a column (base, shaft, capital) I have developed three objects that can be found as individual pieces in the room. All three objects are made of wood, two of them stabilized by a steel framework. Ribbed expanded metal lath was then stapled onto the wood and plastered, serving as the base for the stucco marble. A making of video shows the production of the stucco marble. Each of the objects is covered in a different way, intended not to always conceal the construction but rather to reveal it, embodying the spirit of „fake it till you make it.“
Folded Sheets untersucht, wie sich Papier-Falttechniken auf Stahlbleche übertragen lassen. Rechteckige Tafeln werden durch gezielte Einschnitte und Faltungen in stabile dreidimensionale Formen gebracht, ohne dass Material verloren geht. Der Prozess des Schwarzbrennens, bei dem Leinöl in die Oberfläche eingebrannt wird, verleiht den Objekten ihre charakteristische schwarze Färbung, schützt sie vor Korrosion und unterstützt die strukturelle Festigkeit.
Beschreibung (en)
Folded Sheets explores the possiblities of transferring paper folds into steel sheet furniture. By using cuts and folds on rectangular steel sheets, tensioned rigid shapes without offcuts are created. The objects are further strengthend by blackening the surface with burnt linseed oil.
Die Scheune VII ist ein mediales Happening im privaten Ambiente eines Weingartener Hinterhofes. Das Idyll des Dorfes trifft hier auf die Gedankenwelt des Medienkünstlers Jan Cordes, der hier Einblick in seine Werke gewährt. Er gestaltet den sonst verborgenen Raum einer alten Scheune durch Licht und Multimediale Installationen zu einer neuen Erfahrungswelt um.
Beschreibung (en)
Scheune VII is a media happening in the private ambience of a Weingarten backyard. Here, the idyll of the village meets the world of ideas of media artist Jan Cordes, who provides an insight into his works. He uses light and multimedia installations to transform the otherwise hidden space of an old barn into a new world of experience.
“Die Ähnlichkeiten von Geweben, Mustervorlagen und heutigen Rasterbildern sind eklatant. In einer Genese der technischen Bilder kann das Gewebe als Exemplarfall und Vorreiter aller technisch-elektronischer Bilder gelten.”
“Die ersten Bilder, die von ihrem Bildkörper abgelöst wurden, bestanden aus einem Stapel gelochter Karten für die Verwendung im Jacquardwebstuhl. Der Bildcode ist hier noch begreifbar, das Bild, wenn es aus dem Stapel dieser Karten gewoben wird, ein textil-taktiles Produkt. Patricia Wallers Needle-Works zeigen die Leerstelle heutiger Bildmaschinen auf, wo Bilder auf Monitoren erscheinen, um im nächsten Moment schon wieder durch den nächsten (Netzhaut-) Eindruck ausgetauscht zu werden.”
Beschreibung (en)
“The similarities between fabrics, patterns and today's raster images are striking. In the genesis of technical images, the fabric can be regarded as an exemplary case and forerunner of all technical-electronic images.”
“The first images that were detached from their image body consisted of a stack of perforated cards for use in the Jacquard loom. The image code is still comprehensible here, the image, when woven from the pile of these cards, is a textile-tactile product. Patricia Waller's needle works show the blank space of today's image machines, where images appear on monitors only to be replaced by the next (retinal) impression in the very next moment.”
„Das Jahr 2012 stand ganz im Zeichen Gerhard Richters. So konnte man ihm im Kino bei der Arbeit bei der Arbeit über die Schulter schauen – so der bereits erstmals im September 2011 präsentierte Kinofilm Painting von Corinna Belz .., was einherging mit dem beachtlichen Erfolg auf dem secondary market, dem Auktionsmarkt, wo seine vornehmlich abstrakten Gemälde dank Höchstpreisen zu Kunstmarktlieblingen avancierten.”
„Gerade ein Gemälde scheint anders als viele andere in den letzten Jahren immer mehr mit symbolischer Bedeutung aufgeladen worden zu sein: Onkel Rudi (Abb.1), entstanden 1965. Die fotografische Vorlage entnahm Richter dem eigenen Familienalbum. Als ‚Privates öffentlich’ machen, wurde diese Vorgehensweise in der Motivauswahl der so genannten Foto-Bilder vielfach begründet. Dies zeigt sich nicht zuletzt in den Fotografien, die Richter auf Einladung der Tageszeitung „Die Welt” für eine Sonderausgabe ausdrucken ließ – und damit ist “der große Zweifler der Gegenwartskunst” erst der dritte Künstler, nach Georg Baselitz und Ellsworth Kelly, die die „Welt-Herrschaft” für einen Tag übernommen hat.”
"The year 2012 was all about Gerhard Richter. It was possible to watch him at work in the cinema - for example, the cinema film Painting by Corinna Belz, first presented in September 2011 ... which was accompanied by considerable success on the secondary market, the auction market, where his predominantly abstract paintings became art market favourites thanks to top prices.‘
’One painting in particular, unlike many others, seems to have been increasingly charged with symbolic meaning in recent years: Onkel Rudi, created in 1965. Richter took the photographic model from his own family album. This approach was often justified as “publicising the private” in the choice of motifs for the so-called photo images. This can be seen not least in the photographs that Richter had printed for a special edition at the invitation of the daily newspaper ‘Die Welt’ - making ‘the great doubter of contemporary art’ only the third artist, after Georg Baselitz and Ellsworth Kelly, to take over ‘Welt/world domination’ for a day."
„Die Partizipation des Publikums in Performance-Kunst – der Titel der Magisterarbeit – ruft die Vorstellung eines klassischen ,Mitmach‘-Theaters beziehungsweise eines von ,mitmachenden‘ Performance-BesucherInnen hervor, in dem das Publikum dazu angehalten wird, sich aktiv und produktiv am Geschehen der Aufführung zu beteiligen. Auch am Beginn meiner Recherche stand diese Vorstellung und Partizipation damit als Phänomen, dem – sowohl von der Seite der RezipientInnen aus, als auch von der der PerformerInnen und der KünstlerInnen – zum einen mit großen Unbehagen, zum anderen mit großer Begeisterung begegnet wird.”
„Das Versprechen, das von der Partizipation des Publikums ausgeht, baut darauf, der konventionell passiven und kontemplativen Betrachtung des Kunstwerks, das von einer singulären Autorschaft gefertigt wurde, entgegenzuwirken. Das Unbehagen gegenüber Partizipation drückt sich zum einen in der Skepsis aus, ob Partizipation die Funktion der Aktivierung des Publikums leisten kann. Bedeutet Teilhabe nicht, dass das Publikum innerhalb eines festgelegten Rahmens und eines bestehenden Konzeptes bloß mitmachen ,darf‘? Heißt das nicht, dass es noch immer in passiver Unmündigkeit gefangen bleibt, aber nun, ja noch schlimmer, mit der Illusion der eigenen Souveränität? In der folgenden Analyse werde ich zeigen, dass die Bezeichnungen aktiv und passiv, selbstbestimmt und determiniert und die damit einhergehenden normativen Befunde allerdings genauerer Differenzierung bedürfen.”
‘The participation of the audience in performance art - the title of the master's thesis - evokes the idea of a classic ‘participatory’ theatre or one of ‘participating’ performance visitors, in which the audience is encouraged to actively and productively participate in the events of the performance. At the beginning of my research, this idea and participation was also a phenomenon that was met with great discomfort on the one hand and great enthusiasm on the other, both on the part of the recipients and the performers and artists.’
‘The promise of audience participation is based on counteracting the conventionally passive and contemplative view of the artwork produced by a singular authorship. The unease about participation is expressed on the one hand in the scepticism as to whether participation can fulfil the function of activating the audience. Doesn't participation mean that the audience is merely ‘allowed’ to take part within a fixed framework and an existing concept? Does this not mean that they are still trapped in passive immaturity, but now, even worse, with the illusion of their own sovereignty? In the following analysis, I will show that the terms active and passive, self-determined and determined and the associated normative findings require more precise differentiation.’