„Rote Saat“ ist eine installative Arbeit, die sich mit dem Verschwinden traditioneller Nutzpflanzen in Deutschland und der Bedeutung von Saatgutbanken als lebendige Archive auseinandersetzt. Ausgangspunkt ist die Beobachtung eines drastischen Rückgangs der Sortenvielfalt seit dem 20. Jahrhundert, bedingt durch industrielle Landwirtschaft, gesetzliche Regulierungen und die Konzentration auf wenige Hochleistungssorten. Viele regional angepasste Landsorten erfüllen heutige Zulassungskriterien nicht mehr und sind dadurch aus dem Anbau verschwunden. Die Arbeit nimmt diese Entwicklung zum Anlass, um Prozesse der Erhaltung und Weitergabe von Saatgut sichtbar und erfahrbar zu machen.
Sie entstand im Kontext einer künstlerischen Recherche zu agrarökologischen Praktiken, Saatgutpolitik und kollektiven Formen der Wissensweitergabe. Ausgangspunkt war die Zusammenarbeit mit lokalen Initiativen in Karlsruhe, insbesondere der Solidarischen Landwirtschaft KArotte, dem Sozialen Garten (afka) sowie der Genbank für Wildpflanzen für Ernährung und Landwirtschaft (WEL).
Im Mittelpunkt steht eine 8-Kanal-Soundinstallation, die den Übergang vom Winter zum Frühling auf den Feldern der Solidarischen Landwirtschaft dokumentiert. Die Komposition verbindet Umgebungsgeräusche der Jahreszeiten mit Arbeitsgeräuschen auf dem Feld und der Saatgutaufbereitung: das Umgraben der Erde, das Sieben und Reinigen der Samen, das Abdecken der Beete. Die Konzentration auf kleinste Handgriffe lenkt die Aufmerksamkeit auf die oft unsichtbaren Praktiken, die für den Erhalt von Saatgut notwendig sind.
Ergänzt wird die Soundinstallation durch eine Reihe räumlicher Elemente, die unterschiedliche Formen des Umgangs mit Saatgut aufgreifen. Fünf gefährdete Nutzpflanzensorten aus Baden-Württemberg, die in der Roten Liste geführt werden, sind offen ausgestellt. Sie können berührt, mitgenommen und wieder ausgesät werden.
Auf einem 25 Meter langen Landwirtschaftsnetz werden dokumentarische Videoaufnahmen gezeigt, die die Arbeit von Saatgutbanken und lokalen Initiativen in Karlsruhe in ihren wiederkehrenden Abläufen sichtbar machen.
Ein weiteres Element ist eine Pflanzentransportkiste, die sich formal an den historischen Ward’schen Kasten anlehnt. Dieses im 19. Jahrhundert entwickelte Transportmittel ermöglichte den globalen Austausch von Pflanzen unter kontrollierten Bedingungen und war eng mit kolonialen Handelsstrukturen verknüpft. In der Installation dient der Kasten als Display für die Geschichte der Alb-Linse, einer regionalen Sorte von der Schwäbischen Alb, die lange als verschollen galt und erst durch eine Saatgutbank in Sankt Petersburg wiederentdeckt wurde. Die Arbeit stellt damit lokale landwirtschaftliche Praktiken in einen größeren politischen Zusammenhang und zeigt, dass pflanzliche Vielfalt nur durch gemeinsames Handeln erhalten bleibt.
Als Kind wurde Minh Anh Nguyễn sexuell missbraucht. Mit ihrem 47-minütigen Essayfilm versucht sie, diesen schwierigen Teil ihres Lebens in Worte zu fassen, das Unsagbare auszusprechen und durch die Reflexion und Projektion der filmischen Praxis ein Gefühl für das eigene Selbst zurückzugewinnen. Die Filmemacherin offenbart dabei intime Gespräche mit ihrer Mutter und versucht, den schmerzhaften Prozess zu bewältigen, dieses Trauma an die Öffentlichkeit zu bringen. Mit einer zerbrechlichen Intimität bewegt sich der Film zwischen Fiktion, Archivmaterial und Dokumentation, auf der Suche nach einer Sprache, um das Vergangene auszudrücken und die Zukunft anzunehmen.
Beschreibung (en)
As a child, Minh Anh Nguyễn was sexually abused. Her 47-minute essay film is an attempt to put words to this difficult part of her life, to speak the unspeakable and regain a sense of self through the reflection and projection that the act of filmmaking allows. Her film reveals intimate conversations with her mother and tries to overcome the difficult process of making this trauma public. It navigates through a wounded intimacy between fiction, archive footage and documentary in search of a language to articulate the past and embrace the future.