„Der Fall Marcel Broodthaers lädt den Rezipienten dazu ein, sich mit dessen Vorläufern auseinanderzusetzen. Nicht etwa, weil dort Geheimnisse aufzudecken wären – im Gegenteil, die broodthaers’schen Galionsfiguren sind in seinem Werk alle namentlich präsentiert –, sondern eher auf Grund der Tatsache, da er es wie kaum ein anderer verstanden hat, sich bestimmter Vorbilder zu bedienen, sprich, sich Teilaspekte aus deren Werken anzueignen und die darin enthaltenen Kerngedanken eigens fortzuschreiben. Dies geschieht auf eine Art und Weise, die es vermag, Hommage und Kritik zu vereinen.”
„Über zwei Doppelseiten hinweg breitet sich im Ausstellungskatalog zur Section des Figures [...] das graphisch aus, was Broodthaers als seine METHODE tituliert. Diese Blätter folgen in direktem Anschluß an das Vorwort, sie markieren den Anfang zu jenem Katalogteil, der sowohl inhaltlich, als auch formal maßgeblich vom Künstler gestaltet worden ist. Bereits die Typographie des Titelworts strahlt – in Majuskel gesetzt – eine hohe Wichtigkeit aus. Wer allerdings ausführliche Erläuterung erwartet hat, wird enttäuscht, es handelt sich vielmehr um eine anspielungsreiche Illustration als um eine schriftliche Erklärung, doch gleichwohl trägt diese Ausführung den Charakter des Manifests.”
"The case of Marcel Broodthaers invites the recipient to engage with his precursors. Not because there are secrets to be uncovered there - on the contrary, Broodthaers' figureheads are all presented by name in his work - but rather due to the fact that he understood better than almost anyone else how to make use of certain role models, i.e. to appropriate partial aspects from their works and to continue the core ideas contained therein in his own way. This is done in a way that manages to combine homage and criticism."
"Over two double-page spreads in the exhibition catalogue for Section des Figures [...] Broodthaers' METHOD is presented graphically. These pages follow directly after the preface and mark the beginning of the section of the catalogue that was designed by the artist both in terms of content and form. Even the typography of the title word - set in majuscule - radiates great importance. However, anyone expecting a detailed explanation will be disappointed; it is more of an allusive illustration than a written explanation, but this version nevertheless has the character of a manifesto."
„Manchmal ist Schmerz ganz leise“ ist eine immersive, autobiographische Hörstück-Installation, die den stillen und oft unsichtbaren Kampf mit einer schweren, namenlosen Krankheit in den Mittelpunkt stellt. Das Werk hinterfragt, was es bedeutet, in einer leistungsorientierten Gesellschaft plötzlich nicht mehr zu "funktionieren". Es geht den Ängsten, der Scham und dem tief empfundenen Gefühl des Versagens nach, das oft mit chronischer Krankheit einhergeht – Gefühle, die Betroffene selten teilen. Das Hörspiel verleiht einer Stimme Ausdruck, die für viele spricht und Einblicke in eine Realität gibt, die oft im Verborgenen bleibt.
Beschreibung (en)
‘Sometimes pain is very quiet’ is an immersive, autobiographical audio play installation that focuses on the silent and often invisible battle with a serious, nameless illness. The work questions what it means to suddenly no longer ‘function’ in a performance-orientated society. It explores the fears, the shame and the deeply felt sense of failure that often accompanies chronic illness – feelings that are rarely shared by those affected. The radio play gives expression to a voice that speaks for many and provides insights into a reality that often remains hidden.
In dem Format einer sampling session wird eine akustische Struktur erprobt, die das Reisen zum Mond beschwört und sich mit Raumwahrnehmungen, Imagination und kollektiven Vorstellungen auseinandersetzt. Anders als in dieser Performance ist für das menschliche Ohr eine wesentliche Präsenz im Weltraum das Geräuschlose.
Beschreibung (en)
In the format of a sampling session, an acoustic structure is tested that conjures a journey to the Moon, engaging with perceptions of space, imagination and collective ideas.
Der Begriff Otaku bezeichnet eine Person, die eine tiefe, spezialisierte und anhaltende Begeisterung für ein bestimmtes Thema besitzt, die sich häufig durch umfangreiches Wissen, emotionale Bindung und aktive Beschäftigung damit auszeichnet.
In der heutigen Gesellschaft wird es zunehmend schwieriger, unsere reine Begeisterung mit anderen zu teilen. Menschen neigen dazu, soziale Gruppen auf der Grundlage kultureller Geschmäcker zu bilden, und dieses Phänomen hat sich im Zeitalter von Web 2.0 durch Mechanismen wie Filterblasen weiter verstärkt.
Durch das Projekt „Luv What You Luv“ möchte ich zeigen, was ich liebe, und gleichzeitig hören, was andere lieben. Das Projekt besteht hauptsächlich aus einem Magazin, das zwei Ausgaben in einem Band vereint. Die erste Ausgabe, [Girls], zeigt, was ich persönlich liebe. Die zweite Ausgabe, [Otaku], untersucht die Otaku-Fankultur genauer und enthält drei Interviews sowie sechs Gastbeiträge, die hervorheben, wofür andere Menschen eine besondere Leidenschaft haben.
Darüber hinaus umfasst das Projekt einen Fragebogen, der untersucht, was Leser:innen und Besucher:innen der Ausstellung lieben, sowie ein Otaku Presentation Video, in dem Teilnehmende ihre eigenen Leidenschaften und Interessen vorstellen.
Durch dieses Magazin und die dazugehörigen Inhalte hoffe ich, dass Menschen die Freude daran erleben können, das zu teilen, was sie lieben, und durch diese gemeinsamen Ausdrucksformen von Begeisterung lose soziale Verbindungen entstehen.
The term otaku refers to a person who has deep, specialized, and sustained enthusiasm for a particular subject, often characterized by extensive knowledge, emotional attachment, and active engagement.
In contemporary society, it is becoming increasingly difficult to share our pure enthusiasm with others. People tend to form social groups based on cultural taste, and this phenomenon has intensified in the Web 2.0 era through mechanisms such as filter bubbles.
Through the “Luv What You Luv” project, I aim to present what I love while also listening to what others love. The project mainly consists of a magazine composed of two issues in a single book. The first issue, [Girls], presents what I personally love. The second issue, [Otaku], explores otaku fandom culture in depth, featuring three interviews and six contributed essays that highlight what others are passionately devoted to.
In addition, the project includes a questionnaire that explores what readers and exhibition visitors love, as well as an Otaku Presentation Video, in which participants present their own passions and interests.
Through this magazine and its accompanying contents, I hope that people can experience the joy of sharing what they love and form weak social bonds through these shared expressions of enthusiasm.
„Wir sind zunehmend wasserundurchlässig geworden: gedanklich abgeschottet von den subtilen und vielfältigen Beziehungen zu Flüssen, auch wenn diese weiterhin unsere Körper, Gedanken, Lieder und Geschichten durchströmen. Flüsse fließen durch die Menschen ebenso sicher wie durch Orte.“ Dieses Zitat stammt von Robert Macfarlanes "Sind Flüsse Lebewesen?" und bildet den Einstieg in mein Diplomprojekt, Like Sediment in a Slow Current. Mit der Rheinbegradigung am Oberrhein als Ausgangspunkt untersuche ich die verzerrte Beziehung zwischen uns Menschen, Wasser und anderen Wasserkörpern. Wenn Macfarlane schreibt "gedanklich abgeschottet", wie sind wir dann mit Flüssen verbunden? Dies und weitere Fragen wie: Wie sah der Rhein vor der Begradigung aus? Welche Folgen hat eine Begradigung für einen Fluss? Ist es möglich, einen Fluss als juristische Entität anzusehen? Wie sind wir mit anderen Wasserkörpern verbunden? Was definiert einen Wasserkörper? Wie kann ich mich kritisch mit einem Ort und seiner Geschichte auseinandersetzen? Das Projekt sammelt und kuratiert verschiedene Texte und Bilder aus Bereichen der Kunst, Biologie, Geologie und Philosophie und versucht sich den aufgelisteten Fragen zu nähern. Das Gestalten einer physischen Publikation hat es mir ermöglicht, mich anhand von bewussten Material- und Designentscheidungen kritisch mit dem Thema auseinanderzusetzen. Like Sediment in a Slow Current soll dazu dienen, seine eigene Position und die des Rhein in unserer Gesellschaft und dem verwobenen Netz der Natur zu hinterfragen.
“We have become increasingly waterproofed: conceptually sealed against subtle and various relations with rivers, even as they continue to irrigate our bodies, thoughts, songs and stories. Rivers run through people as surely as they run through places.” This quote is from Robert Macfarlane’s Is a River Alive? and serves as the point of entry to my diploma project, Like Sediment in a Slow Current. Taking the straightening of the Upper Rhine as my starting point, I explore the distorted relationship between us humans, water, and other bodies of water. When Macfarlane writes “mentally compartmentalized,” how are we then connected to rivers? This and other questions, such as: What did the Rhine look like before it was straightened? What are the consequences of straightening a river? Is it possible to view a river as a legal entity? How are we connected to other bodies of water? What defines a body of water? How can I critically engage with a place and its history? The project collects and curates various texts and images from the fields of art, biology, geology, and philosophy and attempts to address the questions raised. Creating a physical publication has allowed me to critically engage with the topic through informed material and design choices. Like Sediment in a Slow Current is intended to encourage readers to challenge their own position and that of the Rhine within our society and the interwoven web of nature.
Ausgehend von einem ehemaligen Militärstützpunkt untersucht die Arbeit „How (We) Remember“ die Prozesse, durch die Erinnerungen materielle Gestalt annehmen. Inwieweit verkörpern Artefakte, Denkmäler und andere Objekte Erinnerungen? Was sind die zentralen Bedingungen und Voraussetzungen einer Erinnerung? Welche Rolle spielen dabei Politik, „Zeitgeist“ und die Verantwortung jedes Einzelnen?
Die Ausstellung visualisiert und reflektiert meine persönliche Perspektive auf eine Erinnerung an die militärhistorische Vergangenheit der Hornisgrinde im nördlichen Schwarzwald. Dabei setzt sich die Installation materiell mit der Flüchtigkeit und Aura menschlicher Erinnerungsprozesse auseinander und untersucht die Sichtbarkeit der Vergangenheit im öffentlichen und privaten Raum.
Beschreibung (en)
Taking a former military base as its starting point, the work “How (We) Remember” explores the processes through which memories take material form. To what extent do artifacts, monuments, and other objects embody memories? What are the central conditions and requirements of a memory? What role do politics, “Zeitgeist” and each individual’s responsibility play in this?
The series of artworks visualizes and reflects my personal perspective on a memory of the Hornisgrinde’s military-historical past in the northern Black Forest. In doing so, the installation materially addresses the fleeting and auratic nature of human memo- ry processes and examines the visibility of the past in public and private spaces.
Die durch einen räumlichen Audiowalk ergänzte Installation untersucht die Beziehung zwischen Menschen und Städten aus der Perspektive der Zeit. Sie erforscht, wie sich beide kontinuierlich verändern und wie sich die Zeitlinien von Individuen und Städten gelegentlich überschneiden, bevor sie sich wieder voneinander entfernen.
Die Ausstellung stellt zwei parallele Erzählungen gegenüber: die Veränderung einer Stadt und die persönlichen Geschichten von Menschen, die sich durch verschiedene Lebensphasen entfalten. Diese beiden Ebenen werden sowohl räumlich als auch klanglich erfahrbar.
Durch Interviews, persönliche Fotografien, Archivfotografien, Tonaufnahmen und transparente räumliche Schichten bewegt sich die Besucherin bzw. der Besucher gleichzeitig durch die Geschichte einer Stadt und den Lebensweg eines Menschen und erlebt dabei, wie Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft kontinuierlich ineinander übergehen. Matthias Mansens Holzschnittserie Potsdamer Strasse erscheint als konkretes Beispiel für diese Beziehung: Sie bewahrt einen einzelnen Moment der Begegnung zwischen einem Künstler und einer sich ständig verändernden Stadt.
The installation, complemented by a spatial audio walk. Explores the relationship between people and cities from the perspective of time.
It examines how both are constantly changing, and how the timelines of individuals and cities occasionally intersect before moving apart again. The exhibition presents two parallel narratives: the transformation of a city and the personal stories of individuals unfolding through different stages of life. These two dimensions are experienced through both space and sound. Through interviews, personal photographs, archival photographs, sound, and transparent spatial layers, visitors move simultaneously through the history of a city and the trajectory of a human life, experiencing how past, present, and future continuously merge into one another.
Matthias Mansen’s Potsdamer Strasse woodcut series serves as a concrete example of this relationship, preserving a single moment of encounter between an artist and a constantly changing city.