Schälfurnier ist eine der wenigen Holzgewinnungsmethoden,
die sich an der natürlichen, runden Form des
Baumes orientiert. Ein zuvor entasteter und gedämpfter
Stamm rotiert horizontal gegen eine lange Klinge
ähnlich einem Spitzer für Stifte.
Dabei entsteht eine kontinuierliche Bahn aus Holz.
Da keine klassische Sägemechanik zum Einsatz
kommt, fällt kaum Staub an und es entsteht nahezu
kein Materialverlust durch Sägeschnitte. Durch das rota torische
Arbeiten am runden Stamm ist der Materialertrag
besonders effizient. Im Vergleich zum Aufsä gen
eines Stammes im Sägewerk bei dem ein runder
Stamm in eckige Massivholzteile zerlegt wird
liegt der Ertrag etwa 30–40 % höher.
Furnier wird meist dekorativ eingesetzt, um Oberflächen
aufzuwerten. Eine tragende Rolle erhält es vor
allem in sperrverleimten Schichtwerkstoffen, in de nen
es im Verbund überraschende Stabilität und gestalterische
Flexibilität entwickelt.
Durch kleine Interventionen im Produktionsprozess
lässt sich das Furnier nicht nur als einzelne Blätter,
sondern als kontinuierliche Rolle mit definiertem Maß
entnehmen. Diese Rolle bildet den Ausgangspunkt
und Rohstoff für eine Möbel-Kleinserie.
Die Serie „2.5“ untersucht die strukturellen Möglichkeiten
dieses Materials durch eine Neuinterpretation
klassischer Verarbeitungsmethoden.
2.5.H1
Ein Hocker mit zweifach gekrümmter Sitzschale aus
form verleimtem Furnier. Ein extrudierter Kantenanleimer
setzt sich spiralförmig im Inneren fort und bildet
eine tragende Struktur. Die durch die Geometrie der
Sitzschale entstehende Schattenfuge zum Boden legt
zugleich die textile Erscheinung der natürlichen Verwerfungen
offen, die im Furnier während des Trocknungsprozesses
entstehen.
2.5.R1
Ein Wandregalsystem, das die Kontinuität der Furnierrolle
nutzt, die durch ihr frühzeitiges Entnehmen im
Produktionsprozess möglich wird. Eine dünne Sperrschicht stabiisiert
die Faserstruktur und nimmt Zugkräfte
auf die sie zu den frei Plazierbaren Klemmträgern leitett. So bleibt eine
minimale Materialstärke bei maximaler Flexibilität
erhalten. Frei platzierbare Regalträger ermöglichen eine
spielerische Gestaltungsfreiheit und erzeugen ein
leichtes, dennoch tragfähiges Regalsystem mit geringem
Materialeinsatz.
2.5.R2
Ein Wandregal, das die Querfasern des Furniers entlang
der kurzen Seite nutzt. Was zunächst wie eine Schwäche
erscheint, ermöglicht durch die Sicherung der Kanten
eine hohe Stabilität bei sehr geringer Materialstärke.
Die Fixierung erfolgt ausschließlich entlang der Wandseite.
Natürliche Verwerfungen im Material erzeugen
dabei eine spannungsreiche Interaktion zwischen den
Furnierschichten und eine ausdrucksstarke Stirnseite.
2.5.S1
Der Sessel verbindet Formverleimung mit Prinzipien des
Kassettenbaus. Querfaseriges Furnier leitet Kräfte
direkt zu zwei tragenden Längsfriesen. An besonders
belasteten Stellen verdoppelt sich das Material, ohne
zwingend verklebt zu werden. Windungen unter der Sitzfläche
legen die Konstruktion offen. Starre Verbindungen
entstehen nur dort, wo sie notwendig sind, sodass
die Flexibilität des Materials vollständig genutzt wird
und Komfort sowie eine natürliche Dämpfung entstehen.
Rotary-cut veneer is one of the few methods of wood processing that follows the tree’s natural, cylindrical form. A debarked and steamed log rotates horizontally against a long blade, much like a pencil being sharpened. This process produces a continuous sheet of wood.
Because no conventional sawing is involved, very little dust is generated and material loss through saw kerfs is virtually eliminated. By working directly with the round log, the process achieves a particularly high material yield. Compared to sawing a log into rectangular timber sections in a sawmill—where a cylindrical trunk is converted into square lumber—the yield is approximately 30–40% higher.
Veneer is most commonly used as a decorative surface material. Its structural potential is typically realized in engineered wood products such as plywood and laminated composites, where thin layers of veneer combine to create remarkable strength and design flexibility.
With minor interventions in the production process, veneer can be extracted not only as individual sheets but also as a continuous roll of defined dimensions. This roll becomes both the starting point and the raw material for a small furniture collection.
The 2.5 series explores the structural possibilities of rotary-cut veneer through a reinterpretation of traditional manufacturing techniques.
2.5.H1
A stool featuring a doubly curved seat shell made from molded veneer. An extruded edge band continues in a spiral within the interior, forming the load-bearing structure. The shadow gap created between the seat shell and the floor reveals the textile-like appearance of the natural distortions that develop in the veneer during the drying process.
2.5.R1
A wall-mounted shelving system that takes advantage of the continuity of the veneer roll, made possible by removing the material early in the production process. A thin backing layer stabilizes the fibre structure and absorbs tensile forces, transferring them to freely positionable clamping supports. This allows for minimal material thickness while maintaining maximum flexibility.
The movable supports enable playful customization and create a lightweight yet load-bearing shelving system with a minimal use of material.
2.5.R2
A wall shelf that exploits the cross-grain properties of veneer along its shorter dimension. What initially appears to be a weakness becomes a source of strength: by reinforcing the edges, high stability can be achieved despite the extremely thin material.
The shelf is fixed exclusively along the wall side. Natural deformations within the material create a dynamic interaction between the veneer layers and result in a distinctive and expressive edge profile.
2.5.S1
This lounge chair combines molded veneer construction with principles derived from box-beam structures. Cross-grain veneer transfers loads directly to two longitudinal structural rails. In highly stressed areas, the material doubles in thickness without necessarily being bonded, allowing the construction to remain efficient and adaptable.
The layered folds beneath the seat expose the structural logic of the piece. Rigid connections are used only where structurally required, allowing the material’s inherent flexibility to be fully utilized. The result is a chair that offers comfort, natural damping, and an honest expression of its construction.
In dieser interdisziplinären Arbeit wird der schleichende Prozess der Selbstkontrolle als Reaktion auf äußere Störungen untersucht. Ausgangspunkt ist die Angst, einen Fehler zu begehen, die nicht mit einem sichtbaren Eingriff beginnt, sondern sich langsam in das Bewegungsrepertoire des Körpers einschreibt, bis sie schließlich zum Stillstand führt.
Die Performance wird aus mehreren Perspektiven gefilmt. Diese Aufnahmen aus verschiedenen Blickachsen eines überwachenden Apparats, werden in der Installation projiziert.
Beschreibung (en)
This interdisciplinary work examines the creeping process of self-control as a response to external disturbances. The starting point is the fear of making a mistake, which does not begin with a visible intervention, but slowly inscribes itself into the body's repertoire of movements until it finally leads to a standstill.
The performance is filmed from several perspectives. These recordings from different viewing angles of a surveillance device are projected in the installation.
Die Statue „Herkules Farnese“ war sowohl in der Antike als auch während der Renaissance und des Barock eine der bekanntesten Ikonen. Der eigentlich unbesiegbare Held stützt sich erschöpft auf seine Keule und versteckt hinter seinem Rücken fast kindlich drei goldene Früchte. Laut der mythologischen Erzählung steht Herkules zu diesem Zeitpunkt kurz vor dem Ende der ihm auferlegten Aufgabenreihe, die ihm seinen rechtmäßigen Platz im Olymp verspricht. Die goldenen Früchte aus der Erzählung symbolisieren Fruchtbarkeit, Unsterblichkeit und Macht. Ursprünglich wurden sie als Äpfel interpretiert, sobald Zitrusfrüchte auf den europäischen Markt kamen, wurden aus ihnen Zitronen, Pomeranzen oder Orangen.
Mit dem stilisierten Aufleben der griechischen Antike zur Zeit der Renaissance gewann auch der „Herkules Farnese“ stärker an Bedeutung und wurde von vielen Adligen in ihren neu errichteten Gartenanlagen erst im Stil italienischer und später im Barock im Stil französischer Gärten verarbeitet sowie reproduziert. Orangerien, die zu den meisten barocken Gärten gehörten, wurden als Sammlungs- und Ausstellungsort der erworbenen Gewächse erbaut. August der Starke lies sich beispielsweise auf dem Dach seiner Orangerie als Herkules, der das Himmelsgewölbe trägt, darstellen.
Die barocken Gärten zeichnen sich besonders dadurch aus, dass die Architektur des Schloss oder Palast immer gemeinsam mit der künstlichen Landschaft entworfen wird. In Karlsruhe wurde allerdings nicht nur die Parkanlage im Gedanken des Absolutismus passend als Fortführung des Schloss gebaut, sondern auch durch die Stadtgründung 1715 die gesamte Stadtplanung dieser Ideologie folgend angelegt. Das Schloss und auch die langen Alleen, die Blickachsen auf das historische Machtzentrum erzeugen, existieren heute noch. Der Garten ist, wie fast alle anderen Anlagen im französischen Stil, relativ zügig nach der Erbauung in einen englischen Landschaftsgarten umgeplant worden.
Die Spuren der ursprüngliche Anlage sind in der Linolschnittserie mit einem Motiv basierend auf einem Bepflanzungsplan des Karlsruher Barockgartens sichtbar und ziehen die Besucher:innen der Installation von einer Metallplatte, die über die historischen Zusammenhänge der Arbeit aufklärt, in das Teehaus, den letzten Überrest des Barockgartens. Im Inneren des Pavillons steht eine Gedenkstätte für Karl, Barockgärten und die vergangenen Zeit, für die diese Männer zu Symbolfiguren wurden.
The ‘Hercules Farnese’ statue was one of the most famous icons in antiquity as well as during the Renaissance and Baroque periods. The actually invincible hero leans exhaustedly on his club and hides three golden fruits behind his back in an almost childlike manner. According to the mythological tale, at this point Hercules is about to complete the series of tasks imposed on him, which promises him his rightful place in Olympus. The golden fruits in the story symbolise fertility, immortality and power. Originally they were interpreted as apples, but as soon as citrus fruits came onto the European market, they became lemons, bitter orange or oranges.
With the stylised revival of Greek antiquity during the Renaissance, the ‘Hercules Farnese’ also became more important and was used and reproduced by many aristocrats in their newly built gardens, first in the style of Italian gardens and later in the Baroque period in the style of French gardens. Orangeries, which were part of most Baroque gardens, were built as a place to collect and display the plants acquired. Augustus the Strong, for example, had himself depicted on the roof of his orangery as Hercules carrying the vault of heaven.
Baroque gardens are particularly characterised by the fact that the architecture of the castle or palace is always designed together with the artificial landscape. In Karlsruhe, however, not only was the park built in the spirit of absolutism as a continuation of the palace, but the entire urban planning was also designed in line with this ideology when the city was founded in 1715. The palace and the long avenues, which create lines of sight to the historic centre of power, still exist today. Like almost all other French-style gardens, the garden was converted into an English landscape garden relatively quickly after its construction.
The traces of the original layout are visible in the linocut series with a motif based on a planting plan of the Karlsruhe Baroque garden and draw visitors to the installation from a metal plate, which explains the historical context of the work, into the tea house, the last remnant of the Baroque garden. Inside the pavilion is a memorial to Karl, baroque gardens and the bygone era for which these men became symbolic figures.
"Disparate Precedents of Display" untersucht die Art und Weise, wie der Raum auf die Besucher wirkt, und stellt Ausstellungsdesign als eine genuin politische Praxis dar, die auf der Vergangenheit aufbaut und von ihr erbt - von vergangenen Ausstellungen, einflussreichen Ausstellungsgestalter*innen und Konventionen der Präsentation, die in unterschiedlichen politischen Systemen wurzeln.
Zwei Ausstellungen, die vom deutschen Staat in Auftrag gegeben wurden, dienen als Fallstudien. "Gebt mir vier Jahre Zeit" war eine nationalsozialistische Propagandaschau, die 1937 in Berlin stattfand. Sie feierte die Umgestaltung aller Bereiche der Gesellschaft unter der nationalsozialistischen Herrschaft seit der Umsetzung von Adolf Hitlers Vierjahresplan. Einundzwanzig Jahre später beauftragte die Bundesrepublik Deutschland denselben Architekten mit der Gestaltung des deutschen Pavillons auf der Expo '58 in Brüssel. Auf der Weltausstellung hatte der junge Nachfolgestaat zum ersten Mal die Gelegenheit, die kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Parameter des nunmehr demokratischen Deutschlands auf internationaler Ebene zu präsentieren. Beide Ausstellungen lassen sich als Repräsentationen staatlicher Macht und politischer Narrative beschreiben - die eine im Namen des Krieges, die andere im Namen der Humanität. Maßgeblich beteiligt an beiden Ausstellungen war Egon Eiermann als Ausstellungsarchitekt.
Performance: Anna K. Seidel
Outside Eye: Caroline Kapp, Manon Haase
Graphikdesign: Mona Mayer
Single line font EE_7475: Barbara Acevedo Strange, Moritz Appich
Coding: Frank Bublitz
Stimme: Liv Rahel Schwenk
Aufzeichnung: Florian Wulff
Video Dokumentation: Mustafa Emin Büyükcoşkun
Photographien: Lizzy Ellbrück
Editorial support: Joyce Moore
Copyediting: George MacBeth
Special Thanks to
Céline Condorelli, Hanne König, Sami Khatib, Lioudmila Voropai,
Julian Warner, Thomas Rustemeyer, Constanze Fischbeck,
Susanne Kriemann, Hans D. Christ und Iris Dressler, Judith Milz,
Christian Becker (Stadtarchiv Oranienburg), Mechthild Ebert (saai),
Janina Capelle, Lydia Kähny, Daniel Lythgoe, Tjark Schönfeld,
Alexander Knoppik, Lena Breitmoser, Sören Göbel, Jule Köpke, Arthur Schuman,
Jana Barthel and Danny Klein.
Gefördert von
Fonds Darstellende Künste (Rechercheförderung)
Rosa Luxemburg Stiftung Baden Württemberg
"Disparate Precedents of Display" looks at the way space affects visitors, exposing exhibition design as a genuinely political practice, building on and inheriting from the past – from past exhibitions, influential exhibition designers and conventions of display rooted in disparate political systems.
Two exhibitions, commissioned by the German state, serve as case studies. “Gebt mir vier Jahre Zeit” was a National Socialist propaganda show staged in Berlin in 1937. It celebrated the transformation of all sectors of society under National Socialist rule since the implementation of Adolf Hitlers 4-year-plan. Twenty-one years later, the Federal Republic of Germany commissioned the same architect to design the German Pavilion at the Expo ‘58 in Brussels. At the World‘s Fair the young successor state had its first opportunity to present the cultural, economic and political parameters of a now democratic Germany on an international scale. Both shows can be described as representations of state power and political narratives – one in the name of war and one in the name of humanity. Significant contributor to both exhibitions was Egon Eiermann in his role as exhibition architect.
Performance: Anna K. Seidel
Outside Eye: Caroline Kapp, Manon Haase
Graphic Design: Mona Mayer
Single line font EE_7475: Barbara Acevedo Strange, Moritz Appich
Coding: Frank Bublitz
Voice: Liv Rahel Schwenk
Recording: Florian Wulff
Video documentation: Mustafa Emin Büyükcoşkun
Photography: Lizzy Ellbrück
Editorial support: Joyce Moore
Copyediting: George MacBeth
Special Thanks to
Céline Condorelli, Hanne König, Sami Khatib, Lioudmila Voropai,
Julian Warner, Thomas Rustemeyer, Constanze Fischbeck,
Susanne Kriemann, Hans D. Christ und Iris Dressler, Judith Milz,
Christian Becker (Stadtarchiv Oranienburg), Mechthild Ebert (saai),
Janina Capelle, Lydia Kähny, Daniel Lythgoe, Tjark Schönfeld,
Alexander Knoppik, Lena Breitmoser, Sören Göbel, Jule Köpke, Arthur Schuman,
Jana Barthel and Danny Klein.
Funded by
Fonds Darstellende Künste (Rechercheförderung)
Rosa Luxemburg Stiftung Baden Württemberg