Diese Grundkarte zeigt den 50-Kilometer-Radius, der die Bioregion Karlsruhe definiert, mit der Living Library im Zentrum. Die Region lässt sich grob in drei Bereiche unterteilen: den Oberrheingraben (umrahmt von zwei durch gestrichelte Linien gekennzeichneten Verwerfungslinien), ein großes Grabenbruchgebiet, das vor etwa 50 Millionen Jahren entstanden ist und durch dessen Mitte der Rhein nach Norden fließt (doppelte Linie); den Pfälzerwald im Westen und den Schwarzwald im Süden. Das Linienmuster zeigt die Höhe an und verdeutlicht, dass es sich um einen fast flachen Graben zwischen zwei großen Gebirgszügen handelt. Um die sprachliche Vielfalt der Region widerzuspiegeln, sind alle Städte auf der Karte sowohl mit ihrem lokalen als auch mit ihrem nationalen Namen angegeben.
Medien-Beschreibung (en)
This base map shows the 50-kilometre radius that defines the Karlsruhe bioregion, with the Living Library at its centre. The region can be broadly divided into three areas: the Oberrheingraben/Upper Rhine Graben (framed by two fault lines indicated by dashed lines), a large rift valley formed about 50 million years ago with the river Rhine flowing northwards through its centre (double line); the Pfälzerwald/Palatinate Forest to the west; and the Schwarzwald/Black Forest to the east. The line pattern indicates elevation, revealing an almost flat Graben between two large mountain ranges. To reflect the region’s linguistic diversity, all cities on the map are written in both their local and national names.
Während des Lehrprogramms »Über Transformationen und Metamorphosen«, bei dem Studierende Kleingärten in den Stadtteilen Neureut und Daxlanden besuchten, wurde deutlich, dass Kleingartenvereine (durchgezogene Punkte auf der Karte) und ihre Mitglieder eine unschätzbare Quelle für praktisches Wissen über Kompostierung sind. Parallel dazu bieten kommunale Kompostierungsanlagen (umrandete Punkte) die großtechnische Infrastruktur, die erforderlich ist, um die biologisch abbaubaren Abfälle der Stadt zu nutzbarem Kompost zu verarbeiten.
Medien-Beschreibung (en)
During the education programme ‘On transformations and metamorphoses’, where students visited allotment gardens in the city boroughs of Neureut and Daxlanden, it became evident that allotment garden clubs / Kleingartenvereine (solid dots on the map) and their members are invaluable sources of practical knowledge about composting. In parallel, municipal composting facilities / Kompostierungsanlagen (outlined dots) provide the large-scale infrastructure required to process the city’s biodegradable waste into usable compost.
Die Wollproduktion in der Region um Karlsruhe ist eng mit der süddeutschen Tradition der nomadischen Schafhaltung verbunden. Diese Praxis ist von der UNESCO als Teil des immateriellen Kulturerbes der Nation anerkannt. Laut Statistiken aus dem Jahr 2019 gab es in Baden-Württemberg (dem Bundesland, in dem Karlsruhe liegt) rund 215.500 Schafe und etwa 1.300 Schafhaltende mit 20 oder mehr Schafen. Mehrere Schafzuchtbetriebe (Punkte), die mit dem Workshop »Über Verflechtungen und Filzen« in Verbindung stehen, sind hier im Verhältnis zu allen Gebieten dargestellt, in denen Vieh gezüchtet wird (gefüllte Punkte) innerhalb der Bioregion Karlsruhe.
Medien-Beschreibung (en)
The production of wool in the region around Karlsruhe is closely connected to the South German tradition of nomadic sheep farming. This practice is recognised by UNESCO as part of the nation's Intangible Cultural Heritage. According to statistics from 2019, there were around 215,500 sheep and about 1,300 sheep farmers with 20 or more sheep in Baden-Württemberg (the state in which Karlsruhe is located). Several sheep farms (dots) connected to the workshop ‘On Entanglements and Felting’ are shown here in relation to all areas where livestock is raised (solid dots) within the Karlsruhe bioregion.
Hier sind Straßenmärkte, auf denen Obst, Gemüse, Brot, Fisch und Fleisch verkauft werden (gefüllte Punkte), sowie Großhändler (umrandete Punkte) eingezeichnet, bei denen Lebensmittelabfälle in und um die Stadt gesammelt werden können. Die kleineren Punkte im Hintergrund kennzeichnen Bäume mit essbaren Früchten, ein Thema des Lehrprogramms »Über Stoffwechsel und Kreislauf«. Sofern einige Grundregeln beachtet werden, wie z. B. die Achtung von Eigentumsrechten und der sorgfältige Umgang mit Bäumen und Natur, können die Früchte auch gesammelt werden.
Medien-Beschreibung (en)
Street markets selling fruit, vegetables, bread, fish, and meat (solid dots) are mapped here, as well as larger food wholesalers (outlined dots) where food waste can be collected in and around the city. The smaller dots in the background indicate trees bearing edible fruit, a topic during the ‘On metabolisms and circulation’ education programme. Provided a few basic rules are kept in mind, such as respecting property rights and treating trees and nature with care, the fruit can also be collected.
Im Rahmen des Lehrprogramms »Über Erneuerung und Schnittstellen« besuchte die Gruppe das Pilzherbarium des Staatlichen Naturkundemuseums Karlsruhe und suchte im Rappenwörther Wald nach Pilzen. Obwohl es unmöglich ist, die genauen Standorte des Pilzwachstums zu kartieren, lassen sich Gebiete mit hoher Wahrscheinlichkeit für das Vorkommen identifizieren. Diese Karte kombiniert drei solche Indikatoren: beobachtete organische Kohlenstoffgehalte in der Erde zwischen 9 und 12, Bodenazidität (gemessen in H₂O) zwischen pH 5,5 und 6,5 und hohe verfügbare Wasserkapazität im Oberboden. Dunklere Schattierungen weisen auf günstigere Bedingungen hin.
Medien-Beschreibung (en)
During the ‘On remediation and interfacing’ education programme, students visited the Fungus Herbarium of the State Museum of Natural History Karlsruhe and searched for mushrooms in the Rappenwörth forest. Although it is impossible to map the exact locations of mushroom growth, it is possible to identify areas with a high likelihood of occurrence. This map combines three such indicators: observed soil organic carbon levels between 9 and 12, soil acidity (measured in H₂O) between pH 5.5 and 6.5, and high available water capacity in the topsoil. Darker shading indicates more favourable conditions.
Das pixelige Muster unterscheidet zwei Arten von Wald: Gebiete, in denen Laubbäume die dominierende Baumart sind (dunkle Schattierung), und Gebiete, in denen Nadelbäume vorherrschen (helle Schattierung). Diese Unterteilung ist zwar nicht absolut, liefert aber nützliche Informationen über das in den einzelnen Gebieten verfügbare Holz: Laubbaumarten produzieren in der Regel Hartholz, während Nadelbaumarten Weichholz liefern. Die im Rahmen des Lehrprogramms »Über Extraktion und Resilienz« rund um die Stadt Bühl besuchten Orte sind auf der Karte als ausgefüllte Punkte dargestellt.
Medien-Beschreibung (en)
The pixelated pattern distinguishes two types of forest: areas in which broad-leaved trees are the dominant species (dark shading) and areas dominated by coniferous trees (light shading). Although this division is not absolute, it provides useful information about the wood available in each area: broad-leaved species generally produce hardwoods, whereas coniferous species yield softwoods. Places visited during the education programme ‘On extraction and resilience’ around the city of Bühl are shown on the map as solid dots.
Beobachtungen invasiver Pflanzenarten (ausgefüllte Punkte) in und um Karlsruhe, zusammengetragen aus iNaturalist, einer globalen Citizen-Science-Datenbank. Invasive Pflanzen, auch Neophyten genannt, sind Arten, die in ein neues Gebiet eingeführt wurden und sich dort aggressiv ausbreiten, oft die einheimische Vegetation verdrängen und lokale Ökosysteme stören. Die spezifischen Arten wurden während des Workshops »Über Verdrängung und Anpassung« identifiziert. Aus den Daten ergibt sich ein auffälliges Muster: Viele dieser invasiven Pflanzen treten gehäuft entlang der Flüsse Alb und Pfinz in Karlsruhe auf. Das liegt daran, dass Wasserwege oft als natürliche Korridore fungieren, die die Verbreitung von Samen und Pflanzenfragmenten erleichtern.
Medien-Beschreibung (en)
Observations of invasive plant species (solid dots) in and around Karlsruhe, crowdsourced from iNaturalist, a global citizen-science database. Invasive plants, also known as neophytes, are species that have been introduced to a new area and spread aggressively, often outcompeting native vegetation and disrupting local ecosystems. The specific species were identified during the workshop ‘On displacement and adaptation’. A noticeable pattern emerges from the data: many of these invasive plants are concentrated along Karlsruhe's rivers, the Alb and Pfinz. This is because waterways often act as natural corridors that facilitate the spread of seeds and plant fragments.
Orte, die sich auf das Wissen oder die Produktion von Industriehanf spezialisiert haben (gefüllte Punkte), und potenzielle, zufällig gelegene Gebiete für den Anbau von Industriehanf innerhalb der Bioregion Karlsruhe (gepunktete Kreise mit Fragezeichen). Im Rahmen des Lehrprogramms »Über Tradition und Wandel« wurden zwei Standorte besucht: der Produzent BAFA Neu und der Seilmacher Joachim Dittus. Da der Hanfanbau strengen Vorschriften unterliegt, werden die genauen Standorte der Felder nicht öffentlich bekannt gegeben und konnten daher nicht besucht werden. Obwohl die ungefähre Anzahl der Anbauflächen innerhalb der Bioregion aus landwirtschaftlichen Statistiken geschätzt werden kann, bleiben ihre genauen Positionen unbekannt und werden hier als zufällige Standorte dargestellt.
Medien-Beschreibung (en)
Places specialising in the knowledge or production of industrial hemp (solid dots) and potential, randomly located areas of industrial hemp cultivation within the Karlsruhe bioregion (dotted circles with question marks). During the ‘On tradition and transition’ education programme, students visited two locations: producer BAFA Neu and ropemaker Joachim Dittus. Because hemp cultivation is subject to strict confidentiality regulations, exact field locations are not publicly disclosed and could therefore not be visited. Although the approximate number of cultivation sites within the bioregion can be estimated from agricultural statistics, their precise positions remain unknown and are represented here as randomised locations.
Die Living Library ist ein transdisziplinäres Projekt, das am Bio Design Lab der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe entwickelt wurde. Im Laufe von zwei Jahren förderte es praxisorientiertes Lernen mit Schwerpunkt auf lokal gewonnenen Rohstoffen aus einem Umkreis von 50 Kilometern um die Hochschule, experimentellem Schaffen und regenerativen Produktionsweisen.
Das Projekt ist ein hybrides und sich ständig weiterentwickelndes Ökosystem. Es vereint ein physisches Archiv mit Materialproben, Werkzeugen, Prozessen und Werkstatt-Artefakten sowie ein digitales Archiv mit interaktiven Karten, Forschungsergebnissen und Materialdokumentationen. Geleitet von den Prinzipien der Kompostierbarkeit, Lokalität und Nachhaltigkeit folgt das Projekt den ökologischen Rhythmen der Aussaat, des Wachstums, der Ernte und des Verfalls. Studierende, Forschende und lokale Praktiker:innen arbeiteten zusammen, um regionale Ressourcen zu kartieren, biobasierte Materialien zu ernten und zu verarbeiten und deren Lebenszyklen von der Entstehung bis zum Vergehen zu untersuchen.
Diese Publikation spiegelt den zirkulären Ansatz des Projekts wider. Sie dokumentiert die physische und digitale Living Library und vereint eine Reihe von Essays, die Themen wie die Archivierbarkeit der Erde oder die gartenähnliche Kultivierung digitaler Plattformen untersuchen. Diese Essays laden die Lesenden dazu ein, neu darüber nachzudenken, wie Wissen angebaut, geteilt und schließlich wieder in den Boden zurückgeführt werden kann, aus dem es entstanden ist.
Das Projekt befasst sich mit den politischen Dimensionen der Ausstellungsgestaltung und führt durch zwei vom Architekten Egon Eiermann gestaltete Ausstellungen. Es erforscht die Verschränkung von Design und Politik, Nationalsozialismus und Formen der Repräsentation.
"Disparate Precedents of Display" untersucht die Art und Weise, wie der Raum auf die Besucher wirkt, und stellt Ausstellungsdesign als eine genuin politische Praxis dar, die auf der Vergangenheit aufbaut und von ihr erbt - von vergangenen Ausstellungen, einflussreichen Ausstellungsgestalter*innen und Konventionen der Präsentation, die in unterschiedlichen politischen Systemen wurzeln.
Zwei Ausstellungen, die vom deutschen Staat in Auftrag gegeben wurden, dienen als Fallstudien. "Gebt mir vier Jahre Zeit" war eine nationalsozialistische Propagandaschau, die 1937 in Berlin stattfand. Sie feierte die Umgestaltung aller Bereiche der Gesellschaft unter der nationalsozialistischen Herrschaft seit der Umsetzung von Adolf Hitlers Vierjahresplan. Einundzwanzig Jahre später beauftragte die Bundesrepublik Deutschland denselben Architekten mit der Gestaltung des deutschen Pavillons auf der Expo '58 in Brüssel. Auf der Weltausstellung hatte der junge Nachfolgestaat zum ersten Mal die Gelegenheit, die kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Parameter des nunmehr demokratischen Deutschlands auf internationaler Ebene zu präsentieren. Beide Ausstellungen lassen sich als Repräsentationen staatlicher Macht und politischer Narrative beschreiben - die eine im Namen des Krieges, die andere im Namen der Humanität. Maßgeblich beteiligt an beiden Ausstellungen war Egon Eiermann als Ausstellungsarchitekt.
Performance: Anna K. Seidel
Outside Eye: Caroline Kapp, Manon Haase
Graphikdesign: Mona Mayer
Single line font EE_7475: Barbara Acevedo Strange, Moritz Appich
Coding: Frank Bublitz
Stimme: Liv Rahel Schwenk
Aufzeichnung: Florian Wulff
Video Dokumentation: Mustafa Emin Büyükcoşkun
Photographien: Lizzy Ellbrück
Editorial support: Joyce Moore
Copyediting: George MacBeth
Special Thanks to
Céline Condorelli, Hanne König, Sami Khatib, Lioudmila Voropai,
Julian Warner, Thomas Rustemeyer, Constanze Fischbeck,
Susanne Kriemann, Hans D. Christ und Iris Dressler, Judith Milz,
Christian Becker (Stadtarchiv Oranienburg), Mechthild Ebert (saai),
Janina Capelle, Lydia Kähny, Daniel Lythgoe, Tjark Schönfeld,
Alexander Knoppik, Lena Breitmoser, Sören Göbel, Jule Köpke, Arthur Schuman,
Jana Barthel and Danny Klein.
Gefördert von
Fonds Darstellende Künste (Rechercheförderung)
Rosa Luxemburg Stiftung Baden Württemberg
The project addresses the political dimensions of exhibition design, leading through
two exhibitions designed by architect Egon Eiermann. It explores the entanglement of
design and politics, National Socialism and forms of representation.
"Disparate Precedents of Display" looks at the way space affects visitors, exposing exhibition design as a genuinely political practice, building on and inheriting from the past – from past exhibitions, influential exhibition designers and conventions of display rooted in disparate political systems.
Two exhibitions, commissioned by the German state, serve as case studies. “Gebt mir vier Jahre Zeit” was a National Socialist propaganda show staged in Berlin in 1937. It celebrated the transformation of all sectors of society under National Socialist rule since the implementation of Adolf Hitlers 4-year-plan. Twenty-one years later, the Federal Republic of Germany commissioned the same architect to design the German Pavilion at the Expo ‘58 in Brussels. At the World‘s Fair the young successor state had its first opportunity to present the cultural, economic and political parameters of a now democratic Germany on an international scale. Both shows can be described as representations of state power and political narratives – one in the name of war and one in the name of humanity. Significant contributor to both exhibitions was Egon Eiermann in his role as exhibition architect.
Performance: Anna K. Seidel
Outside Eye: Caroline Kapp, Manon Haase
Graphic Design: Mona Mayer
Single line font EE_7475: Barbara Acevedo Strange, Moritz Appich
Coding: Frank Bublitz
Voice: Liv Rahel Schwenk
Recording: Florian Wulff
Video documentation: Mustafa Emin Büyükcoşkun
Photography: Lizzy Ellbrück
Editorial support: Joyce Moore
Copyediting: George MacBeth
Special Thanks to
Céline Condorelli, Hanne König, Sami Khatib, Lioudmila Voropai,
Julian Warner, Thomas Rustemeyer, Constanze Fischbeck,
Susanne Kriemann, Hans D. Christ und Iris Dressler, Judith Milz,
Christian Becker (Stadtarchiv Oranienburg), Mechthild Ebert (saai),
Janina Capelle, Lydia Kähny, Daniel Lythgoe, Tjark Schönfeld,
Alexander Knoppik, Lena Breitmoser, Sören Göbel, Jule Köpke, Arthur Schuman,
Jana Barthel and Danny Klein.
Funded by
Fonds Darstellende Künste (Rechercheförderung)
Rosa Luxemburg Stiftung Baden Württemberg