Die durch einen räumlichen Audiowalk ergänzte Installation untersucht die Beziehung zwischen Menschen und Städten aus der Perspektive der Zeit. Sie erforscht, wie sich beide kontinuierlich verändern und wie sich die Zeitlinien von Individuen und Städten gelegentlich überschneiden, bevor sie sich wieder voneinander entfernen.
Die Ausstellung stellt zwei parallele Erzählungen gegenüber: die Veränderung einer Stadt und die persönlichen Geschichten von Menschen, die sich durch verschiedene Lebensphasen entfalten. Diese beiden Ebenen werden sowohl räumlich als auch klanglich erfahrbar.
Durch Interviews, persönliche Fotografien, Archivfotografien, Tonaufnahmen und transparente räumliche Schichten bewegt sich die Besucherin bzw. der Besucher gleichzeitig durch die Geschichte einer Stadt und den Lebensweg eines Menschen und erlebt dabei, wie Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft kontinuierlich ineinander übergehen. Matthias Mansens Holzschnittserie Potsdamer Strasse erscheint als konkretes Beispiel für diese Beziehung: Sie bewahrt einen einzelnen Moment der Begegnung zwischen einem Künstler und einer sich ständig verändernden Stadt.
The installation, complemented by a spatial audio walk. Explores the relationship between people and cities from the perspective of time.
It examines how both are constantly changing, and how the timelines of individuals and cities occasionally intersect before moving apart again. The exhibition presents two parallel narratives: the transformation of a city and the personal stories of individuals unfolding through different stages of life. These two dimensions are experienced through both space and sound. Through interviews, personal photographs, archival photographs, sound, and transparent spatial layers, visitors move simultaneously through the history of a city and the trajectory of a human life, experiencing how past, present, and future continuously merge into one another.
Matthias Mansen’s Potsdamer Strasse woodcut series serves as a concrete example of this relationship, preserving a single moment of encounter between an artist and a constantly changing city.
„Rote Saat“ ist eine installative Arbeit, die sich mit dem Verschwinden traditioneller Nutzpflanzen in Deutschland und der Bedeutung von Saatgutbanken als lebendige Archive auseinandersetzt. Ausgangspunkt ist die Beobachtung eines drastischen Rückgangs der Sortenvielfalt seit dem 20. Jahrhundert, bedingt durch industrielle Landwirtschaft, gesetzliche Regulierungen und die Konzentration auf wenige Hochleistungssorten. Viele regional angepasste Landsorten erfüllen heutige Zulassungskriterien nicht mehr und sind dadurch aus dem Anbau verschwunden. Die Arbeit nimmt diese Entwicklung zum Anlass, um Prozesse der Erhaltung und Weitergabe von Saatgut sichtbar und erfahrbar zu machen.
Sie entstand im Kontext einer künstlerischen Recherche zu agrarökologischen Praktiken, Saatgutpolitik und kollektiven Formen der Wissensweitergabe. Ausgangspunkt war die Zusammenarbeit mit lokalen Initiativen in Karlsruhe, insbesondere der Solidarischen Landwirtschaft KArotte, dem Sozialen Garten (afka) sowie der Genbank für Wildpflanzen für Ernährung und Landwirtschaft (WEL).
Im Mittelpunkt steht eine 8-Kanal-Soundinstallation, die den Übergang vom Winter zum Frühling auf den Feldern der Solidarischen Landwirtschaft dokumentiert. Die Komposition verbindet Umgebungsgeräusche der Jahreszeiten mit Arbeitsgeräuschen auf dem Feld und der Saatgutaufbereitung: das Umgraben der Erde, das Sieben und Reinigen der Samen, das Abdecken der Beete. Die Konzentration auf kleinste Handgriffe lenkt die Aufmerksamkeit auf die oft unsichtbaren Praktiken, die für den Erhalt von Saatgut notwendig sind.
Ergänzt wird die Soundinstallation durch eine Reihe räumlicher Elemente, die unterschiedliche Formen des Umgangs mit Saatgut aufgreifen. Fünf gefährdete Nutzpflanzensorten aus Baden-Württemberg, die in der Roten Liste geführt werden, sind offen ausgestellt. Sie können berührt, mitgenommen und wieder ausgesät werden.
Auf einem 25 Meter langen Landwirtschaftsnetz werden dokumentarische Videoaufnahmen gezeigt, die die Arbeit von Saatgutbanken und lokalen Initiativen in Karlsruhe in ihren wiederkehrenden Abläufen sichtbar machen.
Ein weiteres Element ist eine Pflanzentransportkiste, die sich formal an den historischen Ward’schen Kasten anlehnt. Dieses im 19. Jahrhundert entwickelte Transportmittel ermöglichte den globalen Austausch von Pflanzen unter kontrollierten Bedingungen und war eng mit kolonialen Handelsstrukturen verknüpft. In der Installation dient der Kasten als Display für die Geschichte der Alb-Linse, einer regionalen Sorte von der Schwäbischen Alb, die lange als verschollen galt und erst durch eine Saatgutbank in Sankt Petersburg wiederentdeckt wurde. Die Arbeit stellt damit lokale landwirtschaftliche Praktiken in einen größeren politischen Zusammenhang und zeigt, dass pflanzliche Vielfalt nur durch gemeinsames Handeln erhalten bleibt.
Eine Feldstudie zur einzigen existierenden Geschlechtersprache (NVSHU - Nüshu). Mithilfe von Multimedia-Materialien konzentrierte ich mich auf die Geschichte, die sich im vergangenen Sommer zwischen mir und dem letzten Naturforscher ereignete, und dokumentierte sie. Die Papierarbeiten und Installationen drücken gleichzeitig meine eigenen Reflexionen über dieses kulturelle Phänomen aus.
Beschreibung (en)
A field exploration of the only existing gender language (NVSHU - Nüshu). Using multimedia materials, I focused on and documented the story that happened between me and the last naturalist last summer. The paper art and installation works simultaneously express my own reflections on this cultural phenomenon.
„DORMIVEGLIA“ ist ein fortlaufendes Archiv zum Thema Schlaf, Ruhe und Regeneration, das Stimmen, Praktiken und künstlerische Beiträge sammelt. Für den Diplomtag wurde daraus eine immersive Traumlandschaft entwickelt: ein Raum mit Liegeflächen aus Audio-Schaumstoff, olfaktorischen Duftkomponenten, amber-rötlichem Licht sowie einer Soundarbeit in Kooperation mit der sri-lankischen Musiker:innengruppe Bilala. Die Arbeit versteht Schlaf als kollektive, politische Praxis und eröffnet einen Ort des Innehaltens, der gemeinsamen Erschöpfung und des Dazwischen-Seins.
Beschreibung (en)
“DORMIVEGLIA” is an ongoing archive dedicated to sleep, rest, and regeneration, gathering voices, practices, and artistic contributions. For the diploma presentation, it was transformed into an immersive dreamscape: a space with reclining surfaces made of acoustic foam, olfactory scent components, amber-red light, and a sound piece created in collaboration with the Sri Lankan music collective Bilala. The work understands sleep as a collective and political practice, offering a space for pause, shared exhaustion, and states of in-between.
Die fiktive Teleshopping-Show “1.2b.TV” untersucht popkulturelle Codes, neoliberale Selbstinszenierungen und den Zwang zur Einzigartigkeit in unserer Gesellschaft. Präsentiert werden fünf Produkte in Form von fünf Puppen im Barbieformat.
IDoll BOSS BABE EFFECT
If I’m a Boss Babe everything I touch becomes pure independence & financial freedom.
IDoll LEO GIRL EFFEKT
If I’m a Leo everything I touch becomes roaring golden confidence and self love.
IDoll CUNT EFFEKT
If I'm a Cunt everything I touch becomes pure pleasure.
IDoll WIFEY EFFEKT
If I'm a Wifey everything I touch becomes a sign of care.
IDoll EDGY ONE EFFEKT
If I‘m an Edgy One everything I touch becomes a question to the normative order.
Die Kits enthalten Outfits, Accessoires und Motto-Sprüche, die die performative Konstruktion dieser Rollen greifbar machen. In Erscheinung von Erika Mustermann verkörpert die Moderatorin in einer endlosen Repetition die Rollen der IDolls. Als „Töchter“ und Nachfolgerinnen von Erika Mustermann tragen sie ihre Privilegien weiter und machen diese zur Grundlage ihrer eigenen Existenz.
Die Show nutzt satirische Überzeichnung, um den heutigen Individualismuskult kritisch zu reflektieren, der permanente Identitätsarbeit fordert. Sie beleuchtet die Widersprüche dieses Systems aus feministischer Perspektive und fragt, welche Normen, Rollenbilder und Erwartungen unser Verständnis von weiblicher* Identität prägen und einschränken.
The fictional teleshopping show “1.2b.TV” explores neoliberal self-promotion, pop culture codes and the societal pressure to be unique. Five products are presented in the form of Barbie-sized dolls:
IDoll – BOSS BABE EFFECT
If I'm a Boss Babe, everything I touch becomes pure independence and financial freedom.
IDoll – LEO GIRL EFFECT
If I'm a Leo, everything I touch becomes roaring golden confidence and self-love.
IDoll – CUNT EFFECT
If I'm a Cunt, everything I touch becomes pure pleasure.
IDoll – WIFEY EFFECT
If I'm a Wifey, everything I touch becomes a sign of care.
IDoll – EDGY ONE EFFECT
If I'm an Edgy One, everything I touch becomes a question to the normative order.
The kits contain outfits, accessories, and slogans that make the performative construction of these roles tangible. Appearing as Erika Mustermann, the presenter endlessly embodies the roles of the IDOLLS. As Erika Mustermann’s “daughters” and successors, they carry forward her privileges and make them the very foundation of their own existence.
Through satirical exaggeration, the show critically reflects on today’s “cult of individualism”, which demands constant identity work. It highlights the contradictions of this system from a feminist perspective and asks which norms, role models, and expectations shape and limit our understanding of female* identity.
AMBASSADORS ist eine installative Sammlung, bestehend aus 120 Stofftieren, die das Verhältnis der Konzepte vom Natürlichen und Künstlichen anhand des Eisbären in menschlicher Gefangenschaft beleuchtet. Im Kampf um die Klimakrise ist der Eisbär zum Symbolbild der zu schützenden Natur geworden und hat sich als solches zum Repräsentanten in das kollektive Gedächtnis eingebrannt. KI-generierte Bilder, von denen jeweils 10 eine der 12 Geschichten in der Installation visualisieren, wurden einzeln auf die Rücken der 120 Stofftiere übertragen und gemeinsam in ein immersives Wimmelbild verwoben. So werden die Stofftiere in der Installation zu Botschaftern einer künstlichen Population und verlängern damit, ohne Lebewesen Leid zuzufügen, die Ketten an Abbildungen von Abbildungen von etwas, das mal natürlich war.
Beschreibung (en)
Ambassadors is an installation consisting of 120 stuffed animals that explores the relation between the natural and the artificial through the lens of the polar bear in human captivity. In the fight against the climate crisis, polar bears haves become a symbolic image of nature in need of protection—an image that has etched itself into the collective memory. Each set of ten AI-generated images represents one of the twelve stories depicted in the installation. These images were transferred individually onto the backs of the 120 stuffed animals and collectively woven into an immersive Wimmelbild. In this way, the stuffed animals once again become ambassadors of an artificial population—extending the chain of representations of representations of something that once was natural, without causing harm to living beings.
"Erikas Töchter" untersucht anhand der fiktiven Figur Erika Mustermann Perspektiven auf die weibliche* Identitätsbildung in Deutschland. Seit 1987 existiert Erika als Musteridentität in amtlichen Dokumenten - weiß, blond, blau- oder grünäugig. Als ein lächelnder Anachronismus geistert sie, erschreckend unkommentiert, durch die Bürokratielandschaft Deutschlands. Ihre durchdringende Augen blicken uns alle aufmerksam an, die Mundwinkel deuten ein neutrales Lächeln an. Doch je länger man sie betrachtet, desto schwerer wiegt ihr Blick: normierend, klassifizierend und ausschließend.
Die Arbeit übersetzt diese fiktive Identität in ein irritierendes Szenario, das zwischen Gartenfest, Ausstellung, Performance und Büroalltag changiert. Im Zentrum stehen zwei Ebenen: Zum einen die Präsentation der IDOLLs, einer Serie neuer weiblicher Musteridentitäten, die im Format einer Teleshopping-Show als innovative Lösung zeitgenössischer Identitätsprobleme vermarktet werden. Zum anderen der Blick in Erikas Büroalltag. Umgeben von Plastik-Buchsbaumbüschen, Teppichboden und generischen Büromöbeln ist sie gefangen im Moment des Fotos und der Reproduktion ihres Gesichtes.
“Erikas Töchter” explores perspectives on female* identity formation in Germany through the fictional figure of Erika Mustermann. Since 1987, Erika has served as the standard identity in official documents – white, blonde, blue- or green-eyed. As a smiling anachronism, she continues to haunt Germany’s bureaucratic landscape. Erika’s eyes look directly at the viewer, the corners of her mouth suggesting a neutral smile. Yet the longer she gazes at you, the more insistent her expression becomes: classifying and excluding
The work translates this fictional identity into a scenario that shifts between garden party, exhibition, performance, and office routine. At its center are two layers: on the one hand, the presentation of the IDOLLs – a series of new female standard identities, presented in the style of a teleshopping show, offering an innovative approach to contemporary issues of identity; on the other hand, a glimpse into Erika’s everyday office life. Surrounded by plastic boxwood shrubs, carpeting, and generic office furniture, she remains trapped in the moment of the photograph and the endless reproduction of her own face.
„The Violent Container“ konzentriert sich auf das kulturelle Phänomen des Käfigs und das Einsperren als Praxis, um Objekte oder Körper einzuschließen, zu kategorisieren, einzuschränken und sich anzueignen – sowie als Mittel, um sie zu sammeln, zu schätzen, zu bewahren und zu schützen.
Das Projekt umfasst eine Ausstellung und eine Publikation, die die verschiedenen Eigenschaften und Funktionen der sich wandelnden Formen des Käfigs untersuchen und dabei erforschen, wie Käfige nicht nur die Verwaltung lebender oder toter Körper und Objekte ermöglichen, sondern auch die Art und Weise bestimmen, wie wir sie wahrnehmen.
Beschreibung (en)
"The Violent Container" focuses on the cultural phenomenon of the cage, and caging as a practice to contain, categorise, restrict, and appropriate objects or bodies – as well as a tool to collect, treasure, preserve, and protect them.
The project comprises an exhibition and a publication that examine the various properties and functions of the cage’s shifting forms, exploring how cages not only enable the administration of living or dead bodies and objects, but also govern the ways in which we perceive them.
Well, don’t you do Wellness? untersucht Wellness im Spannungsfeld zwischen Wohlbefinden, Selbstoptimierung und Widerstand. Die Arbeit hinterfragt gesellschaftlich erlernte Vorstellungen von Gesundheit und Leistungsfähigkeit aus feministischer Perspektive. Dabei verbinden sich Bezüge zu historischen Badekulturen und Quilting als feministischer Handarbeitstechnik mit Schreien als spekulativer Methode im Kontrast zu gängigen Wellness-Trends. Folgende Formate und Arbeiten sind Teil des Projekts:
○ Public Screaming zur Bundestagswahl am 23.02.2025
öffentliches, kollektives Schreien zur ersten Hochrechnung um 18:00 Uhr auf dem Mount Klotz, Günther Klotz Anlage
○ Scream Your Heart Out, Workshop mit Andrzej Profus, 07.05.2025 ZKM Pavillion
Screaming-Workshop, organisiert in Kooperation mit Betty Potemkin und Edona Ibrahimi.
○ auch meine Zunge, die ich rausstrecke, ist rot, videodokumentierte Performance
Während der 60 minütigen Performance sehen wir drei Scream Queens auf der Suche nach der optimalen Auszeit, der maximalen Entladung. Sie weihen als professionelle Schreier*innen einen Berg im Karlsruher Naherholungsgebiet als Mount Scream ein und eröffnen damit eine neue Phase der innerstädtischen Naherholung.
○ morning Session, Lecture Performance, 06.06.2025 Günther Klotz Anlage
Eine Einladung zu einer Lesung über Wellness, Baderituale und quilting auf einem roten Quilt aus ausrangierten, rot gefärbten Handtüchern. Beginn und Ende wird durch den Klang eines keramischen Zungengongs markiert.
○ Scream Queen Couture, Ausstellung, CU Karlsruhe 06.- 08.06.2025
Die dreitägige Ausstellung thematisiert Schreien als Gegenentwurf zu gängigen Wellness-Trends und lädt Besucher*innen dazu ein, sich durch das Ausleihen von Scream Queen Outfits, keramischen Schreirohren und Schreianleitungen selbst in Scream Queens zu verwandeln und Schreien im öffentlichen Raum als mögliche Form von Wellness zu erproben.
'Well, don't you do wellness?' examines wellness in the context of well-being, self-optimisation, and resistance. Consisting of several parts, the work questions socially learned ideas about health and productivity with a feminist approach. References to historical bathing cultures are combined with quilting as a feminist and activist handcraft technique, while screaming is tested as a speculative wellness method.
○ Public Screaming for the federal election on 23 February 2025
public, collective screaming at the first projection at 6 p.m. on Mount Klotz, Günther Klotz Anlage
○ Scream Your Heart Out, Screaming workshop by Andrzej Profus, 7 May 2025, ZKM Pavilion
organised in cooperation with Betty Potemkin and Edona Ibrahimi.
○ auch meine Zunge, die ich rausstrecke, ist rot video-documented performance
During the 60-minute performance, three scream queens seek the optimal time-out and maximum release. As professional screamers, they inaugurate Mount Scream in Karlsruhe's local recreation area, thus opening a new phase of urban recreation.
○ Scream Queen Couture exhibition, CU Karlsruhe, 6th - 8th May 2025
This three-day exhibition explores screaming as an alternative to current wellness trends. Visitors are invited to become Scream Queens by borrowing outfits, screaming tubes and instructions. They can also experience screaming in public spaces as a potential wellness practice.