Der Hermann-Levi-Platz, „Vorplatz“ des Badischen Staatstheaters Karlsruhe, bleibt zwischen mehreren Großbaustellen voraussichtlich bis 2036 ein Ort des Übergangs. Vor diesem Hintergrund nimmt die temporäre „Raumintervention Paradies“ einen Dialog mit der urbanen Brache auf. Die Umbenennung des Platzes in ein „Paradies“ erprobt das Potenzial dieser Fläche als lebendigen, ökologischen und sozialen Raum, der zur Auseinandersetzung mit Natur, Nachhaltigkeit und Gemeinschaft einlädt. Die Intervention gliedert sich in drei miteinander verbundene Orte des Verweilens, des Lernens und des Aus-Tauschens:
A) Biotopos – Paradies als Lernort
Die Installation inszeniert ein unbemerkt entstandenes Biotop am Rande des Platzes. Im Sinne Gilles Cléments Begriff der „dritten Landschaft“ bricht dieser wilde Ort mit geordneter Landschaftsarchitektur im urbanen Raum. Das großformatige Banner zeigt rund 200 ineinanderfließende Fotografien der Pflanzenvielfalt des Biotops, die als Brücke zwischen Realität und Imagination zu verstehen ist. Integrierte Gucklöcher rufen zur bewussten Betrachtung des Biotops auf. Ein QR-Code, der zu einem botanischen Archiv führt, ergänzt die Interaktion als digitalen Lernort.
B) Ein Steg zum Verweilen führt zu einer Insel: Paradies als Aufenthaltsraum
Inmitten von Beton und Baustellenlärm führt der inklusiv gestaltete Steg zu einer Plattform am Wasserbecken des Vorplatzes. Sitzelemente und schattenspendende Wimpel laden zum Verweilen ein. Der Steg ergründet so den Paradiesbegriff als Sehnsuchtsort, dem man sich zwar annähern kann, aber zu dem man stets auf Distanz bleibt. Die orangefarbene Leuchtschrift „Paradies“ vervollständigt als konkrete und abstrakte Größe das Bild eines sichtbaren, aber unerreichbaren Inselparadieses.
C) Feld und Pflanzentauschbörse am K-Punkt: Paradies als sozialer Raum
Bepflanzte Refarmkästen, bunte Sitzelemente und Schattenwimpel ergänzen die bereits vorhandenen entsiegelten Betonflächen und machen das Paradies als sozialen Raum und Ort der Interaktion erfahrbar. Im Mittelpunkt steht eine Pflanzentauschbörse, die neben dem Tausch auch die Pflege von Kräuterbeeten beinhaltet und die Idee des Paradieses als gemeinschaftlichen Prozess transportiert. Vergleichbar mit einem Ausstellungsraum laden die Sitzgelegenheiten zum Betrachten der Pflanzen ein.
Der szenografischen Intervention ging eine intensive Recherchearbeit voraus – bestehend aus Raumanalysen des Vorplatzes sowie der vorhandenen Vegetation, einer Besichtigung der Theaterbaustelle, Recherche zur Baugeschichte des Ortes und den städtischen Zukunftsplänen. Der Anspruch an eine möglichst nachhaltige Produktion hat den Prozess begleitet. Materialien wie die Wimpel und Elemente wie die Paletten und Sitzgelegenheiten wurden wiederverwendet und umfunktioniert.
Raumintervention Paradies wurde durch Studierende aller Studiengänge der HfG Karlsruhe entworfen und realisiert.
Wir alle verlassen irgendwann unser erstes Zuhause (das Zuhause unserer Kindheit), entweder freiwillig oder unfreiwillig. Dieser Abschied ist mehr als nur ein physischer Umzug; er markiert den Beginn einer Reise, auf der wir uns ein neues Zuhause schaffen und gleichzeitig die Sehnsucht nach dem Zuhause der Vergangenheit zurücklassen.
Aber Zuhause ist nicht nur der Ort, an dem wir geboren und aufgewachsen sind; es ist auch der Ort (oder Zustand), an dem wir unsere Identität formen, und der psychologische Raum, in dem wir unsere Erinnerungen und Emotionen speichern. Bevor wir weggehen, erinnern wir uns an Zuhause als einen physischen Ort, der uns vertraut und beruhigend ist, aber nachdem wir weggegangen sind, wird es allmählich weniger zu einem konkreten Bild und mehr zu einem fließenden, psychologischen Konzept. Es ist nicht nur ein Verlust, sondern ein Prozess des Findens und Schaffens eines neuen Zuhauses.
In der modernen Welt, in der sich so vieles so schnell verändert, erfinden wir uns ständig neu und das Zuhause ist kein festes Konzept, sondern wird durch die Orte, Erfahrungen und Beziehungen, die wir bewohnen, neu definiert. Heimat ist unser Ausgangspunkt und bleibt nicht unbedingt an einem Ort; vielmehr bewegen und verändern wir uns und entdecken und schaffen auf diesem Weg neue Formen von Heimat.
Was bedeutet also Zuhause für uns und wie schaffen wir es?
We all leave our first home (our childhood home) at some point, either willingly or unwillingly. This departure is more than just a physical move; it marks the beginning of a journey where we create a new home, while at the same time leaving behind a sense of nostalgia for the home of our past.
But home isn't just the place where we were born and raised; it's also the place where we form our identity, and the psychological space where we store our memories and emotions. Before we leave, home is remembered as a physical place that is familiar and comforting, but after we leave, it gradually becomes less of a concrete image and more of a fluid, psychological concept. It's not just a loss, but a process of finding and creating a new home.
In the modern world, where so much is changing so quickly, we are constantly re-creating ourselves, and home is not a fixed concept, but is redefined by the places, experiences, and relationships we inhabit. Home functions as our base point, and it doesn't necessarily stay in one place; rather, we move and change, discovering and creating new forms of home along the way.
So, what does home mean to us, and how do we create it?