Eine fotografische Dokumentation der Objektserie "Patterns in Perception" mit den drei Arbeiten "Pattern of Breath", "Weaving Spaces" und "Shifting Shadows". Die Serie zeigt unterschiedliche Wege, wie Muster durch Bewegung, räumliche Struktur und Licht über ihre zweidimensionale Form hinaus erweitert und neu wahrgenommen werden können.
Beschreibung (en)
A photographic documentation of the series “Patterns in Perception,” featuring the three works “Pattern of Breath,” “Weaving Spaces,” and “Shifting Shadows.” The series explores different ways in which patterns can be expanded beyond their two-dimensional form and perceived anew through movement, spatial structure, and light.
Eine Auswahl experimenteller Studien, in denen unterschiedliche Techniken, Materialien und Anwendungsmöglichkeiten untersucht wurden. Schritt für Schritt entwickelten sich aus diesen Erkundungen die Ansätze, die später in die finale Objektserie überführt wurden.
Beschreibung (en)
A selection of experimental studies in which various techniques, materials, and potential applications were explored. Step by step, these explorations gave rise to the approaches that were later incorporated into the final series of objects.
"Patterns in Perception" untersucht, wie sich Muster über die Fläche hinaus zu lebendigen räumlichen Strukturen entwickeln können. Ausgangspunkt ist ein offener experimenteller Prozess, der erforscht, wie Material, Bewegung und Licht gemusterte Oberflächen aktivieren und verändern können. Durch Techniken wie Biegen, Falten, Ineinanderstecken und Verschieben entwickeln sich zweidimensionale Muster nach und nach zu räumlichen Formen und eröffnen durch das Experimentieren neue gestalterische Möglichkeiten.
Aus diesen Untersuchungen entstand schließlich eine Serie aus drei Objekten, die jeweils eine andere Entdeckung aus dem experimentellen Prozess aufgreifen. "Pattern of Breath" nutzt Bewegung, um ein Muster in eine responsive Atemerfahrung zu übersetzen. "Weaving Spaces" überträgt den manuellen Prozess des Biegens und Ineinandersteckens in einen architektonischen Maßstab und schafft dadurch neue räumliche Beziehungen. "Shifting Shadows" nutzt die Bewegung einzelner Elemente, um Licht gezielt zu lenken und durch wechselnde Reflexionen und Schatten die Wahrnehmung des umgebenden Raumes kontinuierlich zu verändern.
Gemeinsam zeigen die drei Objekte unterschiedliche Möglichkeiten, Muster über ihre vertraute zweidimensionale Form hinaus zu aktivieren, wahrzunehmen und zu erleben.
"Patterns in Perception" explores how patterns can move beyond the surface to become living spatial structures. Beginning with an open process of experimentation, the project investigates how material, movement, and light can activate and transform patterned surfaces. Through techniques such as bending, folding, interlocking, and shifting, two-dimensional patterns gradually evolve into spatial forms, revealing new possibilities through the process of making.
These explorations ultimately unfold into a series of three objects, each translating a different discovery from the experimental process. "Pattern of Breath" uses movement to transform a pattern into a responsive breathing experience. "Weaving Spaces" brings the hands-on process of bending and interlocking into an architectural scale, shaping new spatial relationships. "Shifting Shadows" uses the movement of individual elements to redirect light, creating changing reflections and shadows that continuously reshape the perception of the surrounding space.
Together, the three objects reflect different ways in which patterns can be activated, experienced, and perceived beyond their familiar two-dimensional form.
Schneideplotten, Materialexperimente, Arbeiten mit Formgedächtnislegierungen, kinetische und responsive Bewegung, manuelle und sensorbasierte Aktivierung
Die durch einen räumlichen Audiowalk ergänzte Installation untersucht die Beziehung zwischen Menschen und Städten aus der Perspektive der Zeit. Sie erforscht, wie sich beide kontinuierlich verändern und wie sich die Zeitlinien von Individuen und Städten gelegentlich überschneiden, bevor sie sich wieder voneinander entfernen.
Die Ausstellung stellt zwei parallele Erzählungen gegenüber: die Veränderung einer Stadt und die persönlichen Geschichten von Menschen, die sich durch verschiedene Lebensphasen entfalten. Diese beiden Ebenen werden sowohl räumlich als auch klanglich erfahrbar.
Durch Interviews, persönliche Fotografien, Archivfotografien, Tonaufnahmen und transparente räumliche Schichten bewegt sich die Besucherin bzw. der Besucher gleichzeitig durch die Geschichte einer Stadt und den Lebensweg eines Menschen und erlebt dabei, wie Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft kontinuierlich ineinander übergehen. Matthias Mansens Holzschnittserie Potsdamer Strasse erscheint als konkretes Beispiel für diese Beziehung: Sie bewahrt einen einzelnen Moment der Begegnung zwischen einem Künstler und einer sich ständig verändernden Stadt.
The installation, complemented by a spatial audio walk. Explores the relationship between people and cities from the perspective of time.
It examines how both are constantly changing, and how the timelines of individuals and cities occasionally intersect before moving apart again. The exhibition presents two parallel narratives: the transformation of a city and the personal stories of individuals unfolding through different stages of life. These two dimensions are experienced through both space and sound. Through interviews, personal photographs, archival photographs, sound, and transparent spatial layers, visitors move simultaneously through the history of a city and the trajectory of a human life, experiencing how past, present, and future continuously merge into one another.
Matthias Mansen’s Potsdamer Strasse woodcut series serves as a concrete example of this relationship, preserving a single moment of encounter between an artist and a constantly changing city.
Ausgehend von einem ehemaligen Militärstützpunkt untersucht die Arbeit „how (we) remember“ die Prozesse, durch die Erinnerungen materielle Gestalt annehmen. Inwieweit verkörpern Artefakte, Denkmäler und andere Objekte Erinnerungen? Was sind die zentralen Bedingungen und Voraussetzungen einer Erinnerung? Welche Rolle spielen dabei Politik, „Zeitgeist“ und die Verantwortung jedes Einzelnen?
Die Ausstellung visualisiert und reflektiert meine persönliche Perspektive auf eine Erinnerung an die militärhistorische Vergangenheit der Hornisgrinde im nördlichen Schwarzwald. Dabei setzt sich die Installation materiell mit der Flüchtigkeit und Aura menschlicher Erinnerungsprozesse auseinander und untersucht die Sichtbarkeit der Vergangenheit im öffentlichen und privaten Raum.
Beschreibung (en)
Taking a former military base as its starting point, the work “how (we) remember” explores the processes through which memories take material form. To what extent do artifacts, monuments, and other objects embody memories? What are the central conditions and requirements of a memory? What role do politics, “Zeitgeist” and each individual’s responsibility play in this?
The series of artworks visualizes and reflects my personal perspective on a memory of the Hornisgrinde’s military-historical past in the northern Black Forest. In doing so, the installation materially addresses the fleeting and auratic nature of human memory processes and examines the visibility of the past in public and private spaces.
„As beginning is to end“ beschäftigt sich mit Fotografie, Architektur, Zeitlichkeit und der Neuordnung von vorhandenem Bildmaterial. Das Projekt verbindet eine Publikation mit einer räumlichen Installation. Dafür wurden gescannte Fotografien aus bestehenden Fotobüchern zu einer offenen, filmischen Sequenz neu angeordnet. Die Fotografien werden als Fragmente eines fortlaufenden Geschehens verstanden, dessen Narrativ wiederkehrenden Motiven, Atmosphären und Blickrichtungen folgt.
Die gefundenen Fotografien zeigen ausschließlich Fragmente von privaten Innenräumen und Figuren, die sich durch diese bewegen. Die Innenräume werden dabei zu Spuren von Identitäten, Erinnerungen und Geschichten und eröffnen den intimen Blick in geschlossene Wände.
In der Publikation bestimmen die im Vollformat gedruckten Fotografien und darauf folgende weiße Doppelseiten den Rhythmus des Betrachtens. Die leeren Seiten schaffen kurze Pausen und schlagen Brücken zu dem Unwissenden. Außerdem ist der Publikation ein Text beigefügt, der den Gang durch die Fotografien leitet.
Der selbe Rhythmus wird in den Ausstellungsraum übersetzt. Die ausgewählten Fotografien wurden hier dabei stark vergrößert und immer wieder durch Leerstellen pausiert. Bei der Wahl des Ausstellungsraums war es wichtig, einen Ort zu finden, der durch seine architektonische Beschaffenheit bereits fragmentarisch Spuren und Geschichten in sich trägt. Jedes Element der Architektur ist ein Bestandteil der Übersetzung der fotografischen Szenen und lassen die Betrachtenden in diese räumlich eintreten.
“As beginning is to end” explores photography, architecture, temporality, and the rearrangement of existing visual material. The project combines a publication with a spatial installation. Scanned photographs from existing photo books were rearranged to form an open, cinematic sequence.
The found photographs depict fragments of private interiors and figures moving through them. The interiors become traces of identities, memories, and stories, offering an intimate glimpse behind closed walls.
In the publication, the printed images and the following white double-page spreads determine the rhythm of viewing. The blank pages create brief pauses and build bridges to the unknown. Additionally, the publication includes a text that guides the viewer through the photographs.
The same rhythm is translated into the exhibition space. The selected photographs are greatly enlarged and repeatedly paused with blank spaces. When selecting the exhibition space, it was important to find a place whose architectural character already contains fragmentary traces and stories. Each architectural element plays a role in interpreting the photographic scenes and allows viewers to enter them spatially.
„Wir sind zunehmend wasserundurchlässig geworden: gedanklich abgeschottet von den subtilen und vielfältigen Beziehungen zu Flüssen, auch wenn diese weiterhin unsere Körper, Gedanken, Lieder und Geschichten durchströmen. Flüsse fließen durch die Menschen ebenso sicher wie durch Orte.“
Dieses Zitat stammt aus Robert Macfarlanes Buch "Sind Flüsse Lebewesen?" und bildet den Einstieg in mein Diplomprojekt, „Like Sediment in a Slow Current“. Ausgehend von der Rheinbegradigung am Oberrhein untersuche ich die verzerrte Beziehung zwischen uns Menschen, Wasser und anderen Wasserkörpern. Das Projekt sammelt und kuratiert verschiedene Texte und Bilder aus Bereichen der Kunst, Biologie, Geologie und Philosophie und versucht, sich folgenden Fragen zu nähern:
Wie sind wir mit Flüssen verbunden? Wie sah der Rhein vor der Begradigung aus? Welche Folgen hat eine Begradigung für einen Fluss? Ist es möglich, einen Fluss als juristische Person anzusehen? Wie sind wir mit anderen Wasserkörpern verbunden? Was definiert einen Wasserkörper? Wie kann ich mich kritisch mit einem Ort und seiner Geschichte auseinandersetzen?
“We have become increasingly waterproofed: conceptually sealed against subtle and various relations with rivers, even as they continue to irrigate our bodies, thoughts, songs and stories. Rivers run through people as surely as they run through places.”
This quote from Robert Macfarlane’s book „Is a River Alive?“ serves as the point of entry to my diploma project, „Like Sediment in a Slow Current“. Taking the straightening of the Upper Rhine as my starting point, I explore the distorted relationship between us humans, water, and other bodies of water. The project collects and curates various texts and images from the fields of art, biology, geology, and philosophy and attempts to address questions like:
How are we connected to rivers? What did the Rhine look like before it was straightened? What are the consequences of straightening a river? Is it possible to view a river as a legal entity? How are we connected to other bodies of water? What defines a body of water? How can I critically engage with a place and its history?
Die Arbeit entstand im Seminar Frameworks of Fiction in Zusammenarbeit mit der Kunsthalle Mannheim. Ausgangspunkt des Seminars war die kritische Auseinandersetzung mit der Sammlung der Kunsthalle Mannheim, insbesondere mit historischen Gemälden und den Bildkonstruktionen, die sie repräsentieren. Die Studierenden konnten frei ein Werk aus der Sammlung als Ausgangspunkt ihrer eigenen künstlerischen Arbeit wählen. Thematisiert wurden unter anderem Die Erschießung Kaiser Maximilians, Der türkische Frauenraub sowie Anselm Feuerbachs Hafis an der Schenke, das den Ausgangspunkt dieser Arbeit bildet.
Ausgehend von Feuerbachs Hafis an der Schenke werden die kolonialen Bildpolitiken und hierarchischen Konstruktionen des Gemäldes dekonstruiert.
Figuren, die im Original gesichtslos bleiben oder lediglich als Staffage erscheinen, erhalten Individualität, ein Gesicht und Handlungsmacht.
Durch ihre neue Anordnung entstehen Beziehungen, die von Empathie, Zärtlichkeit und gegenseitiger Fürsorge geprägt sind. Die zentrale Stellung des persischen Dichters Hafis wird zugunsten eines kollektiven Gefüges aufgelöst.
Gleichzeitig richtet sich die Arbeit gegen die Vorstellung des Künstlers als herausragendes Einzelgenie, das losgelöst von seiner Gemeinschaft schöpft. Dieser Idee wird ein Verständnis künstlerischer Praxis gegenübergestellt, das Gemeinschaft, gegenseitiges Zuhören, Fürsorge und Zusammenarbeit als Grundlage kreativen Handelns begreift. Künstlerisches Schaffen erscheint nicht als isolierter Akt, sondern als Ergebnis sozialer Beziehungen und gemeinschaftlicher Prozesse.
Die Rauminstallation besteht aus acht frei hängenden Leinentüchern, die mit verschiedenen Nähmaschinenstichen bearbeitet wurden. Mehrere Bildfragmente lösen die Figuren aus Feuerbachs ursprünglicher Komposition heraus und setzen sie in neue räumliche Beziehungen zueinander. Die hierarchische Bildordnung des Originals weicht einem offenen Geflecht aus Körpern, Blicken und Begegnungen.
Die Materialität der Installation steht bewusst im Kontrast zur Tradition der Malerei. An die Stelle der fest auf einen rechteckigen Keilrahmen gespannten Leinwand treten frei hängende Stoffbahnen, die durch ihre Beweglichkeit eine skulpturale Qualität entwickeln. Die Naht ersetzt den Pinselstrich. Während die Vorzeichnung in der Malereitradition lediglich als vorbereitender Arbeitsschritt galt, wird die Linie hier selbst zum bildgebenden Element. Als verbindende Spur zwischen den Figuren macht sie Beziehungen sichtbar und tritt an die Stelle der malerischen Geste.
Das Nähen, historisch dem Kunsthandwerk und weiblich konnotierten Tätigkeiten zugeordnet, wird als eigenständiges künstlerisches Medium eingesetzt. Die Naht verbindet nicht nur Stoff, sondern auch Körper, Figuren und Bildräume und führt damit das zentrale Motiv des Verbindens auf materieller Ebene fort.
The work was created in the seminar Frameworks of Fiction in collaboration with the Kunsthalle Mannheim. The seminar's starting point was a critical examination of the Kunsthalle Mannheim's collection, particularly its historical paintings and the image constructions they represent. Students were free to choose a work from the collection as the starting point for their own artistic work. Among the works addressed were The Execution of Emperor Maximilian, The Turkish Abduction of Women and Anselm Feuerbach's Hafiz at the Tavern, which forms the starting point of this work.
Taking Feuerbach's Hafiz at the Tavern as its point of departure, the work deconstructs the painting's colonial image politics and hierarchical constructions. Figures who remain faceless in the original or appear merely as staffage are given individuality, a face and agency. Their new arrangement creates relationships marked by empathy, tenderness and mutual care. The central position of the Persian poet Hafiz is dissolved in favor of a collective structure.
At the same time the work pushes back against the idea of the artist as an exceptional individual genius creating in isolation from their community. Against this idea it sets an understanding of artistic practice that grounds creative action in community, mutual listening, care and collaboration. Artistic creation appears not as an isolated act but as the result of social relationships and collective processes.
The spatial installation consists of eight freely hanging linen cloths worked with various sewing machine stitches. Several image fragments extract the figures from Feuerbach's original composition and place them in new spatial relationships to one another. The hierarchical pictorial order of the original gives way to an open web of bodies, gazes and encounters.
The materiality of the installation deliberately contrasts with the tradition of painting. In place of canvas stretched tightly over a rectangular frame are freely hanging lengths of fabric whose mobility gives them a sculptural quality. The seam replaces the brushstroke. While the preliminary sketch was traditionally seen merely as a preparatory step in painting, here the line itself becomes an image making element. As a connecting trace between the figures it makes relationships visible and takes the place of the painterly gesture.
Sewing, historically associated with craft and with work coded as feminine, is employed here as an independent artistic medium. The seam joins not only fabric but also bodies, figures and pictorial spaces, carrying the central motif of connection forward onto the material level.
Der Hermann-Levi-Platz, „Vorplatz“ des Badischen Staatstheaters Karlsruhe, bleibt zwischen mehreren Großbaustellen voraussichtlich bis 2036 ein Ort des Übergangs. Vor diesem Hintergrund nimmt die temporäre „Raumintervention Paradies“ einen Dialog mit der urbanen Brache auf. Die Umbenennung des Platzes in ein „Paradies“ erprobt das Potenzial dieser Fläche als lebendigen, ökologischen und sozialen Raum, der zur Auseinandersetzung mit Natur, Nachhaltigkeit und Gemeinschaft einlädt. Die Intervention gliedert sich in drei miteinander verbundene Orte des Verweilens, des Lernens und des Aus-Tauschens:
A) Biotopos – Paradies als Lernort
Die Installation inszeniert ein unbemerkt entstandenes Biotop am Rande des Platzes. Im Sinne Gilles Cléments Begriff der „dritten Landschaft“ bricht dieser wilde Ort mit geordneter Landschaftsarchitektur im urbanen Raum. Das großformatige Banner zeigt rund 200 ineinanderfließende Fotografien der Pflanzenvielfalt des Biotops, die als Brücke zwischen Realität und Imagination zu verstehen ist. Integrierte Gucklöcher rufen zur bewussten Betrachtung des Biotops auf. Ein QR-Code, der zu einem botanischen Archiv führt, ergänzt die Interaktion als digitalen Lernort.
B) Ein Steg zum Verweilen führt zu einer Insel: Paradies als Aufenthaltsraum
Inmitten von Beton und Baustellenlärm führt der inklusiv gestaltete Steg zu einer Plattform am Wasserbecken des Vorplatzes. Sitzelemente und schattenspendende Wimpel laden zum Verweilen ein. Der Steg ergründet so den Paradiesbegriff als Sehnsuchtsort, dem man sich zwar annähern kann, aber zu dem man stets auf Distanz bleibt. Die orangefarbene Leuchtschrift „Paradies“ vervollständigt als konkrete und abstrakte Größe das Bild eines sichtbaren, aber unerreichbaren Inselparadieses.
C) Feld und Pflanzentauschbörse am K-Punkt: Paradies als sozialer Raum
Bepflanzte Refarmkästen, bunte Sitzelemente und Schattenwimpel ergänzen die bereits vorhandenen entsiegelten Betonflächen und machen das Paradies als sozialen Raum und Ort der Interaktion erfahrbar. Im Mittelpunkt steht eine Pflanzentauschbörse, die neben dem Tausch auch die Pflege von Kräuterbeeten beinhaltet und die Idee des Paradieses als gemeinschaftlichen Prozess transportiert. Vergleichbar mit einem Ausstellungsraum laden die Sitzgelegenheiten zum Betrachten der Pflanzen ein.
Der szenografischen Intervention ging eine intensive Recherchearbeit voraus – bestehend aus Raumanalysen des Vorplatzes sowie der vorhandenen Vegetation, einer Besichtigung der Theaterbaustelle, Recherche zur Baugeschichte des Ortes und den städtischen Zukunftsplänen. Der Anspruch an eine möglichst nachhaltige Produktion hat den Prozess begleitet. Materialien wie die Wimpel und Elemente wie die Paletten und Sitzgelegenheiten wurden wiederverwendet und umfunktioniert.
Raumintervention Paradies wurde durch Studierende aller Studiengänge der HfG Karlsruhe entworfen und realisiert.
Schwarm #4 ist eine studentische Publikation mit künstlerischen und wissenschaftlichen Beiträgen aus verschiedenen Fachbereichen der HfG Karlsruhe, die sich mit dem Begriff „Realities“ auseinandersetzen.
Beschreibung (en)
Schwarm #4 is a student publication featuring artistic and academic contributions from various departments at the HfG Karlsruhe, which explore the concept of ‘Realities’.
Die vorliegende Magisterarbeit untersucht Lars von Triers Film Melancholia als filmischen Denk-
und Wahrnehmungsraum, in dem sich Subjektivität unter Bedingungen einer als „absolute
Gegenwart“ beschriebenen Gegenwartsanalyse konstituiert. Der Begriff geht auf den von Marcus
Quent herausgegebenen Sammelband Absolute Gegenwart (2016) zurück. Dieser beschreibt
gegenwärtige Erfahrungs- und Zeitstrukturen als Spannungsfeld von Beschleunigung,
Bewegungsstarre und der Erosion von Differenz, verbunden mit einem Zustand der Ohnmacht, in
dem Handlung und Denken zunehmend eingeschränkt werden. Diese Analyse bildet den
Ausgangspunkt einer Perspektive, die den Film nicht als Illustration theoretischer Modelle versteht,
sondern ihn aus seiner eigenen Wahrnehmungslogik heraus erschließen möchte.
Im Zentrum steht die Melancholie als Wahrnehmungsmodus, der nicht als klinisch-pathologische
Depression verstanden wird, sondern als Transformation eines Weltbezugs, in dem sich die
Erfahrung des Anderen in eine verschobene und intensivierte Form der Zugänglichkeit ausbildet.
Der Planet Melancholia fungiert dabei nicht als äußeres Symbol, sondern als Schwellenfigur eines
paradoxen Außen, das zugleich Welt-Außen und inneres Außen des Subjekts ist. In dieser Struktur
erscheint das Andere nicht als stabile Gegeninstanz, sondern als entziehende Bewegung, die
Wahrnehmung affiziert, entsichert und verschiebt. Die melancholische Intention steht zu diesem
Außen in einer paradoxen Relation der Annäherung durch Nicht-Aneignung bzw. der Aneignung
im Modus des Nicht-Besitzes, in der sich ein virtuelles Gefüge des Sinnlich-Unsinnlichen eröffnet,
das den Raum der Erfahrung selbst reorganisiert.
Die Arbeit verbindet psychoanalytische Perspektiven (Sigmund Freud, Jacques Lacan) und
kulturphilosophische Ansätze der Melancholie (Giorgio Agamben) mit dem Denken Gilles
Deleuzes, das die zentrale theoretische Perspektive der Arbeit bildet. Im Zentrum stehen seine
Konzeption eines Begehrens jenseits von Subjekt und Objekt sowie seine Differenzphilosophie.
Ergänzend werden zeitdiagnostische Positionen von Byung-Chul Han und Alain Badiou sowie
weitere theoretische Perspektiven, unter anderem von Mark Fisher und Judith Butler, herangezogen.
Die Analyse des Films folgt einer Struktur aus Prolog und apokalyptischem Ereignis, zwischen
denen sich ein Erfahrungs- und Psychologieraum zwischen einem ersten und einem zweiten
Untergang eröffnet. Melancholia erscheint dabei als Versuchsanordnung, in der das Ende der Welt
als prekäre Schwelle erscheint, in der Wahrnehmung, Begehren und Weltverhältnis neu konfiguriert
werden. Ziel ist eine Lesart, in der Subjektivität gerade im Entwurf ihres Verschwindens ein
Vermögen der Öffnung gegenüber Alterität gewinnt.
This master's thesis examines Lars von Trier’s Melancholia as a cinematic space of thought and
perception in which subjectivity is constituted under the conditions of a temporal diagnosis
described in contemporary German theory as the “absolute Gegenwart” (literally: “absolute
present“). The term originates in Absolute Gegenwart (2016), an edited volume by Marcus Quent.
This volume describes contemporary structures of experience and temporality as a field of tension
between acceleration, stasis, and the erosion of difference, accompanied by a state of impotence in
which action and thought are increasingly constrained. This analysis serves as the point of departure
for an approach that does not treat the film as an illustration of theoretical models, but instead seeks
to engage it on the basis of its own logic of perception.
At the center of the analysis lies melancholy as a mode of perception, not understood as a clinical
pathology, but as a transformation of one’s relation to the world, in which the experience of the
Other is transformed into a shifted and intensified form of accessibility. The planet Melancholia
does not function as a symbolic object, but as a threshold figure of a paradoxical outside that is
simultaneously external to the world and internal to the subject. Within this structure, the Other no
longer appears as a stable counterpart, but as a movement of withdrawal that affects, destabilizes,
and displaces perception. The melancholic intention stands in a paradoxical relation to this outside,
characterized by an approach through non-appropriation, or appropriation in the mode of non-
possession, within which a virtual field of the sensible and the non-sensible emerges, reorganizing
the very space of experience.
The thesis combines psychoanalytic perspectives (Sigmund Freud, Jacques Lacan) and
philosophical approaches to melancholy (Giorgio Agamben) with the thought of Gilles Deleuze,
which constitutes the central theoretical framework of the study. Particular emphasis is placed on
his conception of desire beyond subject and object and on his philosophy of difference. In addition,
contemporary diagnoses of the present by Byung-Chul Han and Alain Badiou, as well as further
theoretical contributions by authors such as Mark Fisher and Judith Butler, are incorporated.
The analysis of the film follows a structure of prologue and apocalyptic event, within which an
experiential and psychological space unfolds between a first and a second downfall. Melancholia is
thus read as an experimental arrangement in which the end of the world appears as a precarious
threshold, in which perception, desire, and world relation are reconfigured. The thesis argues that
subjectivity gains its capacity for openness toward alterity precisely in the projection of its own
disappearance.
Über einem Quilt, der den Rhein in seiner natürlichen und begradigten Form zeigt, hängen fünf beleuchtete Laternen mit Motiven aus Calibans Leben, eine schwarze Fähre und ein Schwarm Tigermücken. Begleitet wird die Installation von einem Soundstück. Gemeinsam erzählen die Elemente die Geschichte Calibans, der versucht, sich in einer Welt zu orientieren, deren Kategorien nicht ausreichen, um seine Erfahrung zu beschreiben.
Die Arbeit folgt zunächst der Logik des Märchens vom hässlichen Entlein. Die wiederholte Begegnung mit dem Anderen wird dort als Erfahrung von Ablehnung erzählt. Erlösung verspricht erst die Begegnung mit den eigenen Gleichen. Das Märchen entwirft damit eine Vorstellung von Identität und Zugehörigkeit, die auf Ähnlichkeit beruht und die Welt in klare Kategorien von Eigenem und Anderem ordnet.
Anhand der Figur Caliban untersucht die Arbeit, was geschieht, wenn Zugehörigkeit und Identität nicht durch Herkunft, Ähnlichkeit oder Ankunft hergestellt werden können.
Während der Schriftsteller und Denker Édouard Glissant Identität als etwas versteht, das in Beziehung entsteht und sich fortwährend verändert, folgen auch die afroamerikanischen mündlichen Erzählungen um die Trickster-Figur Brer Rabbit keiner endgültigen Auflösung. Anders als im Märchen vom hässlichen Entlein führt die Suche hier nicht zu einem Zustand dauerhaften Gleichgewichts. Stattdessen offenbart sich eine andere Logik, in der Identität und Zugehörigkeit nicht durch die Begegnung mit den eigenen Gleichen entstehen, sondern durch fortwährende Beziehungen, Verschiebungen und Neuorientierungen.
Suspended above a quilt depicting the Rhine in both its natural and canalized form are five illuminated lanterns featuring scenes from Caliban's life, a black ferry, and a swarm of tiger mosquitoes. The installation is accompanied by a sound piece. Together, these elements tell the story of Caliban, who attempts to navigate a world whose categories are insufficient to describe his experience.
The work initially follows the logic of The Ugly Duckling. In the fairy tale, repeated encounters with the Other are experienced as rejection. Redemption is promised only through the encounter with one's own kind. The story thus presents an understanding of identity and belonging based on similarity, dividing the world into clear categories of self and other.
Through the figure of Caliban, the work explores what happens when belonging and identity can no longer be established through origin, similarity, or arrival.
While the writer and thinker Édouard Glissant understands identity as something that emerges through relation and is constantly transformed, the African American oral tales surrounding the trickster figure Brer Rabbit likewise resist any final resolution. Unlike The Ugly Duckling, the search does not lead to a lasting state of equilibrium. Instead, another logic emerges, in which identity and belonging are shaped not through the encounter with one's own kind, but through ongoing relations, shifts, and reorientations.