Forest Souvenirs ist ein modulares System langlebiger Verbindungselemente, das aus ausrangierten Aluminium-Autofelgen gefertigt wird und recyceltes Metall mit von den Nutzer:innen gesammelten, ausgewählten und bearbeiteten Holzästen kombiniert. So entstehen flexible Alltagsobjekte wie Stühle, Lampen, Garderoben oder Kleiderhaken aus lokal gefundenen Materialien. Statt fertiger Produkte bietet das System eine einfache, robuste metallische Schnittstelle, die zur aktiven Aneignung einlädt. Die leimfreien, wiederverwendbaren Verbinder ermöglichen den Aufbau ohne spezielle Werkzeuge oder Vorkenntnisse und machen Materialkreisläufe im Gebrauch unmittelbar erfahrbar.
Forest Souvenirs versteht sich als offenes, zirkuläres Designsystem zwischen industrieller Logik und naturbasiertem Gestalten. Es verlängert nicht nur Materiallebenszyklen, sondern schafft eine hybride Formensprache, die den Archetyp des selbstgebauten Möbels neu interpretiert. Die entstehenden Objekte sind keine fixen Produkte, sondern wandelbare Konfigurationen – ein kontinuierlicher Dialog zwischen Material, Umwelt und Nutzer:innen, die zu Co-Designer:innen werden und eine stärkere emotionale Bindung sowie ein vertieftes Materialbewusstsein entwickeln.
Forest Souvenirs reimagines our relationship with everyday objects by bridging industrial production and nature-based making. Rooted in humanity's earliest practices of sourcing and shaping materials from the immediate environment, the project responds to the detachment created by global industrialization. Instead of offering finished products, it transforms a discarded aluminum car rim into a modular system of nine durable connectors, each made from 100% recycled material. These elements serve as a simple yet precise interface, enabling users to combine them with wooden branches they collect, select, and shape themselves.
Through this process, found materials become functional objects such as chairs, lamps, coat racks, hangers, or even a walking cane. Assembly requires no adhesives or specialized tools, making the system accessible, reusable, and fully recyclable. The mono-material aluminum ensures a closed material cycle, while the organic variability of wood introduces uniqueness and adaptability. Each object becomes a reflection of its maker and its environment.
Forest Souvenirs places the user at the center of creation. The act of gathering wood becomes an intentional journey—an invitation to slow down, step outside urban routines, and reconnect with nature. Walking replaces driving, making replaces consuming. This participatory approach fosters emotional attachment, material awareness, and a deeper appreciation for resources and processes.
By merging industrial logic with the archetype of self-crafted furniture, the project establishes a hybrid design language that is both contemporary and timeless. The aluminum connector acts as a threshold between two worlds: standardized production and organic growth. In doing so, Forest Souvenirs challenges conventional systems of consumption and proposes an alternative grounded in reuse, care, and engagement.
Ultimately, the project reframes everyday objects as evolving, personal artifacts. It empowers users as co-designers and encourages a shift from passive consumption toward active participation—offering not just objects, but meaningful experiences and a renewed connection to our surroundings.
Eine ländliche Region, ca. 1900. Die Landärztin Nerea Flores reist aus der Stadt in ein Dorf, um mit einer frühen Form einer Filmkamera Patientenfälle für ein medizinstudentisches Publikum zu dokumentieren. Der komplette Film erzählt sich ausschließlich aus dem Rohmaterial, das dabei entsteht – mitsamt Kameraein- und -ausschalten, Positionieren der Akteur*innen, Signalgebung etc.
Sie richtet eine improvisierte Praxis in einem leerstehenden Bauernhaus ein und probiert verschiedene, von schwer überwindbarer Distanz geprägte Therapiemethoden an den Personen aus – stets unter Anwesenheit der Kamera. Die Aufnahmepraxis irritiert die Patient*innen. Ein zur Kontrolle herbeigerufener Arztkollege bemängelt die Aufnahmen und befeuert eine radikalere Praxis beim Filmen, bei der ethische Fragen noch weiter in den Hintergrund treten sollen. Nerea fühlt sich in die Ecke gedrängt und innerlich zerrissen.
Schritt für Schritt löst sich unter Druck die Distanz zwischen Filmender und Gefilmtem auf. Flores bringt die Kamera schließlich auch mit in die Häuser der zu Behandelnden. Mit der Zeit empfinden die Patientinnen ihr Eingreifen als unangenehm und zu eindringlich und fliehen – um den Aufnahmeprozessen zu entgehen – ins Metaphysische. Nerea begegnet den zu Behandelnden nun in der Gestalt eines Waldstücks oder auch eines Baches. Da somit keine klassischen Therapieaufnahmen mehr möglich sind, wird das Projekt vorzeitig beendet.
A rural region, around 1900. Country doctor Nerea Flores travels from the city to a village to document patient cases for a medical student audience using an early form of a film camera. The entire film is told exclusively through the raw material produced in the process – including switching the camera on and off, positioning the actors, giving cues, etc.
She sets up an improvised practice in an abandoned farmhouse and tries out various therapy methods shaped by a difficult-to-overcome emotional distance – always in the presence of the camera. The filming practice unsettles the patients. A doctor colleague, sent in for supervision, criticizes the recordings and pushes for a more radical filming approach in which ethical concerns are further sidelined. Nerea feels cornered and conflicted.
Step by step, under pressure, the distance between the filmer and the filmed dissolves. Flores eventually brings the camera into the homes of her patients. Over time, the patients perceive her interventions as too intrusive and uncomfortable and flee – in order to escape the filming process – into the metaphysical. Nerea now encounters those to be treated in the form of a patch of forest or even a stream. As a result, no further traditional therapy recordings can be made, and the project is prematurely ended.
Als Kind wurde Minh Anh Nguyễn sexuell missbraucht. Mit ihrem 47-minütigen Essayfilm versucht sie, diesen schwierigen Teil ihres Lebens in Worte zu fassen, das Unsagbare auszusprechen und durch die Reflexion und Projektion der filmischen Praxis ein Gefühl für das eigene Selbst zurückzugewinnen. Die Filmemacherin offenbart dabei intime Gespräche mit ihrer Mutter und versucht, den schmerzhaften Prozess zu bewältigen, dieses Trauma an die Öffentlichkeit zu bringen. Mit einer zerbrechlichen Intimität bewegt sich der Film zwischen Fiktion, Archivmaterial und Dokumentation, auf der Suche nach einer Sprache, um das Vergangene auszudrücken und die Zukunft anzunehmen.
Beschreibung (en)
As a child, Minh Anh Nguyễn was sexually abused. Her 47-minute essay film is an attempt to put words to this difficult part of her life, to speak the unspeakable and regain a sense of self through the reflection and projection that the act of filmmaking allows. Her film reveals intimate conversations with her mother and tries to overcome the difficult process of making this trauma public. It navigates through a wounded intimacy between fiction, archive footage and documentary in search of a language to articulate the past and embrace the future.
„Manchmal ist Schmerz ganz leise“ ist eine immersive, autobiographische Hörstück-Installation, die den stillen und oft unsichtbaren Kampf mit einer schweren, namenlosen Krankheit in den Mittelpunkt stellt. Das Werk hinterfragt, was es bedeutet, in einer leistungsorientierten Gesellschaft plötzlich nicht mehr zu "funktionieren". Es geht den Ängsten, der Scham und dem tief empfundenen Gefühl des Versagens nach, das oft mit chronischer Krankheit einhergeht – Gefühle, die Betroffene selten teilen. Das Hörspiel verleiht einer Stimme Ausdruck, die für viele spricht und Einblicke in eine Realität gibt, die oft im Verborgenen bleibt.
Beschreibung (en)
‘Sometimes pain is very quiet’ is an immersive, autobiographical audio play installation that focuses on the silent and often invisible battle with a serious, nameless illness. The work questions what it means to suddenly no longer ‘function’ in a performance-orientated society. It explores the fears, the shame and the deeply felt sense of failure that often accompanies chronic illness – feelings that are rarely shared by those affected. The radio play gives expression to a voice that speaks for many and provides insights into a reality that often remains hidden.
weibelmaschine.net ist der Versuch, die Essenz von Peter Weibels Sprechen zu digitalisieren und so eine orakelhafte Version seines Geistes, auch als Inspiration für kommende Generationen, zu schaffen. Wir haben uns bewusst dafür entschieden, nur den Klang der Stimme zu simulieren, um den performativen Aspekt des Sprechens in den Vordergrund zu rücken. Die inhaltliche Ebene wird hingegen getrennt davon in Textform dargestellt.
SampleRNN, GPT2-Modell, Transformers Library von Huggingface, RaspberryPi
Auftrag durch
In Zusammenarbeit mit Johannes Bechberger und Alexander Liebrich, produziert in Kooperation mit dem ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe. Die Arbeit wird bis zum 28.08.2022 in der Ausstellung BioMedien am ZKM Karlsruhe gezeigt und wird dann in die Sammlung des ZKM aufgenommen.
Testlauf einer 360°- Kamera in Ausstellungssituation. Kamera wird durch eine besseres Modell ausgetauscht, die einen hochauflösenden 360°- Stream liefert:
https://youtu.be/-YH7Z5Ao5Gs
WWWE ist eine 40-minütige, performative Wrestlingshow im öffentlichen Raum. Im Mittelpunkt stehen zwei Frauen, deren Crew, eine Band* und eine Moderatorin, die sich gemeinsam mit dem Publikum im Wrestling ausprobieren und die gesellschaftliche Tabuisierung von wütenden Frauen im Ring verhandeln. Wie im Schaukampf üblich, sind die Handlungsabläufe teilweise improvisiert und werden mit Showelementen und Storylines angereichert.
Beschreibung (en)
WWWE is a 40-minute performative wrestling show in public space. The focus is on two women, their crew, a band* and a presenter who try their hand at wrestling together with the audience and negotiate the social taboo of angry women in the ring. As is usual in exhibition wrestling, the action is partly improvised and enriched with show elements and storylines.
Die Hochschule heißt die Erstsemester, Studierenden und Angehörigen der HfG Karlsruhe sowie Gäste, Freund:innen und Fördernde zum Beginn des Wintersemesters 2023/2024 in einer festlichen Semestereröffnung willkommen, die in diesem Jahr am Montag, 16. Oktober 2023 im Lichthof stattfindet.
Programm:
ab 17:30 Bar und DJ-Set Finn Baygan
18:00-18:10 Eröffnung Prof. Constanze Fischbeck
18:10-18:15 Grußwort Alistair Hudson
18:15-18:20 Grußwort Prof. Dr. Rupert Vogel
18:25-18:35 Verabschiedung Mitarbeitende und Lehrende und Begrüßung der neuen Lehrenden durch Prof. Dr. Matthias Bruhn
18:40-18:50 Künstlerischer Beitrag von Finn Baygan
18:50-19:10 Diplomübergaben durch die Fachgruppen
19:10-19:20 Preisübergabe durch Bürgermeister Dr. Albert Käuflein mit Jana Renger & Guillermo Wilkins
19:20-19:25 AStA Beitrag
19:25-19:30 Danksagung durch Prof. Dr. Matthias Bruhn
19:30-20:30 Bar und DJ-Set Finn Baygan
20:30 Im Forum: Performance aaahhhnnndddiii
The university welcomes the freshmen, students and members of the HfG Karlsruhe as well as guests, friends and supporters at the beginning of the winter semester 2023/2024 in a festive semester opening, which will take place this year on Monday, October 16, 2023 in the Lichthof.
Program:
from 17:30 Bar and DJ set Finn Baygan
18:00-18:10 Opening Prof. Constanze Fischbeck
18:10-18:15 Greeting Alistair Hudson
18:15-18:20 Greeting Prof. Dr. Rupert Vogel
18:25-18:35 Farewell to staff and lecturers and welcome to the new lecturers by Prof. Dr. Matthias Bruhn
18:40-18:50 Artistic contribution by Finn Baygan
18:50-19:10 Presentation of diplomas by the departments
19:10-19:20 Award ceremony by mayor Dr. Albert Käuflein with Jana Renger & Guillermo Wilkins
19:20-19:25 AStA Contribution
19:25-19:30 Acknowledgement by Prof. Dr. Matthias Bruhn
19:30-20:30 Bar and DJ-Set Finn Baygan
20:30 In the Forum: Performance aaahhhnnndddiii