In einer Bar, in der Innenstadt von Karlsruhe, trifft das Publikum auf ein tourendes Trio mit einer sonderbaren Geschichte: Es war einmal ein Nachtfalter, der lebte im Dschungel des brasilianischen Amazonas. Dieser Falter trug den Namen Gorgone macarea und hatte eine Angewohnheit, die für ein Lebewesen auf der Erde recht eigensinnig erschien. Gorgone macarea trank die Tränen schlafender Vögel. Für ihn: eine sichere Nahrungsquelle in unsicheren Zeiten. Da also Gorgone macareas Lebensraum sich immer mehr veränderte und auch die Vögel nach und nach wegzogen, machte der Falter sich auf, um andere Tränen zu suchen. Dabei kam ihm zu Ohren, dass der Mensch ganz besondere Tränen vergießt, wie kein anderes Lebewesen auf der Erde: Emotionale Tränen.
Und so entschloss sich der Nachtfalter, die Menschen einzuladen, um ihre Tränen mit ihm zu teilen.
Seither touren der Nachtfalter und seine zwei Kompliz*innen Sadgirl und Fluss von Bar zu Bar und lassen für einen Abend das Publikum Teil ihres Universums werden. Ein Universum – in dem Tränen die Hauptzutat des Abends sind und in jedem Cocktail serviert werden.
In a bar in downtown Karlsruhe, the audience encounters a touring trio with a peculiar story: Once upon a time, there was a moth living in the jungles of the Brazilian Amazon. This moth was called Gorgone macarea and had a habit that seemed rather unusual for a creature on Earth. Gorgone macarea drank the tears of sleeping birds. For the moth, it was a reliable source of nourishment in uncertain times. After all, even back then, the Amazon rainforest was considered a so-called tipping element, capable of disrupting the global climate balance. As Gorgone macarea’s habitat changed more and more, and the birds gradually disappeared, the moth set out in search of other tears. Along the way, it heard that humans shed a kind of tear unlike any other creature on Earth: emotional tears.
And so, the moth decided to invite humans to share their tears with it.
Since then, the moth and its two companions, Sadgirl and Fluss, have been touring from bar to bar, drawing the audience into their universe for one night. A universe where tears are the main ingredient of the evening—served in every cocktail.
Bei den ausgestellten Arbeiten handelt es sich ausschließlich um Arbeiten neueren Datums. Bis auf die Arbeit „Treptow“ aus dem Jahr 2002 sind alle Arbeiten in den letzten 10 Monaten entstanden.
In meinen Arbeiten setze ich mich mit dem „Modellieren von Landschaft“ auseinander. Die Skulpturalität oder auch die Landschaftsmodellierung bilden den Mittelpunkt meiner Arbeiten. Die Form und deren illusionistisches Spiel treten dabei immer mehr in den Vordergrund. Ungewöhnliche Blickwinkel lassen den Standpunkt des Betrachters unklar und schaffen eine Unsicherheit über das Abgebildete. Durch eine bestimmte Art der Abbildung der Landschaftsskulpturen verlieren sie ihre ursprüngliche Bedeutung und zeigen oftmals die Absurdität der Handlungsweise des Menschen.
Alle Bilder sind in einem analogen Aufnahmeverfahren mit einer Großbildkamera entstanden. Nur unwesentliche digitale Eingriffe sind nötig, um dem abgebildeten Bildcharakter zu verleihen. Das bewusste Aufsuchen von ungewöhnlichen Orten und Blickwinkeln lässt oftmals die Vermutung einer digitalen Montage zu. „Berge versetzen“ ist eine Metapher sowohl für den plastischen als auch den skulpturalen Umgang mit Landschaft. Das Wegnehmen und Hinzufügen ganzer Berge oder Bergteile stehen stellvertretend für die Mächtigkeit des Eingriffs des Menschen in die Natur.
The exhibited works are all recent. With the exception of the work “Treptow” from 2002, all the works were created in the last 10 months.
In my works I deal with the “modeling of landscape”. Sculpturality or landscape modeling is the focus of my work. The form and its illusionistic play increasingly come to the fore. Unusual perspectives leave the viewer's point of view unclear and create uncertainty about what is depicted. By depicting the landscape sculptures in a certain way, they lose their original meaning and often show the absurdity of human behavior.
All of the pictures were taken using analog photography with a large-format camera. Only insignificant digital interventions are necessary to lend the depicted image character. The deliberate search for unusual locations and angles often leads to the assumption of a digital montage. “Moving mountains” is a metaphor for both the plastic and sculptural treatment of landscape. The removal and addition of entire mountains or parts of mountains are representative of the power of human intervention in nature.
Traditionell zum Ende des Sommersemesters lädt die Staatliche Hochschule für Gestaltung Karlsruhe zum alljährlichen Rundgang durch die Lichthöfe ein und gewährt für ein verlängertes Wochenende einen Blick hinter die Kulissen der Hochschule. Zum Rundgang 2025 unter dem Motto KIOSK, vom 24. bis 27. Juli, werden die Werkstätten, Lichthöfe und Räume der HfG Karlsruhe wieder zur Ausstellungsfläche.
Die große Jahresausstellung zeigt aktuelle Projekte aus allen Studiengängen und Fachgruppen – Kommunikationsdesign, Produktdesign, Medienkunst, Ausstellungsdesign & Szenografie sowie Kunstwissenschaft & Medienphilosophie. In den Lichthöfen der HfG und an weiteren Präsentationsorten in der Hochschule erhalten Besucher:innen Einblicke in rund 100 studentische Arbeiten. Darunter finden sich beispielsweise Performances, Installationen, Videos, Objekte und Texte. Ein begleitendes Veranstaltungsprogramm mit öffentlichen Führungen, Filmvorführungen, Gesprächen und weiteren Formaten, mitgestaltet vom Allgemeinen Studierendenausschuss der Hochschule, bietet über vier Tage hinweg Gelegenheiten zum Austausch mit Studierenden und Lehrenden.
Die HfG zeigt sich beim Rundgang als lebendiger Ort, an dem Kunst, Theorie und Gestaltung in interdisziplinären Projekten zusammenkommen. So entwerfen mit „THE NEST“ beispielsweise drei Studierende aus dem Fachbereich Produktdesign einen lebensgroßen, nestartigen Pavillon aus regionalen, bio-basierten Materialien wie Hanf, Holz und invasiven Pflanzen. Die Installation reflektiert ökologische Wertschöpfungsketten und entsteht in Kooperation mit dem Bio Design Lab, das sich an der HfG auf regenerative Materialien und nachhaltige Gestaltungsansätze spezialisiert.
Studierende aus dem Fachbereich Ausstellungsdesign und Szenografie wiederum präsentieren beispielsweise ein mobiles Bühnenbild, das ein spekulatives Zukunftsszenario für das Jahr 2034 entwirft – mit Blick auf ökologische Kipppunkte, globale Gerechtigkeit und politische Handlungsfähigkeit. Die Arbeit basiert auf dem Roman „Das Ministerium für die Zukunft“ von Kim Stanley Robinson und entsteht in Kooperation mit dem Theater Neumarkt sowie dem Collegium Helveticum Zürich.
Am Eröffnungsabend des Rundgangs, am 24.7.25 ab 19 Uhr, vergibt die Fördergesellschaft ZKM/HfG Preise für herausragende Abschluss- und Semesterarbeiten, die von Professor:innen aus allen Fachbereichen im Vorfeld der Ausstellung nominiert wurden.
Unter den diesjährigen Nominierten findet sich beispielsweise das Projekt der beiden Studierenden Sophie Reißfelder und Luise Peschko, mit dem Titel „Manchmal ist Schmerz ganz leise“: eine immersive, autobiographische Hörstück-Installation, die den stillen und oft unsichtbaren Kampf mit einer schweren, namenlosen Krankheit thematisiert. Eine Fachjury aus Wissenschaft, Kunst und Kultur wählt die Preisträger:innen aus den nominierten Arbeiten aus. Die Auszeichnungen ehren besondere Leistungen und unterstützen die Weiterentwicklung von Projekten.
Traditionally, at the end of the summer semester, the Karlsruhe University of Arts and Design invites visitors to its annual tour of the atriums and offers a look behind the scenes of the university for a long weekend. The workshops, atriums and rooms of the HfG Karlsruhe will once again become an exhibition space for the 2025 tour under the motto KIOSK, from July 24 to 27.
The large annual exhibition will showcase current projects from all degree programs and subject groups - Communication Design, Product Design, Media Art, Exhibition Design & Scenography and Art Research & Media Philosophy. In the atriums of the HfG and at other presentation locations throughout the university, visitors can gain an insight into around 100 student works. These include performances, installations, videos, objects and texts. An accompanying program of events with public tours, film screenings, talks and other formats, co-organized by the university's General Student Committee, offers opportunities for exchange with students and teachers over four days.
During the tour, the HfG presents itself as a lively place where art, theory and design come together in interdisciplinary projects. With “THE NEST”, for example, three students from the Product Design department are designing a life-size, nest-like pavilion made from regional, bio-based materials such as hemp, wood and invasive plants. The installation reflects ecological value chains and was created in cooperation with the Bio Design Lab, which specializes in regenerative materials and sustainable design approaches at the HfG. Students from the Department of Exhibition Design and Scenography, on the other hand, are presenting a mobile stage set that creates a speculative future scenario for the year 2034 - with a view to ecological tipping points, global justice and political agency. The work is based on the novel “The Ministry for the Future” by Kim Stanley Robinson and is being created in cooperation with Theater Neumarkt and Collegium Helveticum Zurich.
On the opening evening of the Rundgang, on July 24 from 7 p.m., the ZKM/HfG Sponsorship Society will award prizes for outstanding final and semester projects nominated by professors from all departments in the run-up to the exhibition. This year's nominees include, for example, the project by the two students Sophie Reißfelder and Luise Peschko, entitled “Sometimes pain is very quiet”: an immersive, autobiographical audio piece installation that addresses the silent and often invisible struggle with a serious, nameless illness. A jury of experts from the fields of science, art and culture selects the winners from the nominated works. The awards honor special achievements and support the further development of projects.
Datierung
24.07.2025 - 27.07.2025
Titel
Rundgang 2025
Untertitel
Jahresausstellung der HfG Karlsruhe
Importiert am
13.05.2025
Übergeordnete Sets
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Bio Design Lab
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Titel
Bio Design Lab
Beschreibung (de)
Das Bio Design Lab ist ein hybrider und evolutiver Ort, der sowohl im digitalen als auch im physischen Raum existiert. Konzipiert als wachsende Plattform, die die Fachbereiche der Staatlichen Hochschule für Gestaltung miteinander verbindet, wird das Labor als Raum für Präsentation, Bildung und Wissensvermittlung genutzt.
Das Bio Design Lab konzentriert sich auf die lokale Region, ihre Ressourcen und Möglichkeiten und zielt aktiv darauf ab, die Produktionsweisen in Karlsruhe und Süddeutschland umzugestalten und neu zu überdenken. Zur Interaktion mit diesen Themen und Materialien, sowohl im digitalen als auch im physischen Raum, lädt das Labor lokale ExpertInnen und BesucherInnen gleichermaßen ein an gemeinsamen Projekten zu arbeiten.
Spuren dieser Aktivitäten komplementieren ein ständig wachsenden Netzwerk.Das Wissen über diese Ressourcen wird durch die Erstellung eines Know-how-Glossars und einer Materialbibliothek destilliert, durch virtuelle und physische Workshops vermittelt, sowie durch die Präsentationen herausragender Projekte, die sich mit nachhaltigen Materialien befassen, kommuniziert.
Das Labor fungiert als Inkubator und Modell für Zusammenarbeit und Produktion, das im Einklang mit dem aktuellen Wandel der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe steht.
The Bio Design Lab is a hybrid and evolutive environment that exists in both the digital and physical space. Conceived as a platform for connection and collaboration with local partners and using local resources, the Lab hosts the presentation, education and transmission of knowledge. As students and experts are invited to work on bio-design related projects, visitors can explore and interact with the Lab’s production and lines of inquiry.
Projects within the Lab focus on the local region, its materials and possibilities, and actively aim to reshuffle and rethink modes of production in Karlsruhe and the south of Germany. Topics under exploration include Algae, Soil, Plants, Body, and Agriculture. To interact with these themes and related materials, both within the digital and physical space, the Lab invites local experts and visitors alike.
Within the Bio Design Lab, regional resources are collected by connecting with local partners; they are then distilled through the making of a know-how glossary and a material library, aiming to develop local materials. The knowledge around these resources is disseminated through virtual workshops and multimedia presentations of outstanding projects dealing with sustainable materials. Ultimately, traces of these activities will remain in a constantly growing network, both in the digital platform and in physical displays of existing and future objects.
The Lab works as an incubator and a model for collaboration and production that is in line with the current transformation of the Karlsruhe University of the Arts and Design Karlsruhe. It was first presented to the public in the context of Critical Zones, an exhibition at ZKM | Center for Art and Media.
Der Titel dieser Ausstellung, "Between the 'No Longer' and the 'Not Yet'", stammt aus den Schriften von Victor Turner über Liminalität. Turner beschreibt Liminalität als einen Übergangszustand – einen Moment, in dem man eine frühere Rolle oder einen früheren Status verlassen hat aber noch nicht vollständig in eine neue Position eingetreten ist. Es ist ein Zustand der Ungewissheit und Transformation. Vertraute Strukturen lösen sich auf und lassen einen in einer undefinierten und instabilen Lage zurück.
Dieses Konzept spiegelt meine Erfahrung als Ausländerin in Deutschland wider. Ich habe Korea verlassen, befinde mich aber noch immer in einem Schwebezustand, ohne mich vollständig angekommen zu fühlen. Um diesen Zustand des Dazwischen auszudrücken, habe ich Flure als visuelle Metapher verwendet. Beim leisen Umherwandern durch diese Flure, beim Fotografieren aus der Distanz, bin ich mir selbst begegnet.
Aus dem fotografischen Projekt entwickelte sich die Videoarbeit "The Act of Cleaning" (2025), die gemeinsam mit den Fotografien gezeigt wird. Inspiriert von Mary Douglas' Ideen zu Reinigungsritualen – bei denen das Säubern Ordnung in das Chaos bringt –, habe ich das Putzen zu meinem eigenen Ritual gemacht. Douglas argumentiert, dass Gesellschaften Ordnung schaffen, indem sie Dinge in klare Kategorien einteilen. Doch Wesen oder Konzepte, die sich diesen Kategorien entziehen – wie Migrant*innen, Hybride oder diejenigen in Übergangszuständen –, werden oft als störend empfunden. In diesem Kontext wurde das Reinigen zu einem Weg, mit der Spannung des Dazwischenseins umzugehen.
Mit bloßen Händen wischte ich jede Stufe der Treppen ab, durch die ich mich bewegte. Die Reibung zwischen Lappen und Boden, das Geräusch des ausgewrungenen Wassers und das Echo meiner Schritte füllten den Flur. Der Boden wurde vollkommen durchnässt – die Grenze zwischen Reinigen und Verschmutzen verschwamm. Diese repetitive, beinahe meditative Handlung veränderte meine Beziehung zu diesen Räumen. Das Putzen wurde mehr als eine praktische Geste – es wurde zu einem Akt, meine Präsenz zu behaupten und sie zugleich zu hinterfragen.
The title of this exhibition, "Between the 'No Longer' and the 'Not Yet'", comes from Victor Turner's writings on liminality. Turner describes liminality as a transitional state—when one has left behind a previous role or status but has not yet fully entered a new one. It is a state of ambiguity and transformation. Familiar structures dissolve, leaving one in an undefined and unstable position.
This concept reflects my experience as a foreigner in Germany. I left Korea, yet I find myself lingering in a liminal state, not fully settled. To convey this in-between state, I used hallways as a visual metaphor. Wandering through hallways quietly, photographing them from a distance, I came face to face with myself.
This photographic project developed into the video work, "The Act of Cleaning" (2025), which is presented alongside the photographs. Inspired by Mary Douglas's ideas on purification rituals—where cleaning imposes order on chaos—I chose cleaning as my own ritual. Douglas argues that societies create order by classifying things into clear categories. Yet, beings or concepts that defy these categories—such as migrants, hybrids, or those in transitional states—are often seen as unsettling. In this context, cleaning became a way to navigate the tension of existing in ambiguity.
Using my bare hands, I wiped down each step of the staircases I walked through. The friction between the rag and the floor, the sound of squeezing water, and the echo of my footsteps filled the hallway. The floor became completely soaked, blurring the boundary between cleaning and staining. This repetitive, almost meditative act transformed my relationship with these spaces. Cleaning became more than a practical gesture—it was a way to assert my presence while simultaneously questioning it.
Die Arbeit Prolog 1 (Pavillon) begann mit einem künstlerischen Interesse an den raumvermessenden, kartographierenden Aspekten des Putzens – als Prinzip der Aneignung – sowie seiner skulpturalen Qualität.
Die Arbeit, die am 23. Oktober 2018 von 17-20 Uhr in einem rundumverglasten Pavillon der 1960er Jahre Moderne, an der Brauer-, Ecke Gartenstraße in Karlsruhe stattfand, bestand auf Handlungsebene aus dem Putzen des Inneren des Pavillons. Über vier an den Ecken des Pavillons angebrachte Lautsprecher hörten die sich im umliegenden Park befindenden Besucher*innen Textfragmente über den Pavillon: seine räumliche Verortung, seine (Un)-Zugänglichkeit auf institutioneller und baulicher Ebene sowie seine Architektur – Akten, Erzählungen, Spekulationen. Über drei Stunden Laufzeit verdichteten sich diese immer auch durch die Folie des Putzaktes ausgesuchten, verfassten und montierten Textfragmente zu einer offenen Erzählung.
Aus einer ursprünglich intuitiven Affinität zu diesem Ort sollte die Arbeit über das Putzen in genau diesem Pavillon stattfinden – Architektur der Nachkriegsmoderne, ein Kantinengebäude, angeblich von Egon Eiermann erbaut. Ein Gebäude, das der vielbefahrenen Straßenkreuzung den Rücken zudreht, eigentlich prominent platziert ist, aber von den meisten Passierenden unentdeckt bleibt – ein Ort, der auf vielen Ebenen changiert zwischen Sichtbarkeit, Unzugänglichkeit, Intransparenz und Mysterium.
Erst durch den langen Prozess, überhaupt Zugang zu dem ungenutzten Hochparterre des Gebäudes zu erhalten, und die damit einhergehenden intensiven Nachforschungen, verschob sich der Fokus der Arbeit hin zum Gebäude selbst und seiner schwer zu durchdringenden, sich nie ganz ergründenden Geschichte. Der Versuch, das Gebäude als Ausstellungsort zu nutzen, wurde in diesem Prozess Teil der Arbeit selbst.
So fanden diese unterschiedlichen Formen der Aneignung, das Putzen und die Recherche, letztlich wieder zusammen, am 23. Oktober 2018: einen Tag im Leben des Pavillons markierend, an dem alle Anwesenden zu Zeitzeug*innen seiner Existenz wurden. Die Besucher*innen befanden sich – die Textfragmente hörend – draußen im Park, während Judith Milz sich zeitgleich – als einzige Person – im Inneren des Pavillons befand, ihn drei Stunden lang putzte, während es draußen erst dämmerte und dann dunkel wurde, bis schließlich, Lichter aus, Tür zu, der Pavillon geputzt, der Abend vorbei war.
Prolog 1 (Pavilion) began with an artistic interest in the spatial and cartographic aspects of cleaning—as a principle of appropriation—as well as its sculptural quality.
The work, which took place on October 23, 2018, from 5 to 8 p.m., in a glass-walled pavilion from the modernist 1960s located at the corner of Brauerstraße and Gartenstraße in Karlsruhe, consisted, on the level of action, of cleaning the interior of the pavilion. Through four speakers mounted at the corners of the structure, visitors in the surrounding park could hear fragments of text about the pavilion: its spatial positioning, its (in)accessibility on both institutional and architectural levels, and its architecture—documents, narratives, speculations. Over the course of three hours, these curated, composed, and edited text fragments—always filtered through the act of cleaning—accumulated into an open-ended narrative.
The initial impulse to realize this work in exactly this pavilion arose from an intuitive affinity with the site—post-war modernist architecture, a former cafeteria building, allegedly designed by Egon Eiermann. A structure that turns its back on a busy intersection, prominently situated yet largely unnoticed by passersby—a place that wavers on many levels between visibility, inaccessibility, opacity, and mystery.
Only through the prolonged process of gaining access to the building’s unused raised ground floor—and the intensive research that this required—did the focus of the work begin to shift toward the building itself and its elusive, never fully graspable history. The attempt to use the building as an exhibition site ultimately became part of the work itself.
Thus, these different forms of appropriation—cleaning and research—converged once more on October 23, 2018: marking a day in the life of the pavilion on which all those present became witnesses to its existence. While the audience stood outside in the park listening to the audio fragments, Judith Milz—alone inside the pavilion—cleaned the space for three hours, as dusk settled and darkness fell, until finally, with the lights turned off and the door closed, the pavilion was cleaned, and the evening was over.
In den Archivierungsdokumenten finden Sie einen Text über die Entstehung der Arbeit. In der Online Fassung des PDFs sind zwei Informationen geschwärzt, die aber in der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe vor Ort – bei Interesse – eingesehen werden können. Wenden Sie sich hierzu bitte an das Archiv der HfG Karlsruhe. Außerdem können Sie versuchen mich unter folgender Emailadresse zu erreichen: judith.friederike.milz@gmail.com
Das Konzept der „Selbstoptimierung“ hat eine zunehmende gesellschaftliche Relevanz erreicht, dementsprechend haben zahlreiche Apps, die sich auf den Körper, die Emotionen und das Selbstmanagement konzentrieren, nach und nach mein Leben durchdrungen.
Ich scheine gleichzeitig in zwei Formen zu existieren: einerseits als organisches Wesen, das aus Wahrnehmung, Widersprüchen und zufälligen Erfahrungen besteht; andererseits als digitales Modell, das von verschiedenen Anwendungen konstruiert wurde.
Allmählich gewöhnte ich mich daran, mich selbst über Zahlen zu messen und zu analysieren – von der Kalorienaufnahme über Schlafzyklen bis hin zu feinen Schwankungen der Herzfrequenz – doch dabei verlor ich zunehmend das Vertrauen in die natürliche Wahrnehmung meines Körpers.
Diese Programme geben vor, „personalisierte Dienste“ zu sein, verwandeln uns letztlich aber in ein einheitliches Datenformat, das sich bequem kategorisieren, vergleichen und extrahieren lässt.
Je mehr Daten es über mich gibt, desto weniger scheine ich mich selbst zu spüren.
As “self-optimization” has become a widely accepted life concept, a large number of apps focusing on the body, emotions, and self-management have gradually infiltrated my life.
I seem to exist in two forms at the same time: one, an organic being composed of perception, contradictions, and incidental experiences; the other, a digital model constructed by various applications.
I gradually got used to measuring and examining myself through numbers—from calorie intake to sleep cycles and subtle fluctuations in heart rate—but in doing so, I slowly lost trust in my body’s natural perception.
These programs present themselves as “personalized services,” yet ultimately convert us into a single data format, convenient for categorization, comparison, and extraction.
The more data there is about me, the less I seem to feel myself.