Meine Abschlussarbeit beschäftigt sich mit dem Kreuzfahrtschiff als einer Form von Architektur, die zwei parallel voneinander laufende Wirklichkeiten konstituiert, mit eigenen Regeln, Bewegungen und sozialen Codes.
Das Schiff organisiert diese Trennung bis ins Detail. Wege, Blickrichtungen und Abläufe lenken den Körper beinahe intuitiv durch den Raum. Bestimmte Rollen erscheinen selbstverständlich: der entspannte Gast, die serviceorientierte Crew, der verborgene Bereich hinter den Kulissen, der den reibungslosen Ablauf überhaupt erst ermöglicht.
Die Installation greift die Gleichzeitigkeit über eine räumliche und akustische Situation auf.
Während im Hintergrund versucht wird, den Betrieb aufrechtzuerhalten, dringen in den öffentlichen Bereich nur Fragmente der Störung: Durchsagen, Gesprächsfetzen, Beschwerden und das Weiterlaufen eines Unterhaltungsprogramms.
Für einen kurzen Moment wird hörbar, was normalerweise hinter der Oberfläche des scheinbar mühelosen Urlaubs verschwindet. Doch Unterhaltung und Betrieb laufen auch dort nahezu ohne Unterbrechung weiter, wo Erschöpfung, Zeitdruck oder technische Störungen Teil des Systems sind.
Dabei ist die Kreuzfahrt nur ein Luxusgut unter vielen, das sich auf technische Infrastruktur, Versorgungssysteme, Reinigung und Wartung sowie Handwerker, Fachkräfte und Hilfsarbeiter aus aller Welt stützt.
Nicht die Welt eines permanent inszenierten Erlebens steht im Mittelpunkt, sondern das Sichtbarwerden einer Infrastruktur, die sonst hinter Oberfläche, Routine und Unterhaltung verschwindet.
My diploma explores the cruise ship as an architectural structure that produces two parallel realities, each governed by its own rules, movements, and social codes.
The ship organizes this separation down to the smallest detail. Pathways, sightlines, and routines guide bodies through space almost intuitively. Certain roles appear self-evident: the relaxed guest, the service-oriented crew member, and the hidden backstage areas that make the ship’s seamless operation possible in the first place.
The installation addresses this simultaneity through a spatial and acoustic setting.
While continuous efforts are made behind the scenes to keep operations running, only fragments of disruption reach the public areas: announcements, snippets of conversation, complaints, and the ongoing entertainment programme. For a brief moment, what normally disappears beneath the surface of the seemingly effortless holiday becomes audible. Yet entertainment and operations continue almost uninterrupted, even where exhaustion, time pressure, or technical failures are built into the system.
At the same time, the cruise industry is only one example of a luxury product that depends on extensive technical infrastructure, global supply chains, cleaning and maintenance services, as well as skilled and unskilled labour from around the world.
The focus is not the world of permanently staged experiences itself, but rather the visibility of an infrastructure that usually disappears behind surfaces, routines, and entertainment.
Kunstpublikationen und Multiples (Auflagenobjekte) der 1960er Jahren weisen strukturelle und konzeptuelle Parallelen auf, die in dieser Arbeit als Ausdruck selbstorganisierter künstlerischer Praxis zu verstehen sind. Ausgehend von einer kritischen Auseinandersetzung mit dem etablierten Kunstsystem entstanden in dieser Zeit alternative Formate der Produktion und Distribution, die auf Vervielfältigung, Partizipation und Autonomie basierten. Anhand exemplarischer Fallbeispiele, darunter die intermedialen Publikationsobjekte "dokumentation b", die "Edition Et", die Zeitschriften "spirale" und "rot" sowie die Multiples der Edition "MAT" und die Serienobjekte der "Gruppe X", wird gezeigt, wie sich die entsprechenden Werkformen als kuratorische, serielle und partizipative Medien positionieren lassen. Die Arbeit kontextualisiert diese Formate sowohl medienästhetisch als auch kulturpolitisch und versteht sie als materielle Strategien der Selbstorganisation. Sie argumentiert, dass Kunstpublikationen und Multiples nicht nur als Ausdruck einer alternativen Öffentlichkeit fungierten, sondern mit ihnen auch frühe Modelle einer dezentralen künstlerischen Infrastruktur entwickelt wurden. Diese Betrachtung ermöglicht eine genealogische Neubewertung des Multiples, indem sie sich vom etablierten, auf Marcel Duchamp fixierten Diskursrahmen löst und eine weiter gefasste Perspektive eröffnet.
Art publications and multiples from the 1960s share structural and conceptual parallels that can be understood in this work as expressions of self-organized artistic practice. Based on a critical examination of the established art system, alternative formats of production and distribution emerged during this period that were based on reproduction, participation, and autonomy. Using exemplary case studies, including the intermedia publication objects "dokumentation b", "Edition Et", the magazines "spirale" and "rot", the multiples of Edition "MAT", and the serial objects of "Gruppe X", this work shows how the corresponding forms of work can be positioned as curatorial, serial, and participatory media. The work contextualizes these formats both in terms of media aesthetics and cultural politics and understands them as material strategies of self-organization. It argues that art publications and multiples not only functioned as expressions of an alternative public sphere, but also served to develop early models of a decentralized artistic infrastructure. This perspective enables a genealogical reassessment of the multiple by breaking away from the established discourse framework centered on Marcel Duchamp and opening up a broader perspective.
MYCOSKENE ist eine material-theoretische Verflechtung rund um das Thema Mycelium, dem unterirdischen Hyphengeflecht der Pilze. Ob als sozio-philosophische Metapher, Bau- und Gestaltungsmaterial oder in Form einer multi-medialen Rauminstallation – in ihrer Arbeit folgte die Szenografin und Konzepterin Julia Ihls über 8 Monate den fein verwobenen Strukturen jener Organismen, die durch ihre eigene Zeitlichkeit und Qualitäten zu maßgeblichen Co-Gestaltenden wurden.
Beschreibung (en)
MYCOSKENE is a material-theoretical interweaving around the theme of mycelium, the subterranean network of hyphae of fungi. Whether as a socio-philosophical metaphor, building and design material or in the form of a multi-media spatial installation - in her work, scenographer and conceptual designer Julia Ihls followed the finely interwoven structures of these organisms for over 8 months, which became decisive co-creators through their own temporality and qualities.
„Paris – New York, zwei Städte, deren Namen eine Flut von Begriffen, Bildern und Assoziationen in unserem Inneren auslösen. Zwei Weltstädte, die unterschiedlicher kaum sein können. Die eine, die verträumte Stadt an der Seine, gilt als das Mekka der Liebenden, ist der Inbegriff für Kunst und Kultur, war Sitz von Königen und Kaisern wir Ludwig XIV. oder Napoleon und blutiger Schauplatz zahlreicher Revolutionen. Sie ist geprägt von einer mehr als zweitausendjährigen Geschichte und verkörpert schlichtweg das, was man heute mit französischer Lebensart verbindet. Die andere, 'die wunderbare Katastrophe', wie Le Corbusier sie nennt, besticht durch ihre schier unerschöpfliche Energie und Wandlungsfähigkeit, ihre spektakuläre Hochhausarchitektur und ihre multikulturelle Gesellschaft. Ihr Name steht für Freiheit und Selbstverwirklichung. Sie ist die Hauptstadt des Kapitalismus, aber auch ein Ort extremer sozialer Gegensätze und krimineller Energien.
Das Großstadtleben beider ist legendär und es verwundert daher nicht, dass sowohl Paris als auch New York schon früh im Brennpunkt künstlerischen bzw. fotografischen Interesses standen.”
"Paris - New York, two cities whose names trigger a flood of concepts, images and associations within us. Two cosmopolitan cities that could hardly be more different. One, the dreamy city on the Seine, is considered the Mecca of lovers, is the epitome of art and culture, was the seat of kings and emperors such as Louis XIV and Napoleon and the bloody scene of numerous revolutions. It is characterized by more than two thousand years of history and simply embodies what is associated with the French way of life today. The other, 'the marvelous catastrophe', as Le Corbusier called it, captivates with its sheer inexhaustible energy and adaptability, its spectacular high-rise architecture and its multicultural society. Its name stands for freedom and self-realization. It is the capital of capitalism, but also a place of extreme social contrasts and criminal energy.
The big city life of both is legendary and it is therefore not surprising that both Paris and New York were the focus of artistic and photographic interest early on."
Die Arbeit „Nichts, was uns passiert“ oder „Genügend Anlass zur Erhebung der öffentlichen Klage“ thematisiert den Umgang mit sexueller Gewalt in unserer Gesellschaft. Sie fragt, wie und vor allem ob wir durch unsere Sozialisierung gelernt haben, über sexuelle Gewalt zu sprechen. Sie fragt nach dem Vermögen, uns diese Art von Gewalt in unserem eigenen Umfeld (Familie, Freundeskreis, Arbeitsgemeinschaft, u.a.) vorzustellen und danach, warum Erzählungen über sexuelle Gewalt meist in der Ferne, im Abstrakten verortet werden.
Beschreibung (en)
The work "Nichts, was uns passiert" (Nothing that happens to us) or "Genügend Anlass zur Erhebung der öffentlichen Klage" (Sufficient reason to file a public complaint) addresses how we deal with sexual violence in our society. It asks how and, above all, whether we have learned to talk about sexual violence through our socialization. It asks about our ability to imagine this kind of violence in our own environment (family, circle of friends, work community, etc.) and why stories about sexual violence are usually located in the distance, in the abstract.
Tauben gehören zu den alltäglichsten Tieren unseres urbanen Lebens. In allen Städten Deutschlands sieht man sie täglich in Gassen, auf Plätzen, Dächern und Geländern. Während meiner Recherche stieß ich sogar im Stadtarchiv Karlsruhe auf zahlreiche taubenbezogene Bilder, Texte und Dokumente.
Obwohl sie wie wir in der Stadt leben, werden Tauben oft übersehen, verachtet oder gar misshandelt. Man nennt sie manchmal „fliegende Staubsauger“, weil sie Essensreste vom Boden aufpicken, oder „fliegende Ratten“, da sie als Krankheitsüberträger gelten.
Doch als ich begann, mich intensiver mit der Geschichte der Tauben zu beschäftigen, entdeckte ich eine ganz andere Seite: Früher waren sie verlässliche Boten in der Kommunikation. Auf Reisen und in kolonialen Unternehmungen nahm man Tauben mit, als Begleiter und Nachrichtenübermittler. Mit der Ausbreitung globaler Mobilität verbreiteten sich auch Tauben weltweit. Heute benötigen wir sie durch den Fortschritt der Technik nicht mehr und begegnen ihnen mit Ablehnung, wie die allgegenwärtigen Taubenabwehrspitzen an Gebäuden zeigen.
In meinen Fotografien verwende ich die Taube auf humorvolle und absurde Weise als Symbol, um ihre komplexe Beziehung zum Menschen zu thematisieren und zugleich meine eigene Identitätsfrage zu reflektieren. Mal trägt sie Anzug, mal wirkt sie einsam und verloren. Ist es ein Mensch mit Taubenmaske oder eine Taube, die versucht, ein Mensch zu sein?
Pigeons are perhaps the most familiar animals in our everyday urban life. In every city across Germany, you can spot them in alleys, on rooftops, in squares, always present, always overlooked. During my research, I even found numerous images, texts, and records related to pigeons in the city archive of Karlsruhe.
Despite being fellow residents of our cities, pigeons are often ignored, despised, or mistreated. They’re sometimes called “flying vacuum cleaners” for picking up crumbs from the ground, or “flying rats” due to their association with disease.
But when I started to explore their history more deeply, I discovered another side of them: pigeons were once trusted messengers. People used them for communication, especially during travel or colonial expansion, and they became companions on long journeys. As globalization advanced, pigeons spread across the world. Today, we no longer rely on them, yet we go to great lengths to drive them away, visible in the anti-pigeon spikes found on buildings everywhere.
In my photographs, I use the pigeon’s form as a symbol in a playful and absurd way, capturing its complex identity through staged, theatrical compositions. At times it wears a suit; at others, it seems lonely or melancholic. Is it a person in a pigeon mask or a pigeon pretending to be human?
"No Mythologies To Follow" zeigt Blumenarrangements für die neun Kulturgüter der Stadt Karlsruhe, die unter Schutz der Haager Konvention stehen.
Die Konvention ist ein völkerrechtlicher Vertrag, der auf Grund der Erfahrungen vorangegangener Weltkriege durch die UNESCO (United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization) im Jahr 1954 ins Leben gerufen wurde. Sie stellt (un)bewegliche
Kulturgüter im bewaffneten Konfliktfall unter Schutz. Das heißt, die gelisteten Gebäude dürfen im Kriegsfall von Mitgliedsstaaten nicht geplündert oder attackiert werden, da „jede Schädigung von Kulturgut, gleichgültig welchem Volke es gehört, eine Schädigung des kulturellen Erbes der ganzen Menschheit bedeutet.“ Die Auswahlkriterien für schützenswertes Kulturgut sind dabei nicht immer klar nachzuvollziehen und zeigen, dass Kultur und ihre Bewertung stets an die jeweilige Gesellschaft und ihr Zeitverständnis gebunden ist. Nach der Haager Konvention gibt es Kulturgüter deren „Erhaltung (…) für alle Völker der Welt von großer Bedeutung ist.“
Die Blumenarrangements werden in der Ausstellung zu Akteuren, die für einen anderen Umgang mit Kulturgut stehen. Durch sie wird Vergänglichkeit artikuliert.
Zitate aus: Konvention zum Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten – Haager Konvention vom 14. Mai 1954.
“No Mythologies To Follow” shows flower arrangements for the nine cultural assets of the city of Karlsruhe that are protected by the Hague Convention.
The Convention is a treaty under international law that was brought into being by UNESCO (United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization) in 1954 as a result of the experiences of previous world wars. It provides (in)movable
cultural property under protection in the event of armed conflict. This means that the listed buildings may not be looted or attacked by member states in the event of war, as “any damage to cultural property, regardless of the people to whom it belongs, means damage to the cultural heritage of all mankind.” The selection criteria for cultural property worthy of protection are not always clear and show that culture and its evaluation are always linked to the respective society and its understanding of the times.
is bound to the respective society and its understanding of time. According to the Hague Convention, there are cultural assets whose “preservation (...) is of great importance to all peoples of the world.”
In the exhibition, the flower arrangements become actors that stand for a different approach to cultural assets. They articulate transience.
Quotes from: Convention for the Protection of Cultural Property in the Event of Armed Conflict - Hague Convention of May 14, 1954.
*no wind no word* ist eine zwölfminütige Mehrkanal-Video- und Soundinstallation. Die Arbeit untersucht die Wechselbeziehungen von Körper, Raum, Klang und Bild. Sie betrachtet diese Elemente dabei nicht als voneinander getrennte Medien, sondern als ein gemeinsames System, in dem sie sich gegenseitig beeinflussen. Intuition versteht sie dabei nicht als spontanen Einfall, sondern als künstlerische Methode.
Die Installation entstand in Zusammenarbeit mit der Tänzerin und Choreografin Sade Mamedova. An Stelle einer festgelegten Choreografie tritt ein klar definierter räumlicher und technischer Rahmen. Mehrere Kameras, verschiedene Mikrofone und ein Geophon zeichnen dieselbe Situation auf. Die Technik dient dabei nicht der Dokumentation einer Performance, sondern wird selbst zum Akteur in der Arbeit, welcher die Wahrnehmung von Bewegung, Klang und Raum formt.
Das Dach des Großstudios der HfG Karlsruhe bildet den Ausgangspunkt der Installation. Es liegt mitten im Gebäude und wirkt trotz der zentralen Position verlassen. Es ist sichtbar, aber normalerweise unzugänglich. Die offene Architektur, die Höhe und die weißen Staubspuren erzeugen eine Atmosphäre zwischen Sicherheit und Ausgesetztheit. Die Installation zeigt, wie sehr räumliche Bedingungen unsere Wahrnehmung und unser Handeln beeinflussen können.
Der Klang setzt sich ausschließlich aus Aufnahmen, der Performance zusammen. Zu hören sind Atem, Schritte, Reibung, Resonanzen der Dachkonstruktion und andere Umgebungsgeräusche. Auf Musik oder eine erzählende Stimme wird bewusst verzichtet. Die Atmung agiert als Taktgeber der Arbeit. Sie setzt Bewegung in Gang, wird selbst zum Klang und bestimmt den Rhythmus des Filmschnitts. Sie verbindet Körper, Bild und Ton. Der mehrkanalige Klang verteilt sich über vier Lautsprecher im Raum und verändert sich mit der Position des Publikums. Die Installation eröffnet dadurch eine immersive Erfahrung von Klang, die nicht nur gehört, sondern räumlich erlebt wird.
Drei synchronisierte Projektionen zeigen denselben Moment aus unterschiedlichen Distanzen und Perspektiven. Dabei hat keine der Ansichten den Anspruch, vollständiger zu sein als eine andere. Erst in ihrem Zusammenspiel erschließt sich die Essenz der Installation, die Verschiebung des betrachtenden Blickes vom Einzelbild auf das Verhältnis zwischen Bildern. Gleichzeitig verändert sich der Klang mit jeder Bewegung im Raum. So gibt es kein festes Zentrums des Betrachtens und keine eindeutige Sicht auf das Geschehen. Die Wahrnehmung formt sich im Wechselspiel mit der Bewegung der Besucher:innen.
Die Performance entsteht ausschließlich aus dem Setting heraus. Die Tänzerin reagiert dabei auf Raum, Klang und ihren eigenen Körper. Die Arbeit erzählt keine Geschichte, sondern einen Zustand. Die Bewegungen lassen Übergänge zwischen unterschiedlichen Rollen, Körperzuständen oder Erinnerungsbildern entstehen. Teilweise wirkt es, als würde die Tänzerin mit einer unsichtbaren Person sprechen, tanzen, streiten oder sich ausruhen. Aus der Beobachtung entstehen Assoziationen zu Erinnerung, Projektion und inneren Dialogen. Die Arbeit beantwortet diese Bilder nicht. Sie lässt sie nebeneinander bestehen und eröffnet Raum für unterschiedliche Wahrnehmungen.
Ein wichtiger Bezugspunkt ist Robert Rauschenbergs Verständnis von Kunst als offenem Gefüge aus Körper, Raum, Material und Technologie. Seine kollaborative und medienübergreifende Arbeitsweise bildet die Grundlage für den Aufbau der Installation. Auch choreografische Ansätze von Merce Cunningham und Yvonne Rainer fließen in die Arbeit ein. Sie bestärken den Gedanken, Bewegung, Klang und Bild nicht hierarchisch zu ordnen, sondern als gleichwertige Elemente zu verstehen.
*no wind no word* untersucht, wie Körper, Technologie und Architektur gemeinsam Erfahrungen hervorbringen. Die Installation fragt, wie Erinnerung, Gegenwart und Projektion in einem einzigen Moment gleichzeitig erfahrbar werden können. Sie bringt uns dazu, zu fragen, wie Wahrnehmung entsteht und wie sich Bedeutung bildet, wenn Bilder, Klänge und Bewegungen nicht auf eine eindeutige Aussage reduziert werden. In einer Zeit, in der Bilder permanent produziert, beschleunigt und bewertet werden, schlägt *no wind no word* eine andere Form der Aufmerksamkeit vor. Die Installation fordert nicht dazu auf, eine Geschichte zu entschlüsseln. Sie lädt dazu ein, Zeit auszuhalten, Mehrdeutigkeit zuzulassen und Wahrnehmung als offenen Prozess zu erfahren. no wind no word versteht sich zugleich als Ausgangspunkt einer weiterführenden künstlerischen Forschung. Aufbauend auf der bestehenden Installation ist eine Weiterentwicklung unter veränderten räumlichen und performativen Bedingungen vorgesehen. Im Zentrum steht die Frage, wie sich dieselbe Konstellation von Körper, Raum und Technologie mit jedem neuen Ort und jeder neuen Aufführung verändert und dabei neue Formen der Wahrnehmung hervorbringt. Geplant ist, filmische, performative und klangliche Prozesse noch enger miteinander zu verschränken. Durch die unmittelbare Verstärkung von Atem- und Körpergeräuschen entsteht eine Rückkopplung zwischen Körper, Klang und Bewegung, auf die die Performerin in Echtzeit reagiert. Ergänzend soll die Arbeit in Räumen mit unterschiedlichen akustischen und materiellen Eigenschaften weiterentwickelt werden. So wird no wind no word als offenes System fortgeführt, das sich mit jeder neuen Realisierung transformiert und seine Fragestellungen unter veränderten Bedingungen weiter untersucht.
*no wind, no word* is a twelve-minute multi-channel video and sound installation. The piece explores the interrelationships between the body, space, sound and image. Rather than regarding these elements as separate media, it considers them as a shared system in which they influence one another. Intuition is not understood as a spontaneous idea, but as an artistic method.
The installation was created in collaboration with the dancer and choreographer Sade Mamedova. Instead of a fixed choreography, there is a clearly defined spatial and technical framework. Several cameras, various microphones and a geophone record the same situation. The technology does not serve to document a performance, but becomes an active participant in the work itself, shaping the perception of movement, sound and space.
The roof of the large studio at the HfG Karlsruhe forms the starting point for the installation. Despite its central position, it appears deserted. Although it is visible, it is normally inaccessible. The open architecture, the height and the white dust marks create an atmosphere that lies somewhere between safety and exposure. The installation demonstrates the extent to which spatial conditions can influence our perception and our actions.
The soundscape consists exclusively of recordings made during the performance. One can hear breathing, footsteps, friction, resonances from the roof structure and other ambient sounds. Music and a narrative voice have been deliberately omitted. Breathing acts as the metronome for the work. It sets movement in motion, becomes sound in its own right, and dictates the rhythm of the film’s editing. It connects body, image and sound. The multi-channel sound is distributed across four speakers in the room and changes depending on the audience’s position. The installation thus creates an immersive sound experience that is not merely heard, but experienced spatially.
Three synchronised projections show the same moment from different distances and perspectives. None of these views claims to be more complete than the others. It is only through their interplay that the essence of the installation becomes apparent: the shift in the viewer’s gaze from the individual image to the relationship between images. At the same time, the sound changes with every movement within the space. Consequently, there is no fixed centre of observation and no single, unambiguous view of what is happening. Perception takes shape through interaction with visitors' movements.
The performance emerges entirely from the setting itself. The dancer responds to the space, the sound and her own body. The piece does not narrate a tale, but rather conveys a state of being. The movements create transitions between different roles, physical states or images from memory. At times, it appears as though the dancer is speaking, dancing, arguing or resting with an invisible person. These observations give rise to associations with memory, projection and inner dialogues. The work does not respond to these images. It allows them to coexist and opens up space for different perceptions.
A key point of reference is Robert Rauschenberg’s understanding of art as an open structure comprising body, space, material and technology. His collaborative and cross-media approach forms the basis for the installation’s composition. Choreographic approaches by Merce Cunningham and Yvonne Rainer also inform the work. They reinforce the idea of treating movement, sound and image not as a hierarchical order, but as elements of equal value.
*no wind no word* explores how the body, technology and architecture collectively generate experiences. The installation asks how memory, the present and projection can be experienced simultaneously in a single moment. It prompts us to ask how perception arises and how meaning is formed when images, sounds and movements are not reduced to a single, unambiguous statement. At a time when images are constantly being produced, accelerated and evaluated, *no wind no word* proposes a different form of attention. The installation does not call on the viewer to decipher a story. Instead, it invites us to linger, to allow for ambiguity, and to experience perception as an open-ended process.
*no wind no word* is also intended as a starting point for further artistic research. Building on the existing installation, the plan is to develop the work further under different spatial and performative conditions. The focus is on the question of how the same constellation of body, space and technology changes with each new venue and each new performance, thereby giving rise to new forms of perception. The plan is to interweave cinematic, performative and sonic processes even more closely. The immediate amplification of breathing and bodily sounds creates a feedback loop between body, sound and movement, to which the performer reacts in real time. In addition, the work is to be further developed in spaces with different acoustic and material properties. In this way, *no wind no word* continues as an open system that transforms with each new realisation and continues to explore its questions under changing conditions.
Eine Feldstudie zur einzigen existierenden Geschlechtersprache (NVSHU - Nüshu). Mithilfe von Multimedia-Materialien konzentrierte ich mich auf die Geschichte, die sich im vergangenen Sommer zwischen mir und dem letzten Naturforscher ereignete, und dokumentierte sie. Die Papierarbeiten und Installationen drücken gleichzeitig meine eigenen Reflexionen über dieses kulturelle Phänomen aus.
Beschreibung (en)
A field exploration of the only existing gender language (NVSHU - Nüshu). Using multimedia materials, I focused on and documented the story that happened between me and the last naturalist last summer. The paper art and installation works simultaneously express my own reflections on this cultural phenomenon.
Bei der 2-Kanal-Videoinstallation „Oberfläche schwarz/blau/grün“ zum Thema Migration werden zwei Situationen betrachtet und einander gegenübergestellt: Migration von einem Land in ein anderes und Migration auf einen anderen Planeten.
Beschreibung (en)
The two-channel video installation is about migration, in which two situations are considered and contrasted: migration from one country to another and migration to another planet.
Ich habe menschliches Haar als Material und Textil erforscht. Haare sind etwas zutiefst Persönliches, aber auch eine weithin verfügbare und oft weggeworfene Ressource. Im Rahmen meiner Recherchen habe ich das Material aus verschiedenen Blickwinkeln - wissenschaftlich, kulturell und künstlerisch - untersucht und gleichzeitig mit ihm gearbeitet, um Textilien und Teppiche mit verschiedenen Techniken herzustellen.
Beschreibung (en)
I explored human hair as a material and textile. Hair is something deeply personal, yet it is also a widely available and often discarded resource. Through my research, I examined the material from different perspectives - scientific, cultural, and artistic, while also working hands-on with it to create textiles and carpets using various techniques.
„Das Jahr 2012 stand ganz im Zeichen Gerhard Richters. So konnte man ihm im Kino bei der Arbeit bei der Arbeit über die Schulter schauen – so der bereits erstmals im September 2011 präsentierte Kinofilm Painting von Corinna Belz .., was einherging mit dem beachtlichen Erfolg auf dem secondary market, dem Auktionsmarkt, wo seine vornehmlich abstrakten Gemälde dank Höchstpreisen zu Kunstmarktlieblingen avancierten.”
„Gerade ein Gemälde scheint anders als viele andere in den letzten Jahren immer mehr mit symbolischer Bedeutung aufgeladen worden zu sein: Onkel Rudi (Abb.1), entstanden 1965. Die fotografische Vorlage entnahm Richter dem eigenen Familienalbum. Als ‚Privates öffentlich’ machen, wurde diese Vorgehensweise in der Motivauswahl der so genannten Foto-Bilder vielfach begründet. Dies zeigt sich nicht zuletzt in den Fotografien, die Richter auf Einladung der Tageszeitung „Die Welt” für eine Sonderausgabe ausdrucken ließ – und damit ist “der große Zweifler der Gegenwartskunst” erst der dritte Künstler, nach Georg Baselitz und Ellsworth Kelly, die die „Welt-Herrschaft” für einen Tag übernommen hat.”
"The year 2012 was all about Gerhard Richter. It was possible to watch him at work in the cinema - for example, the cinema film Painting by Corinna Belz, first presented in September 2011 ... which was accompanied by considerable success on the secondary market, the auction market, where his predominantly abstract paintings became art market favourites thanks to top prices.‘
’One painting in particular, unlike many others, seems to have been increasingly charged with symbolic meaning in recent years: Onkel Rudi, created in 1965. Richter took the photographic model from his own family album. This approach was often justified as “publicising the private” in the choice of motifs for the so-called photo images. This can be seen not least in the photographs that Richter had printed for a special edition at the invitation of the daily newspaper ‘Die Welt’ - making ‘the great doubter of contemporary art’ only the third artist, after Georg Baselitz and Ellsworth Kelly, to take over ‘Welt/world domination’ for a day."